Geschichte der Gastarbeiter : Fremd vor 50 Jahren

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Kai Schröder vom Jugendzentrum AAK plant Ausstellung zur Geschichte der Gastarbeiter in Flensburg

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14. Mai 2011, 07:12 Uhr

Flensburg | Die Müllmänner, die Kai Schröder in Kindheitserinnerungen vor Augen sieht, seien "ein Deutscher und ein Italiener" gewesen. Genau solche Bilder wünscht er sich für eine Ausstellung zum 50. Jubiläum des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens. Der Leiter des Jugendzentrums AAK träumt davon, dass sich die Flensburger ab November an Schaufenstern von der St. Petrikirche im Norden der Stadt bis zum Deutschen Haus die Nasen platt drücken. Denn nach dem Vorbild einer Schau von vor einigen Jahren möchte Kai Schröder mit Fotos und Verträgen in großen Formaten die Geschichte der Gastarbeiter in Flensburg dokumentieren.

"Und wenn es alte Bilder vom Fußballverein sind", ermuntert der Ostfriese jedermann, nicht nur Flensburger aus der Türkei, Griechenland oder Italien, ihm möglichst digitalisierte Bilder und Schriftstücke zu schicken. "Historische Bilder wären am schönsten", die zeigen, "wie es war vor 50 Jahren" und "als es auffiel, dass Migranten in Flensburg waren". Denn über zeitgenössisches Material verfügt er selbst, nimmt auf, was er in seinen 15 Jahren im Jugendzentrum erlebt.

Der Name "Projektgruppe Ausländische Arbeiterkinder" für den Verein, den es seit 1973 gibt, sei veraltet, meint Schröder. Längst gehen Kinder aus allen Stadtteilen, mit und ohne exotischem Hintergrund, ein und aus im Haus Neustadt 12 - wo sie Kaltes am Tresen trinken, im Computerraum Referate recherchieren, im Musikstudio rappen, kickern, im Hof klettern oder Körbe werfen.

Mit dem Fest der Kulturen Anfang November soll die Ausstellung eröffnet werden und solange zu sehen sein, wie die Läden eben ihre Auslagen dafür hergeben. Von den Geschäftsleuten erwartet Schröder Zuspruch für die Ausstellung, weil viele schon damals dankbar waren, ihre Produkte mal in eine andere Dekoration zu betten als die üblichen Herbstblätter und Kastanien.

Und erste Exponate seien ihm sicher, sagt Schröder. Die Schwester einer AAK-Treuen, die in Hannover studiert, führe gerade Interviews mit ihrer "ganzen Community, die alle bei Danfoss waren". Und der Freund schneide die Videos für bewegte Präsentationen. Zudem habe Schröder bereits die Zusage des türkischen Konsulats in Hamburg, die "eine Kopie des originalen Anwerbervertrages" zur Verfügung stellen. "Die Ausstellung steht und fällt mit dem, was die Leute bringen", sagt Schröder, alle Flensburger herausfordernd.

Kontakt: Kai Schröder, Jugendzentrum AAK, Neustadt 12, Telefon 0461-42282; Fax: 0461-1505226; Mobil: 0160-1669513; Email: aakfl@foni.net; Internet: www.aak-fl.de

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