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Doppelrolle : Freiwillige Retter im Dauereinsatz

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Feuerwehr Steinbergkirche beschränkt sich nicht allein auf die üblichen Aufgaben. An den Wochenenden sind die Kameraden auch für medizinische Notfälle zuständig

So kann es nicht weitergehen, sagten sich die Feuerwehrleute aus Steinbergkirche: Vor knapp 50 Jahren kam es auf der damals berüchtigten Nordstraße (B 199) immer wieder zu schweren Unfällen. Damals war für den Rettungsdienst in der Region die Berufsfeuerwehr Flensburg zuständig. Doch bis die Retter an der Unfallstelle waren, vergingen oft über 30 Minuten – zu lange, befanden die Menschen vor Ort. 1968 nahmen sie ihr Schicksal dann einfach selbst in die Hand.

Das war die Geburtsstunde für den freiwilligen Rettungsdienst der Feuerwehr. Es war damals der erste Rettungsdienst im ehemaligen Kreis Flensburg-Land überhaupt, wobei das besondere war, dass dieser ausschließlich von Aktiven der Feuerwehr rund um die Uhr rufbereit war. Zehn Ehrenamtler unterzogen sich bei der Berufsfeuerwehr Flensburg der Ausbildung zu Rettungssanitätern. Bereits 1968 fuhren sie 30 Einsätze, 1977 waren es 208. Und damit war klar, dass der Bedarf vorhanden war. In der Einsatzstatistik sind Hilfen bei Unfällen der unterschiedlichsten Art aufgelistet und natürlich Krankentransporte – so ist es auch heute noch. Seit gut einem Jahrzehnt, so Wehrführer Thomas Kahl, gibt es die Kombination von Hauptamtlern des DRK und Ehrenamtlern der Feuerwehr in Steinbergkirche. Das, so Kahl, sei seines Wissens einmalig in Schleswig-Holstein. Untergebracht ist der Rettungsdienst von Steinbergkirche in dem 1990 erbauten Haus der Feuerwehr – mit einem Rettungsfahrzeug und den erforderlichen Räumen.


Großer Zeitaufwand und eine gehörige Portion Idealismus


Wichtig ist eine gehörige Portion Idealismus – es ist ein erheblicher Zeit- und Arbeitsaufwand, zusätzlich zu den Aufgaben der Feuerwehr Steinbergkirche auch noch an den Wochenenden freiwillig in Rettungsdiensten zu stehen. Von freitags 23 Uhr bis montags 7 Uhr sind sie in der Rettungswache präsent und damit in fünf Schichten zwischen jeweils acht bis zwölf Stunden zu zweit einsatzbereit. Von Montag bis Freitag ist die Wache von 7 bis 23 Uhr durch DRK-Rettungsassistenten besetzt. Die Nachtschichten in der Woche übernehmen die Hauptamtlichen in Sörup, Kappeln und Flensburg.

Um lebensbedrohende Situationen bis zum Eintreffen der hauptamtlichen Helfer zu überbrücken, hat die Feuerwehr ein „First Responder“-Fahrzeug für die erste Hilfe angeschafft. 21 Assistenten und zwei Sanitäter – 20 Männer und drei Frauen zwischen Mitte 20 bis Mitte 50 – stellen den Freiwilligen-Rettungsdienst der Feuerwehr. Sieben von ihnen sind auch aktiv im Brandschutz tätig. Wie notwendig dieser Freiwilligen-Dienst ist, zeigt die Vorjahresstatistik mit 330 Wochenendeinsätzen. 2013 waren die Freiwilligen der Feuerwehr für den Rettungsdienst 2912 Stunden tätig, davon 514 Stunden im Einsatz mit dem Rettungswagen.

Zu den ungewöhnlichen Einsätzen gehörte vor geraumer Zeit eine Geburtshilfe. Eine Frau in Sörup lag in den Wehen. Klar war, dass sie es bis zum Krankenhaus nicht mehr schaffen würde. Also machten sich die Feuerwehr-Rettungsassistenten nachts bei Nebel auf den Weg – zeitgleich war der Notarzt aus Kappeln informiert worden. Und den fuhr Rettungsassistent Helge Holdorf. Der 39-jährige Kappelner gehört ebenfalls zum freiwilligen Rettungsteam.


330 Extra-Einsätze für die Feuerwehr


Wie groß der Idealismus der Retter ist, zeigt sich auch an der Anforderung von 30 Stunden jährlich für die Fortbildung – das kostet nicht nur Extra-Zeit, sondern auch Geld aus der Privatschatulle. Als zusätzliches Problem kommt auf die Ehrenamtler zu, dass es in Zukunft das Berufsbild des Rettungsassistenten nicht mehr geben wird. Angesagt ist stattdessen der „Notfallsanitäter“ mit noch höheren Anforderungen an die Ausbildung.

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erstellt am 04.Feb.2014 | 07:45 Uhr

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