Pilkentafel-Premiere : Fragen an eine alte Liaison

Erst konkret, dann kaputt: Paul Predki und Torsten Schütte agieren in 'Diverse Differenzen - Diffé ren ces Diverses' in der Pilkentafel.  Foto: zeizig
Erst konkret, dann kaputt: Paul Predki und Torsten Schütte agieren in "Diverse Differenzen - Diffé ren ces Diverses" in der Pilkentafel. Foto: zeizig

Erste Premiere nach Rückkehr der Pilkentafel aus Frankreich handelt von deutsch-französischer Freundschaft.

shz.de von
17. April 2013, 07:13 Uhr

Flensburg | Auf seinen Nachnamen werde er stets angesprochen, sagt Paul Predki. Dann erklärt der Schauspieler aus Clermont-Ferrand, dass seine Großeltern aus Polen stammen, sein Vater mit zwei nach Frankreich gekommen sei und seine Mutter französische Patriotin sei. Dieser Umstand und seine Geburt in Frankreich machen ihn zum Franzosen. Tatsächlich? Identität ist der große Begriff, den das neue Stück der Pilkentafel aufgreift. Im 50. Jahr des Élysée-Vertrages liegt der Fokus auf der deutsch-französischen Freundschaft nahe. Außerdem ist die Premiere von "Diverse Differenzen - Différences Diverses" am Donnerstag um 20 Uhr das erste Stück der Theaterwerkstatt nach ihrem Frankreich-Austausch und Theatertausch mit der Compagnie Les Yeux Gourmands aus Chambéry.

Pendant zu Paul in der Hauptrolle, der sich selbst beziehungsweise einen Franzosen spielt, ist Torsten Schütte - der sich selbst, einen Deutschen spielt. Beide sind ungefähr so alt wie die deutsch-französische Freundschaft.

Filmen von Gipfeltreffen laufen im Hintergrund - ansonsten bleibe der Raum schwarz (Roy Spahn), sagt Torsten Schütte. "Man räumt alles weg, wenn man sich mit nationaler Identität beschäftigen muss."

Entlang ihrer Fragen entwickelt sich das Stück, erklärt Regisseurin Elisabeth Bohde. "Sing das deutsche Lied", könnte eine solche Aufgabe lauten, sagt sie, und dass doch klar sei, dass die meisten Aufträge nicht lösbar seien. Schon deshalb müssen die Akteure persönlich, individuell reagieren. Szenen in immer wieder anderem Stil und Humor lockern den Stoff. Natürlich haben Schütte und Bohde, die sieben Monate lang Lebensort und Arbeit mit ihren französischen Partnern getauscht haben, das Thema aufgreifen wollen, doch es "als zu komplex für uns beide" empfunden. Bis Theatermacher Renaud Lescujer sie ermutigte und auch Paul Predki als Schauspieler mitlieferte.

Als "einzigartig" bezeichnet Schütte die Erfahrungen am Fuße der Alpen, und "krass" nennt Bohde, wie sehr Strukturen und Regeln das Verhalten von Menschen prägen. Spontan und schnell entwickelt sich ein Diskurs der drei Hauptbeteiligten des neuen Stücks erneut über Identität. "Es gibt auch eine Identität von Theatermachern", wirft Paul Predki ein und bekommt Recht. "Identität schreibt immer fest", sagt Bohde, wehrt sich gegen rigide Anpassung und macht "Lust, dieses Selbstbild durcheinanderzubringen". So ähnlich wird es wohl im Stück kommen, das einen relativ konkreten Anfang nehmen und sich dann selbst zerstöre... Es drehe sich "weniger darum, wie finde ich das Land des anderen; vielmehr: wie fühle ich mich in Deutschland", beschreibt Bohde.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen