Bauen in Flensburg : Freiland: Gewoba streicht die Segel

Langjährige Brache: Für die Gewoba war die Teilfläche im Norden des Areals (Bildmitte unten) vorgesehen; rechts Munkteoft und Häuser „Alte Canzeley“.
1 von 2
Langjährige Brache: Für die Gewoba war die Teilfläche im Norden des Areals (Bildmitte unten) vorgesehen; rechts Munkteoft und Häuser „Alte Canzeley“.

Vorstand: „Eine wirtschaftliche Bebauung ist hier nicht möglich“ - Wohnprojekt-Gruppe will weiter machen, Straße soll gebaut werden

shz.de von
14. Januar 2017, 06:45 Uhr

Flensburg | Erneuter Rückschlag für das gemeinschaftliche Bauprojekt Freiland: Die Gewoba Nord mit Sitz in Schleswig, die eigentlich im Norden des Areals zwischen Bahnhof und Campus zwei Häuser mit rund 50 Wohnungen bauen sollte und wollte, streicht die Segel. Die eigentliche Freiland-Projektgruppe lässt sich dadurch nicht entmutigen und will weiter machen.

Was Gewoba-Vorstand Dietmar Jonscher über die Fläche sagt, klingt nicht gut: „Eine wirtschaftliche Bebauung ist hier nicht möglich – so schön die Fläche auch ist.“ Jonscher nennt auch die Gründe: „Das Risiko, dass die Erschließung am Ende doch erheblich teurer wird, zum Beispiel durch einen großräumigen Bodenaustausch, ist zu groß.“ Er verweist auf Kontaminationen im Boden durch die frühere Bauhof-Nutzung, er nennt schwierige Wasserverhältnisse und führt Naturschutz-Belange ins Feld. Die gutachterlichen Erkenntnisse hätten dazu geführt, dass man sich entschieden haben, die Pläne nicht weiter zu verfolgen.

„Das ist schade, wir hätten das Quartier gern mit einer Wohnungsbaugenossenschaft erschlossen“, sagt Anders Fonager Christensen, der vor einigen Jahren mit seinem Unternehmen ConPlan in das Freiland-Projekt eingestiegen ist. Man lasse sich aber durch den Rückzug der Gewoba nicht entmutigen und verfolge das Projekt genau so weiter wie geplant. Zusammen mit der Gesellschaft für Stadterneuerung werde man sich auf die Suche nach einem neuen Partner machen; dabei denke man konsequenterweise wiederum an eine Wohnungsbaugenossenschaft.

Der Vorstandschef der größten in Flensburg aktiven Genossenschaft äußert sich zurückhaltend: „Wir sind natürlich für Gespräche offen“, sagt Raimund Dankowski, Vorstand des Selbsthilfe-Bauvereins (SBV). Das Freiland-Projekt, „ein äußerst schwieriges Konzept“, sei über die Jahre „nie so richtig ins Fliegen gekommen.“

Die ersten Ideen für das Wohnprojekt liegen mittlerweile fast zehn Jahre zurück. Das Flensburger Tageblatt berichtete erstmals 2008 über die Gruppe um Wolfgang Almenritter, die mit Freiland etwas völlig Neues für Flensburg auf den Weg bringen wollte. Von den Männern und Frauen der ersten Stunde ist heute niemand mehr dabei; die Gruppe ernsthaft Interessierter bezifferte Christensen auf „um die zehn“. Er gehe aber davon aus, dass das Interesse deutlich zunehmen werde, sobald erst einmal auf dem Gelände etwas zu sehen ist. Erster wichtiger Schritt wird der Bau einer Erschließungsstraße sein, den die Stadt mit Sanierungsmitteln von der Straße Munketoft hinunter in das Gelände bauen will. Doch auch hier hat es jüngst eine Verzögerung gegeben. Markus Pahl, Geschäftsführer der Sanierungsgesellschaft, bekräftigte jedoch im Umwelt- und Planungsausschuss, dass man in diesem Jahr mit dem Bau der Straße beginnen werde.

Die Gewoba indes konzentriert sich auf das Bauprojekt „Skole-Haven“ in der Neustadt und möchte 2017 mit dem Projekt „Hansi-Garten“ am Anfang der Solitüder Straße beginnen; zudem ist die Gewoba am Großprojekt Schwarzental beteiligt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen