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Flensburg und Kappeln werden zur Großpfarrei : Frischer Wind in der katholischen Kirche

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit einem Pastoralkonzept, zwölf Leitbildern sowie strukturellen Veränderungen gehen die Gemeinden neue Wege

Es bewegt sich was in den katholischen Kirchengemeinden St. Marien Flensburg und Kappeln – nach Jahren enger Verbundenheit wachsen sie zu einer gemeinsamen Pfarrei zusammen. Damit wird ein Team von 210 ehrenamtlichen Mitarbeitern, so genannten Freitätigen, um den leitenden Pfarrer Stefan Krinke nun für über 12  000 Katholiken zwischen Schafflund und Damp, Glücksburg und Brodersby zuständig sein.

In einem Pastoralkonzept wurden neue Leitbilder entwickelt. „Wir wollen an die Ränder der Gesellschaft gehen“, sagt Krinke und verweist auf Papst Franziskus, der jüngst eine seiner zentralen Botschaften mit den Worten vermittelte: „Mir ist eine verbeulte Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist.“

Diese Wort stoßen auch bei Kurseelsorger Georg Hillenkamp (St.  Elisabeth, Damp), der in der Lenkungsgruppe mitwirkt, auf großen Widerhall. „Wir müssen uns immer wieder reformieren“, sagt er und meint damit nicht nur die überfällige Erneuerung von innen, sondern auch den offenen Blick über den Tellerrand. „Heimat leben!“, ist, kurz gefasst, das Postulat. Kirche buchstäblich er-fahren. Gehen, urteilen und handeln, so wie es das Bistum vorgegeben hat.

Es geht den Verantwortlichen darum, die Lebenswirklichkeiten der Menschen im Umfeld der Kirche gerade in Zeiten schwindenden „Glaubenswissens“ wahrzunehmen, den Menschen in ihrem Suchen, ihren Sorgen und Nöten nahe zu sein. „Die entscheidende Frage ist doch: Wie können wir Christus-Verbundenheit wieder neu beleben?“, betont Claudia Linker, die das Konzept mitgestaltet hat.

Dem Zusammenschluss ging ein Vorlauf von anderthalb Jahren voraus, bevor das Pastoralkonzept im Lenkungsausschuss beschlossen und Ende letzten Monats von Erzbischof Stefan Heße bestätigt wurde. Die offizielle Verkündigung wird im Rahmen der Gottesdienste an diesem Wochenende in den neun Kirchen des Pastoralen Raumes erfolgen.

Zuvor hatte man eine Sozialraum-Analyse durchgeführt und mittels Fragebögen an Gemeindemitglieder Antwort auf die Frage gesucht: Was erwarten die Menschen von ihrer Kirche? Angestrebt wird nunmehr eine bessere Vernetzung mit Orten kirchlichen Lebens und Sozialeinrichtungen wie Caritas, Sozialdienst Katholischer Frauen oder Maltesern sowie eine stärkere Präsenz an den Hochschulen, im Tourismus, an Krankenhäusern und Schulen. Auch der Kontakt zu Religionslehrern soll intensiviert werden. „Manchmal“, räumt Pfarrer Krinke ein, „geht der Blick nach außen leider verloren.“

Allein in der Flensburger Kirchengemeinde mit seinen 9000 Mitgliedern sind 80 verschiedene Nationalitäten vertreten. Diesem Umstand will man Rechnung tragen, indem man auch andere Sprachen in die Gottesdienste und liturgischen Texte einfließen lässt.

Die Fusion hat allerdings auch ihren Preis. Die sechs hauptamtlichen Stellen schrumpfen auf vier Vollzeit- (davon zwei Pastoren) und eine halbe Stelle – ein Einschnitt von 25 Prozent. Die Kirche ist in der Krise, keine Frage. Dennoch geben sich die Beteiligten zuversichtlich: „Es geht nicht darum, Kunden zu halten“, versichert Georg Hillenkamp, „sondern darum, wie ich es schaffe, Begeisterung zu wecken.“ Den Kerngedanken formuliert Krinke: „Wir sind mit Christus unterwegs – und wir wollen mit ihm zu den Menschen gehen!“

 

 

 

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erstellt am 15.Dez.2016 | 17:25 Uhr

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