Frische Kohle für den Alex-Kessel

Gleich geht’s los: Kapitän Günter Herrmann, Swetlana Krätzschmar, Ministerin Anke Spoorendonk, Simon Faber und Ministerpräsident Torsten Albig an der Reling des Salondampfers.
Gleich geht’s los: Kapitän Günter Herrmann, Swetlana Krätzschmar, Ministerin Anke Spoorendonk, Simon Faber und Ministerpräsident Torsten Albig an der Reling des Salondampfers.

Ministerpräsident Albig bringt Förderbescheid über 200 000 Euro an Bord / Anke Spoorendonk stellt weitere 90 000 Euro vom Land in Aussicht

shz.de von
29. Mai 2015, 12:59 Uhr

Fast jeder, der in Flensburg mit alten Schiffen zu tun hat, war zur „Alexandra“ gekommen. Ministerpräsident Torsten Albig war zum ersten mal Passagier auf dem 107 Jahre alten Salondampfer, und er hatte auch ein großes Geschenk dabei. Doch damit durfte man rechnen, und genau genommen kam das Geschenk auch nicht von ihm, sondern von der Staatsministerin für Medien und Kultur. Die 200  000 Euro sind für den neuen Kessel der „Alex“ bestimmt und decken etwa ein Drittel der benötigten Gesamtsumme ab.

Das heißt, der Dampfer braucht noch mehr Kohle. Und die soll zu einem nicht unerheblichen Teil vom Land Schleswig-Holstein kommen. Wie es aussieht, sind die Hoffnungen berechtigt: Vom Oberdeck aus stellte Kulturministerin Anke Spoorendonk in Aussicht, dass im Laufe des Sommers wohl eine feste Zusage über 90  000 Euro vom Land kommen werde. Albig, der neben ihr stand, widersprach nicht.

Nun brach zwar nicht allgemeiner Jubel bei Crew und Förderverein, Heizer und Steuermann, Oberbürgermeister und Stadtpräsidentin, Ratsfrauen und -herren sowie anwesenden Hafen-Urgesteinen aus. Doch die dunkelgraue Wolkendecke über der kabbeligen Förde riss plötzlich auf und ließ die Sonne die kleine Dienst- und Förderfahrt in erfreuliches Licht setzen.

Der Ministerpräsident zeigte sich begeistert von dem alten Schiff, ließ sich von Crewmitgliedern technische Details erklären, besuchte den Maschinenraum und griff sogar zur Kohleschaufel. Und gratulierte „Alex“-Urgestein Kapitän Wolfgang Weyhausen zu dessen 74. Geburtstag. Die „Alexandra“ sei „gelebte Geschichte“, und er stelle sich vor, wie die Menschen vor 100 Jahren hier auf dem Schiff gearbeitet oder die Fahrt als Passagier genossen haben.

„Es ist toll und wichtig, so ein Schiff zu erhalten“, sagte Oberbürgermeister Simon Faber. Dass die Finanzierung der Kessel-Erneuerung jetzt nahezu in trockenen Tüchern sei, führte er vor allem auf die besondere Kooperation vieler Akteure zurück: Förderverein, Untere Denkmalschutzbehörde, Land Schleswig-Holstein sowie zahlreiche Förderer vor Ort wie vor allem die Nospa, deren Vorstandschef Thomas Menke ebenfalls an Bord war – und im Salon hier und da den Kopf einziehen musste.

2013 wurden bei einer Druckprüfung Schäden am Kessel festgestellt; nach eingehenden Überlegungen kam man zu dem Schluss, dass ein neuer Kessel her muss. Der kostet „nur“ etwa 95  000 Euro, sagte Eberhard Starke, Vorsitzender des Fördervereins. Doch das Schiff muss quasi oben aufgeschnitten und geöffnet werden, bevor der alte Kessel heraus- und der neue hereingehoben werden kann. So kommen die Gesamtkosten von rund 600  000 Euro zu Stande.

Rechnet man alle sicheren und fast sicheren Förderungen zusammen , fehlen jetzt nur noch vergleichsweise übersichtliche 70  000 Euro, die im Laufe des Jahres – nicht zuletzt beim Dampf-Rundum im Juli – eingeworben und erwirtschaftet werden sollen. Der Kessel-Ein- und -ausbau müsse ausgeschrieben werden, so Starke, und werde mehrere Woche dauern. Läuft alles wie geplant, dampft die „Alexandra“ in ihrem 108. Jahr mit einem neuen Kessel über die Förde.

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