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Ballastkai und Kielseng in Flensburg : Freie Fahrt – aber nur bis April

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Bauarbeiten am Ballastkai und Kielseng vorerst beendet. Auch die Geschwindigkeitsbegrenzungen wurden aufgehoben, die den einen oder anderen Autofahrer Zeit und Bußgeld gekostet haben.

shz.de von
erstellt am 26.Aug.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | Wiedervorlage – so heißt in der öffentlichen Verwaltung, in der Politik oder bei der Justiz die Strategie, damit eine Akte nicht in Vergessenheit gerät. Die Tageblatt-Redaktion holt sich öffentliche Vorgänge „auf Wiedervorlage“, dass heißt, fragt nach, was aus diesem oder jenem Thema geworden ist. Heute: Auf den Spuren von Kielseng.

Autofahrer atmen auf. Keine Bauarbeiten mehr am Kielseng, keine Barrieren und Sperrungen, keine Einspurigkeit. Und auch die Tempo-30-Begrenzung ist aufgehoben, die so manchen Verkehrsteilnehmer Zeit oder aber ein Bußgeld gekostet hat.

Es war ein steiniger Weg. Denn die Probleme taten sich nicht nur auf und unter dem Straßenbelag auf – es war auch ein formaler Hindernis-Parcours. Denn der Protest gegen die Halbierung einer Hauptverkehrsstraße – insbesondere aus Kreisen von Anliegern und Gewerbetreibenden. Die Politik war gespalten, der Diskussionsbedarf enorm. Eine Geduldsprobe für alle Beteiligten.

Man muss über drei Jahre zurückgehen, um den Sinn der Baumaßnahmen zu verstehen. Im Mai 2012 begann das Technische Betriebszentrum (TBZ) damit, eine zweite Druckrohrleitung von der Pumpstation am Lautrupsbach über die Ballastbrücke und Kielseng bis hin zum Klärwerk zu legen. Eine sogenannte Redundanzleitung, wie Sabine Leposa, Leiterin der Abteilung Tiefbau, erläutert. „Die alte war ja schon Jahrzehnte alt. Im Mai letzten Jahres folgte dann die anschließende Kanalsanierung.

Unangenehme Überraschungen sollten nicht ausbleiben. Während der Bohrungen in vier bis sechs Metern Tiefe kam es zu Absackungen der Fahrbahn entlang des Fördehangs. In Abschnitten von zwei bis fünf Metern Länge tat sich plötzlich der Boden auf. Die Ursache war unklar. Drei Bodengutachter lieferten ihre Expertisen ab. „Doch zu einem abschließenden Urteil kam es nicht“, sagt Leposa. Unter Umständen kam es zu einem Stau und unkontrollierten Ablaufen des Wassers durch die Beschädigung alter Drainage-Leitungen – doch sicher ist das nicht.

Es blieb nichts anderes übrig, als die Versackungen mit Kies zu verfüllen und zu verfestigen. „Wir haben die Fahrbahn provisorisch hergestellt“, so Leposa, „und einfach mal abgewartet.“ Erst als es zu keinen weiteren Absenkungen kam, wurde die Oberfläche wiederhergestellt.

Parallel dazu kam es zur politischen Diskussion, die ein Jahr lang währte. Sollte man es bei der Vierspurigkeit belassen, wie aus Kreisen der Wirtschaft sowie FDP- und CDU-Fraktion gefordert? Oder aber die von SPD, Linken und Grünen favorisierten Idee verwirklichen, jeweils eine Spur in jeder Richtung für Radfahrer abzutrennen und für den Kfz-Verkehr Linksabbiegespuren für die Abfahrten einzurichten? Verkehrszählungen hatten diese Option untermauert. Im Vorfeld hatte die Stadt Bürger eingeladen, an der zukünftigen Entwicklung des Straßenzuges Hafendamm – Ballastbrücke – Kielseng – Ziegeleistraße mitzuwirken.

Ende März fiel nach langen Debatten endlich die Entscheidung im Planungsausschuss, den Status quo für den Straßenzug Ballastbrücke/Kielseng wieder herzustellen. Damit war ein Schlussstrich unter die leidige Angelegenheit gezogen und „an diese Vorgabe haben wir uns dann gehalten“, sagt Sabine Leposa.

Auch TBZ-Chef Heiko Ewen war die Erleichterung deutlich anzumerken. „Wir freuen uns, dass wir nach den doch großen Schwierigkeiten alles gut hinbekommen haben“, sagte er gestern gegenüber dem Tageblatt. „Und nächstes Jahr machen wir den letzten Schritt.“

Den letzten Schritt? Den würde man am liebsten verdrängen. Aber es hilft nichts: Die Kanalisation muss noch bis hoch zur Ziegeleistraße, also bis kurz vor dem Mürwiker Tunnel erneuert werden. Die Arbeiten werden voraussichtlich im April nächsten Jahres beginnen und bis September abgeschlossen sein; die dann fällige Oberflächenerneuerung kostet eine Million Euro. „Ende 2016“, verspricht TBZ-Sprecher Ralf Leese, „wird alles fertig sein.“

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