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#ZweimalBuntesFlensburg : Fotos gegen Fremdenhass

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Initiative Buntes Flensburg, Jugendkirche Flensburg und Stadtpastor Johannes Ahrens haben eine ungewöhnliche Aktion veranstaltet.

Flensburg | Die Kirchenglocken geben den Startschuss. Als gestern um 14.02 Uhr die Glocken der St. Nikolai-Kirche zu läuten begannen, zücken rund zwei Dutzend Menschen auf dem Südermarkt ihr Smartphone und schießen zwei Minuten lang ein Selfie nach dem anderen. Zu ihnen gehört Johannes Ahrens. Zusammen mit der Evangelischen Jugendkirche Flensburg und der Initiative Buntes Flensburg hat der Stadtpastor zu dieser Aktion gegen Fremdenfeindlichkeit aufgerufen. „Wir wollen zeigen, wie bunt Flensburg ist.“

Obwohl die Teilnehmer auf dem Südermarkt durch ihre geringe Gruppengröße kaum auffallen und höchstens einige irritierte Blicke von Passanten ernten, sind Ahrens und Saskia Behrmann von der Jugendkirche hoch zufrieden. „Das ganze ist ja als dezentrale Aktion geplant“, berichtet Ahrens. „Jeder soll die Selfies dort machen, wo er sich gerade aufhält.“

Und das funktioniert: Ob beim Lernen für die Schularbeit, beim Handball-Training mit den SG-Profis oder vor dem Brandenburger Tor in Berlin – auf Facebook laufen schon wenige Minuten nach Ende der Aktion zahlreiche Bilder ein, bis Redaktionsschluss waren es nach Angaben von Ahrens Hunderte. Unter dem Hashtag „#ZweimalBuntesFlensburg“ sammelt die Jugendkirche dort die Selfies.

Denn die Zahl „zwei“ spielt für die Aktion eine tragende Rolle: Auch am Nordertor haben sich rund 15 Bürger versammelt, um Selfies zu knipsen – ebenfalls am 2.2. um zwei nach zwei für zwei Minuten. Dass es nicht mehr geworden sind, liegt an der fast vollständig ausbleibenden Beteiligung von Institutionen und Behörden: So hat Ahrens im Vorfeld gehofft, dass um 14.02 Uhr die Schiffssirenen im Hafen heulen, die Schulen ihre Klingeln ertönen lassen und sich möglichst viele Schüler mit ihren Lehrern an der Aktion beteiligen. Dazu habe sogar Schulrat Hans Stäcker aufgerufen, sagt Ahrens. „Zudem wollen Polizisten die Sirenen und das Blaulicht der Dienstwagen zwei Minuten laufen lassen“, ergänzt Behrmann.

Doch einzig die Glocken der Kirchen in der Innenstadt läuteten während der Aktion. „Es kann sein, dass sich einzelne Beamte beteiligen, aber einen offiziellen behördlichen Aufruf gibt es nicht“, sagt Polizeipressesprecher Matthias Glamann. Und eine Recherche unserer Zeitung ergab, dass sich mindestens sechs Schulen nicht beteiligten, zum Teil gar nichts von der Aktion wussten.

Davon kann bei den Zwölftklässlerinnen Joke Ketels, Svea Stössel, Jane Fiege, Freya Schmidt, Jaka Bliesmann und Nele Andersen keine Rede sein. Das Sextett der Fridtjof-Nansen-Schule hatte über Facebook von der Aktion erfahren und ist zum Südermarkt gekommen. „Meine Familie ist während der Nazi-Herrschaft nach Frankreich geflohen, daher geht mir das Thema besonders nahe“, berichtet Fiege nachdem sie ein Selfie gemacht hat.

Etliche der bei der Aktion entstandenen Fotos sollen auf Lkw-Planen gedruckt und an den Kirchen St. Nikolai, St. Marien und St. Michael aufgehängt werden, sagt Ahrens. Zudem will er Bilder im Rathaus ausstellen – damit die Aktion länger wirkt als zwei Minuten.

 

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 03.Feb.2015 | 11:15 Uhr

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