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Campus Flensburg : Frischer Wind fürs Fundraising

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Master-Studiengang der Uni erprobt das Format „Service Learning“ in der Realität – Villekula ist Akteur auf Seiten der gemeinnützigen Vereine

Klinken putzen gehört dazu: Nachdem ihre Mails bei vielen Firmen im Spamfilter gelandet waren, haben sich die sechs Studenten auf den Weg zu 120 ausgewählten Unternehmen gemacht und ihr Anliegen persönlich vorgetragen. Die angehenden Master für International Management Studies der Europa-Universität überzeugten in sieben Firmen und gewannen Paten für die „Gartenkinder“.

Dieses Angebot des gemeinnützigen Vereins Villekula für Fünf- bis Zwölfjährige sei eines der beliebtesten. Die Finanzierung jedoch sei am unsichersten, sagt die erste Vorsitzende Tjorven Reisener und spricht für die Mitstreiter: „Da muss sich was ändern, damit wir es aufrechterhalten können.“ Denn jeden ersten und dritten Sonnabend gilt es, mindestens zwei Ehrenamtliche zu finden, die bis zu ein Dutzend Kinder beim Gärtnern unterstützen. „Vom Samenkorn bis zur Mahlzeit“, nennt Reisener das Motto bei Villekula und zählt auf, was die Kinder im Jahresverlauf so alles machen: „Wir bereiten die Beete vor, säen, stellen Dünger selbst her, gießen, jäten Unkraut, ernten.“

Das ist nicht alles: Die Kinder machen auch Apfelsaft selbst, backen Brot, Pizza und jetzt Plätzchen, bereiten Kräutersalz, Pesto und Marmelade zu. Der gesundheitspräventive Ansatz ist zentral; die Jugend soll aber auch soziale Fähigkeiten erwerben, sich ihrer „Selbstwirksamkeit“ bewusst werden und „Dinge von Anfang bis Ende erleben“, erklärt Tjorven Reisener.

Dieser Zugang zur Natur und diese Nachhaltigkeit hat auch die r2p – Rail and Road Protec GmbH angesprochen. Nachhaltigkeit sei für r2p immer ein großes Thema, sagt Diane Tunk, die für das Technologie-Unternehmen arbeitet. Es entwickelt an der Lise-Meitner-Straße Soft- und Hardware für Schienen- und Straßenfahrzeuge. Erst wenn man Natur so erfahre wie die Kinder bei Villekula, dann könne man auch erkennen, wie schützenswert und verletzlich die Natur sei, begründet Diane Tunk, warum das Unternehmen gleich fünf Patenschaften für die Gartenkinder übernommen habe.

Das Konzept mit den Paten – die Übernahme einer Patenschaft für ein Jahr kostet 200 Euro – war eine Idee der sechs Wirtschaftsstudenten der Europa-Uni. Sie sind wie drei weitere Studentengruppen Akteure eines neuen Lehrveranstaltungsformats, das „Service Learning“ heißt. In Flensburg wird es erstmalig durchgeführt, sagt Tanja Reimer vom Internationalen Institut für Management und ökonomische Bildung der Uni. Während es anderswo schon erfolgreich praktiziert werde, habe es Prof. Thomas Behrends an die Uni geholt. Service Learning verbinde das universitäre Lernen mit gesellschaftlichem Engagement, erläutert Reimer. Dabei gewinne das fachliche Lernen durch die Erfahrungen in der Realität an Relevanz, Handlungsbezug und Verständnistiefe. In diesem Semester stand das Thema „Fundraising für gemeinnützige Organisationen aus der Region“ im Mittelpunkt. Fundraising, so spricht Reimer für die Dozenten, sei nicht nur eine einmalige Spendenaktion, sondern münde im Idealfall in „ein tragfähiges Konzept für eine möglichst nachhaltige Finanzierung“. Durchführung und Dokumentation komplettieren es.

Neben der Praxiserfahrung für die Studierenden liegen auch die Vorteile für Vereine auf der Hand. Gemeinnützige Organisationen seien oft mit dem Tagesgeschäft überlastet, beobachtet Tanja Reimer. Mit den Studierenden komme frischer Wind.

Das Finanzierungskonzept, sagt die Vorsitzende von Villekula, hätte sie sich sonst mit den Vereinsmitgliedern selbst überlegen müssen. Mit den Studenten verlief die Arbeit wie „Ping-Pong-Spielen“, vergleicht Tjorven Reisener: Sie habe Anregungen in die Gruppe hineingegeben, die künftigen Management-Profis haben sie fortentwickelt. „Es ging voran“, lobt Reisener und betont, dass ihr wichtig gewesen sei, dass die Studenten mit den Ideen konform gingen. „Das beansprucht natürlich Zeit.“

Noch bis zum Semesterende feilen die Akteure auf beiden Seiten an ihren Konzepten; im Februar oder März soll es eine Abschlussveranstaltung an der Uni geben – auch mit Vertretern von Freiwilligendiensten. Die Studierenden werden ihre Konzepte und Projektabläufe vorstellen, sagt Tanja Reimer und ist überzeugt, dass die „Akquise“ für den nächsten Durchgang des Formats angesichts der erfreulichen Erfahrungen einfacher sein wird.

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erstellt am 14.Dez.2016 | 19:30 Uhr

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