Friedhöfe unter neuer Regie : Friedhofsruhe: Ab sofort beim TBZ

Die Flensburger Friedhöfe werden nicht mehr durch eine eigene Gesellschaft, sondern durch das TBZ betrieben.
Die Flensburger Friedhöfe werden nicht mehr durch eine eigene Gesellschaft, sondern durch das TBZ betrieben.

Satzungsänderung sortiert die Zuständigkeit für die Flensburger Friedhöfe neu / SSW, WiF und Linke üben starke Kritik

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03. Mai 2018, 06:31 Uhr

Mit dem Tod ist bekanntlich nicht zu spaßen. Trotzdem erlebte die letzte Ratsversammlung zum Thema Flensburger Friedhöfe einen munteren kleinen Eklat, als Edgar Möller (SSW) und Gabi Ritter (Die Linke) eine Beschlussvorlage aus der Verwaltungsleitung kritisch hinterfragten. Die Vorlage wird die Selbstständigkeit der Friedhöfe als städtische Tochter beenden und die Zuständigkeit auf das Technische Betriebszentrum (Entsorgung, Straßen, Grünpflege, Entwässerung etc.) übertragen. Die Folgen werden unterschiedlich bewertet – Befürworter und Widersprechende warfen einander Pietätlosigkeit vor.

Möller, Ritter und auch die WiF-Fraktionsvorsitzende Erika Vollmer sahen überhaupt keinen Grund, am Status Quo zu rütteln. „Die Flensburger Friedhöfe haben als eigenständige Tochter bisher eine wahnsinnig gute Arbeit geleistet“, sagt Edgar Möller. Sowohl die parkähnlichen Anlagen als auch die Begräbniskultur seien eine eigene Flensburger Marke geworden. „Und die wollen wir gerne erhalten.“ Möller fühlt sich unbehaglich bei dem Gedanken, dass die Friedhofskultur aus praktischen Erwägungen künftig beim städtischen Entsorgungsunternehmen liegen wird. Er fürchtet den Verlust der kreativen Eigenständigkeit der bewährten Einrichtung.

Gabi Ritter sieht die eigentliche Gefahr beim Verfasser dieser Vorlage – bei Stadtkämmerer Henning Brüggemann. Sie erinnert noch den Bilanztrick vom Februar letzten Jahres, mit dem er eine höhere Zuwendung der wohlhabenden Tochter TBZ an die Not leidende Mutter Stadt erzwang. Dieses Mal, fürchtet sie, hat Brüggemann das gut verdienende Krematorium vor Augen. In der eigenständigen Gesellschaftsform habe die AöR die Einnahmen für die Pflege der Friedhofslandschaften und den Erhalt moderater Gebühren verwenden können – als Teil des TBZ sei diese zielgerichtete Verwendung nicht mehr so zwingend.

Arne Rüstemeier, Vorsitzender des TBZ-Verwaltungsrates, hält hingegen die Antragsgegner für pietätlos, die derartig abwegige Überlegungen ins Spiel bringen. „Das sind Befürchtungen, die da hinein interpretiert werden“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende. „Es gibt eine große fachliche Schnittmenge zwischen beiden Einheiten, und wenn wir die Kontrolle im TBZ-Verwaltungsrat bündeln, können wir auch gezielt spezielle Kompetenz einbinden.“ Erika Vollmer, als Fraktionsvorsitzende der WiF ebenfalls Antragsgegnerin, indessen ist misstrauisch. Es sei schon vom Ansatz der ursprünglich gewollten Nichtöffentlichkeit her „voll daneben“ gewesen. Das Argument, man spare bei der Zusammenlegung einen Geschäftsführer, stimme nicht. „Es soll ja wohl dafür wieder ein Abteilungsleiter eingestellt werden. Die Flensburger Friedhöfe sind ein sehr sensibles System. Da sollte niemand ohne Not rangehen.“

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