Langballig : Frischer Glanz für Erdmann-Pavillon

Eine Arbeitsgruppe pflasterte den Boden des Erdmann-Pavillons, im Hintergrund sind die beschädigten bunten Figurinen des Malers Hans Holtorf zu erkennen.
Eine Arbeitsgruppe pflasterte den Boden des Erdmann-Pavillons, im Hintergrund sind die beschädigten bunten Figurinen des Malers Hans Holtorf zu erkennen.

Jugendbauhütte Lübeck saniert das Bauwerk in Langballigau und erarbeitet Inszenierung der einzigen Operette des Pianisten.

shz.de von
14. April 2018, 12:00 Uhr

Kostüme schneidern, Konzepte entwickeln und eine Inszenierung planen: Ungewöhnliche Aktivitäten gingen kürzlich in der Aula in Langballig vonstatten. 24 junge Leute waren zugange und befassten sich im Rahmen eines Seminars mit dem „Erdmann-Holtorf-Pavillon“ und der Operette „Die entsprungene Insel“. Alle Teilnehmer absolvieren gegenwärtig ein „Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ)“ in der Denkmalspflege bei der Jugendbauhütte Lübeck der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Bei dem Projekt drehte sich alles um den Komponisten und Pianisten Eduard Erdmann (1896-1958) und den mit ihm befreundeten Maler Hans Holtorf (1899-1984). Der Musiker Erdmann lebte von 1923 zeitweise und ab 1935 ständig in Langballigau. Mit seiner Familie bewohnte er dort ein Haus an der Straße gegenüber dem Hafen. 1925 komponierte er seine einzige, nie aufgeführte Operette „Die entsprungene Insel“.

Oben am Hang seines großen Grundstücks ließ sich Erdmann einen kleinen Pavillon errichten. Auf die Innenwände malte Holtorf buntkostümierte Personen mit Rollen aus der Operette, sogenannte „Figurinen“. In den unbeheizten Pavillon eindringende Feuchtigkeit schädigten das Bauwerk und die Malereien. 2014 wurde der Pavillon unter Denkmalschutz gestellt sowie mit einer Drainage und einem Schutzdach versehen. Die Figurinen warten bis heute auf eine Restaurierung. Architekt Albrecht Barthel, vor vier Jahren beruflich damit befasst, stellte die Verbindung zur Jugendbauhütte in Lübeck her. Eine Arbeitsgruppe führte unter Leitung des Zimmermanns Eric Janssen weitere Sicherungsmaßnahmen am Pavillon aus und pflasterte den Innenraum.

Von den weiteren Gruppen, die in der Aula arbeiteten, schneiderte eine Kostüme für die Operette auf der Grundlage der Figurinen und vorhandener Entwürfe. Anleitungen gaben Bekleidungstechnikerin Saskia Gutte aus Berlin und das in Dollerup wohnende syrische Flüchtlingsehepaar Khadija Al Alloush und Ramez Mhna, beide gelernte Schneider und Modedesigner.

Ein drittes Team plante Bühnenbild, Rollenverteilung und Probenabläufe für eine Inszenierung der Operette. Die vierte Gruppe entwarf ein Konzept für eine Zukunftsperspektive des Pavillons mit touristischer und musealer Nutzung. Jugendbauhüttenleiterin Ivalu Vesely ist mit dem Projekt, das sie als „Gesamtkunstwerk“ bezeichnete, sehr zufrieden.

Das gilt auch für Teilnehmer Bjarne Paulson aus Lübeck. Er sieht das Jahr als gelungene Orientierungsphase nach dem Abitur. „Ich kann überall reingucken und darf sogar bei Entwürfen mitwirken.“

Leiterin Vesely will das Projekt in Lübeck fortführen. Dort sollen die Kostüme fertiggestellt und auch Szenen der Operette einstudiert werden. Ziel sei als Abschluss eine szenische Aufführung – vielleicht sogar in der Aula in Langballig.

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