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Motorrad-Gottesdienst : Freiheit auf drei Rädern

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Am Wochenende feiert Flensburg zum zehnten Mal Motorrad-Gottesdienst - und zum achten Mal gibt es Ausfahrten für Menschen mit und ohne Handicap.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 07:12 Uhr

Flensburg | Lasse Delfs gilt als Mann der ersten Stunde: Als Zehnjähriger saß er zum ersten Mal auf dem "Bock" und genoss seine erste Ausfahrt für Menschen mit und ohne Behinderungen. Jetzt mit 18 wird er bei Ausgabe Nummer acht dabei sein und auch den Jubiläums-Motorrad-Gottesdienst im nun 10. Jahr miterleben. Zur Probe gab’s im April schon mal eine Ausfahrt - bei schönstem Regenwetter. Am Wochenende kann es nur besser werden - die Aussichten aber sind launig.

Marion Delfs, Lasses Mutter, sagt von sich, sie sei anfangs "notgedrungen" mitgefahren, doch "über die Jahre tapfer geworden". Sie freut der "tolle Zulauf". Bei aller Ehrenamtlichkeit werden auch stabile Strukturen im Hintergrund gebraucht, sagt Diplom-Psychologe Ulrich Kruse. Der Motorrad-Fahrer ist einer der Dutzend Helfer der Bikers Helpline (Notruf: 0180-4433333). Hier beantworteten die besonders geschulten Fachkräfte - ehrenamtlich - alles von Technik-Fragen bis hin zur Todesfall-Nachsorge, berichtet Kruse, und dass sie gezielt an Fachdienste vermittelt würden. "Die Leute wollen für sich etwas verändern." Die Anonymität werde unter allen Umständen bewahrt.

Matthias Glamann von der Pressestelle der Polizeidirektion Flensburg erinnert Zweiradfahrer daran, unbedingt Schutzkleidung zu tragen und auch bei Tag mit Licht zu fahren. Denn Motorräder zählten nicht ständig zum Straßenbild und werden "aufgrund ihrer Beschleunigungsleistung nicht immer wahrgenommen".

Der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Schleswig-Flensburg ist Veranstalter des Wochenendes. "Um Verantwortung wahrnehmen zu können, ist der christliche Glaube ein Fundament", sagt Uwe Stiller, Pastor für Biker-Seelsorge. Er hofft, noch mehr Interessenten für die Aktion zu gewinnen. Schließlich möchten die Biker andere Menschen mit diesem Hobby erreichen und das mitunter "angeschrammte Image" positiv belegen. "Die ganze Welt spricht über Inklusion", sagt Renate Weber, ebenfalls Bikers Helpline. Das Besondere an Flensburg sei, dass die Einbindung aller seit acht Jahren so selbstverständlich laufe, lobt Weber.

Für die Ausfahrt am Sonnabend "brauchen wir behindertengerechte Fahrzeuge, das heißt Gespanne und Trikes", sagt Uwe Stiller. Gerade für Motorrad-Fahrer, die einen Unfall hatten, sei alles, was drei Räder hat, hilfreich, erklärt Wolfgang Schildt, Triker aus Eggebek. Neugierige sind eingeladen, sich auszuprobieren und bekommen sogar einen Helm. Neben Ausfahrten werde es ein Rahmenprogramm von 14 Uhr bis 18 Uhr ebenfalls an der Hafenspitze geben mit Musikern der Stadtmission Berlin sowie der Trommelgruppe des Holländerhofs. Auch die Mürwiker Werkstätten sind als Unterstützer und zum Kennenlernen vor Ort. Der Spendenerlös von diesem Tage komme zwei Förderschulen in Flensburg zugute, die Kinder mit Behinderungen besuchen. Zum Motorrad-Gottesdienst am Sonntag um 12.30 Uhr musiziert Sim special; danach beginnt ein rund 60 Kilometer umfassender Korso.

Biker-Pastor Uwe Stiller wirbt unter dem Motto "Verantwortung, Lebensfreude, Fahrspaß" auch für das 30-jährige Bestehen des Hamburger Motorrad-Gottesdienstes, den am 9. Juni rund 35 000 feiern sollen. Der Titel des Flensburger Mogo lautet: "On the road again". Gemeinsam unterwegs zu sein, "mit allen Unterschieden, die wir haben" und "niemanden auszugrenzen", das sei Sinn der Sache, sagt Stiller. Und die Mitstreiter "genießen nicht nur Freude und Spaß, sondern vergessen auch die nicht, die es erwischt hat". Uli Kruse ergänzt: "Es gibt keine Schuldfrage."www.mogo-flensburg.de

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