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Jageler Aufklärungsgeschwader 51 : Frische Brise statt Alpenföhn

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Neue Aufgabe und neues Personal: Das Jageler Aufklärungsgeschwader 51 hat Zuwachs aus dem bayerischen Lechfeld bekommen.

shz.de von
erstellt am 10.Mai.2013 | 07:02 Uhr

Jagel | Der Schein trügt. Zumindest der Sonnenschein. Denn der hat den Norden in den vergangenen Wochen außergewöhnlich oft verwöhnt. Dass Petrus hierzulande aber auch ganz anders kann, weiß Neu-Schleswig-Holsteiner Matthias Littmann also bislang nur vom Hörensagen. Entsprechend selbstbewusst meint er dann auch: "Wir haben anscheinend das gute Wetter aus dem Süden mitgebracht."

Wir: Das sind neben dem 28-jährigen Oberleutnant rund 50 weitere Soldaten, die seit dem 1. April Teil des Jageler Aufklärungsgeschwaders 51 "Immelmann" sind. Zuvor waren sie allesamt beim Jagdbombergeschwader 32 (JaboG) auf dem bayerischen Fliegerhorst Lechfeld stationiert. Dort jedoch gingen - im Zuge der Bundeswehrreform - im März nach über 50 Jahren die Lichter aus. 20 ECR-Tornados aus Bayern sind seitdem nach Jagel verlegt worden und haben dort einen Großteil der älteren Maschinen ersetzt, so dass den "Immelmännern" inzwischen 24 Tornados zur Verfügung stehen. Mit dieser Aufstockung einher geht zudem ein Zuwachs an Aufgaben. So sind die Jageler nun nicht mehr ausschließlich für die optische Aufklärung zuständig, sondern müssen zusätzlich auch die bodengestützte Luftverteidigung des Gegners und Radarstellungen "aufdecken und bekämpfen", wie es offiziell heißt.

Mehr Aufgaben bedeuten in diesem Fall auch mehr Personal. Deshalb sind aus Bayern bislang 16 Piloten und Waffensystemoffiziere sowie rund 30 Techniker in den Norden versetzt worden. Weiteres Personal soll bis Oktober folgen. "Wir freuen uns über die Unterstützung aus dem Süden. Und dadurch, dass dieser Schritt lange vorbereitet wurde, ist die Integration der neuen Kameraden bislang reibungslos verlaufen, auch wenn deren Versetzung - geographisch gesehen - sicherlich für viele ein großer Schritt ist", sagt Oberstleutnant Josef Ehrenreich, der zurzeit die Geschicke des Verbandes leiten (Kommodore Hans-Jürgen Knittlmeier ist für ein halbes Jahr in Afghanistan).

Einer, der diesen fast 900 Kilometer weiten Schritt gemeistert hat, ist Filip Mrozowski. Der 33-jährige Hauptfeldwebel ist Fachmann für die Radar-Erfassungstechnik. Mit seinem neuen Arbeitsplatz hat er sich schnell arrangiert. "Ich kannte die Gegend und das Geschwader schon ein wenig, weil ich hin und wieder zu Unterstützungsdiensten hier war", sagt Mrozowski, der mit zwei Kindern und schwangerer Frau in den Norden gekommen ist und nun in Fockbek ein neues Zuhause gefunden hat. "Ich bin froh, dass meine Familie die Versetzung voll mitgetragen hat. Ich kenne auch Fälle, da haben die Lebensgefährtinnen doch ein paar Zicken gemacht", erzählt er und fügt an, dass er sich "hier oben" sehr wohl fühle.

Warum er nicht nach Schleswig oder Umgebung gezogen ist: "Da meine Frau beruflich auf schnelles Internet angewiesen ist, haben wir uns für Fockbek entschieden. Wir haben da einen 100-Mbit-Anschluss. Das gibt es in Schleswig nicht."

Mit "Moin" statt "Grüß Gott" begrüßt inzwischen auch Matthias Littmann fast selbstverständlich seine neuen Kollegen. Wie Filip Mrozowski betont auch der 28-jährige Tornadopilot, dass er sich schnell im neuen Umfeld wohlgefühlt habe - auch wenn er ganz alleine in den Norden gezogen ist. "Wir sind hier super aufgenommen worden. Die Kollegen haben uns Lechfeldern ein warmes Bett bereitet, auch weil man sich als Flieger im Laufe der Karriere immer mal wieder über den Weg gelaufen ist", sagt er. Zwar sei es sehr schade, dass sein alter Verband in Bayern aufgelöst wurde, er habe sich aber schnell an den Pantherkopf, das Wappen des AG 51, auf der Brust gewöhnt. "Sein eigener Verband ist für jeden Soldaten immer der beste, auf den lässt man nichts kommen. Aber die Umgewöhnung ging erstaunlich schnell", sagt Littmann, der jetzt im Kieler Stadtzentrum wohnt. "Es hat mich in die Stadt gezogen, da ist einfach mehr los. In Bayern habe ich auch direkt vor den Toren Augsburgs gewohnt", erklärt er.

Viele seiner bayerischen Kollegen sind jedoch nach Schleswig, Flensburg oder Husum gezogen - teils schweren Herzens. "Denjenigen, die in Bayern verwurzelt sind, ist der Umzug schon schwer gefallen", hat Littmann beobachtet. Diese Kameraden aber bekommen von Oberstleutnant Ehrenreich Trost: "Ich selbst bin auch Bayer und seit 1989 hier im Norden. Ich kann nur sagen, dass man hier hervorragend leben kann."

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