Bildung in Flensburg : Freie Kita-Träger fordern Gleichbehandlung

Vier von fünf im Kita-Garten in Mürwik: (von links) Gerd Nielsen (Evangelisches Kitawerk), Gesa Görrissen (ADS-Grenzfriedensbund), Heiko Frost (Adelby 1) und Marianne Rautenstrauch (DSf) sind Sprecher der KIG. Henning Fitsch (Waldorf Kita), der die übrigen, kleinsten freien Träger vertritt, fehlt im Bild.
Vier von fünf im Kita-Garten in Mürwik: (von links) Gerd Nielsen (Evangelisches Kitawerk), Gesa Görrissen (ADS-Grenzfriedensbund), Heiko Frost (Adelby 1) und Marianne Rautenstrauch (DSf) sind Sprecher der KIG. Henning Fitsch (Waldorf Kita), der die übrigen, kleinsten freien Träger vertritt, fehlt im Bild.

Interessengemeinschaft will Betreuungsangebot gern ausbauen, fordert aber Sicherung des Altbestandes und Anpassung der Finanzierung

shz.de von
29. Januar 2018, 06:32 Uhr

Die Ratsversammlung hat die Fortschreibung der Bedarfsplanung für die Kindertagesbetreuung bis 2019 einstimmig beschlossen. Zentral und unstrittig ist unter anderem das dringende Erfordernis, zusätzliche Betreuungsplätze zu schaffen. Rund 670 sollen es sein: 226 für Kinder unter drei Jahren und 440 im Elementarbereich (wir berichteten).

Dass die Stadt aber unter anderen Bedingungen ausbaut als die freien Träger, treibt die KIG um. Die Abkürzung steht für Kita-Interessengemeinschaft freier Träger in Flensburg und hat sich vor drei Jahren und zwei Tagen offiziell gegründet. Unter anderem, um den „latenten Wettbewerbsvorteil des kommunalen Trägers auszugleichen“, sagt Gerd Nielsen. Er zählt zur fünfköpfigen Sprechergruppe der KIG. Nielsen leitet das evangelische Kitawerk, das neun Kindertagesstätten im Stadtgebiet betreibt. „Die Stadt ist für uns zuständig und zugleich Trägerin“, sagt Gesa Görrissen und benennt damit eine Besonderheit. Sie spricht für den ADS-Grenzfriedensbund e.V. und ist dessen stellvertretende Geschäftsführerin.

„Die freien Träger halten drei Viertel des Platzangebotes in der Stadt“, sagt Nielsen und kann die Aufforderung nachvollziehen, neue Plätze zu schaffen. Jedoch „verhallt“ sie angesichts der „prekären“ Lage zunehmend, in der sich die freien Träger befinden.

Nielsen spricht vom Verfall der Bausubstanz und beziffert den Sanierungsstau für acht von neun Einrichtungen des kirchlichen Trägers in Flensburg auf eine halbe Million Euro. Die Ursachen sieht die KIG in der fehlenden (finanziellen) Absicherung der Bestände, im Eigenanteil von 5 Prozent, den die freien Träger aufbringen müssen, und in der seit Jahren nicht angepassten Modell-Kita-Finanzierung. Während im Kreis jede Kita einzeln abrechne, gelte in der Stadt die vor mehr als einem Jahrzehnt eingeführte Modell-Kita, erklärt Gerd Nielsen. Hierbei entfallen die individuellen Verhandlungen, für jeden Posten gibt es Pauschalen. Sie seien Freunde der Pauschal-Abrechnung, spricht Gesa Görrissen für die KIG. „Aber die Pauschalen stimmen nicht mehr“, betont Gerd Nielsen.

Die Evaluation der Modell-Kita und die Neuordnung der Kita-Finanzierung sind tatsächlich zwei der „großen Themen“, die auch die Bedarfsplanung bis 2019 definiert. Alle Träger haben den Auftrag, ihre Ergebnisse für 2016 zu evaluieren, also die Frage zu beantworten: „Wie kommen wir mit der Modell-Kita-Finanzierung hin“, sagt Gesa Görrissen. Nach Ablauf der Frist erwarten die freien Träger dann eine Einladung von städtischer Seite, um sich die Ergebnisse anzusehen und über die Zukunft des Modells zu sprechen, sagt Heiko Frost, Geschäftsführer von Adelby 1. „Wir sind alle unterschiedlich aufgestellt“, erklärt er und zugleich: „Wir wollen gern ausbauen.“

Frost fordert im Namen seiner Mitstreiter eine „auskömmliche Finanzierung“. Auf Einnahmeseite sind den Freien aus diversen Gründen die Hände gebunden: Die Elternbeiträge sind fix, erinnert Nielsen. Gesa Görrissen sagt, dass der ADS als Verein keinen Gewinn machen dürfe. Der Ausbau, so fasst Gerd Nielsen zusammen, „geht nur mit null Prozent Eigenanteil“. Marianne Rautenstrauch vom Dansk Skoleforeningen (DSf) formuliert eine weitere Forderung: „Neue Plätze schaffen? Fein, aber bitte die alten sichern.“

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