"Forelle" kreuzt im Kurischen Haff

Auslands-Job: Den klassischen Butterdampfer 'Forelle' hat es von Flensburg nach Klaipeda verschlagen. Foto: Wilner-Höfer
Auslands-Job: Den klassischen Butterdampfer "Forelle" hat es von Flensburg nach Klaipeda verschlagen. Foto: Wilner-Höfer

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23. August 2010, 06:24 Uhr

Nida | Es war ein Wiedersehen der besonderen Art, das vier in Flensburg verwurzelte Fahrrad-Touristen im fernen Nida auf der Kurischen Nehrung erlebten. Sie wollten von Nida, dem früheren Nidden, über das kurische Haff nach Uostadvaris (früher Kuvertshof) in das Mündungsgebiet der Memel übersetzen. Überraschung und Freude waren enorm, als sich pünktlich um 10.30 Uhr ein kleines Fahrgastsschiff näherte und die vier Radler den Schriftzug "Forelle" entdeckten.

Das Schiff kannten die Vier aus jüngeren Jahren als Perle und Kleinod der Flensburger Förde. Eltern und Verwandte waren von 1965 bis in die 80er Jahre zwischen Flensburg und Kollund auf der "Forelle" zur Butterfahrt mitgefahren, inklusive Doppelkopf und Schnacken an Bord. Das soziale Miteinander war wichtig. Man brachte die kleine Transitration Butter, Zigaretten, Tabak, Schokolade und Schnaps nach Hause. Man hatte gut vom günstigen Einkauf.

Doch das war gestern. Heute bringt die "Forelle" über 30 Passagiere von der Memelseite nach Nida. Sie wollen das bunte Leben und Treiben während der Sommermonate in diesem attraktiven Ort genießen. Umgekehrt möchten 20 Passagiere mit 15 Fahrrädern individuell auf der ruhigeren, teils beschaulichen Festland-Seite unterwegs sein. Das Gebiet ist eines der Storchenparadiese Europas und lockt mit viel Natur der Memelmündung zur Erkundung. Orte wie Rusne, Vente, Uostadvaris und Minge wirken ursprünglich wie aus den 50er Jahren.

Die Mannschaft der "Forelle" besteht aus dem zurückhaltenden Steuermann, der ein Muskelshirt mit schmalen blauweißen Streifen trägt, einer jungen Frau für die Restauration und dem 1. Mechaniker Aigis Baltrusaitis. Während der eineinhalbstündigen Überfahrt beantwortet Aigis in einem spontanen Interview neugierige Fragen zum Werdegang der "Forelle" in Litauen. Das Dolmetschen übernimmt perfekt Zaneta, eine junge Passagierin, die in Göttingen Sozialwissenschaften studierte und in Kaunas Studenten des Erasmusprojekts betreut.

Die "Forelle" wurde 1934 in Flensburg gebaut. Von den 50er bis in die 80er Jahre fuhr sie als "Butterschiff" auf der Flensburger Förde, zusammen mit dem Schwesterschiff "Libelle", die jetzt am Ostufer des Flensburger Hafens als Privatschiff liegt. Nach mehreren Verkäufen kam die "Forelle" im April 2001 nach Litauen. Heimathafen ist nunmehr Klaipeda. Die Firma "Klaipedos remontas AG" erwarb sie 2005. "Wir fahren von Mai bis September zwischen Nida und Minge. Nachts liegen wir in Minge. Während der anderen Monate geht es oft am Wochenende für Firmen, Hochzeitsgesellschaften und zünftige Feiern von Klaipeda in das Haff", erläutert Aigis zur Historie und zum jetzigen Einsatz. Allerdings sei vertraglich noch nicht geregelt, ob die Route Nida-Minge auch im nächsten Jahr gefahren werden kann.

"1993 hat die Forelle eine neue Maschine von Hanomag-Henschel bekommen, die zuverlässige Dienste leistet. Das hintere Oberdeck wurde komplett aus Stahl und Glas erneuert. 80 Passagiere finden bequem und trocken Platz, insbesondere im schönen Salon im Unterdeck. Übrigens sorgen die Original-Lichterketten aus der Flensburger Zeit bei Abendfahrten weiter für die Romantik", berichtet der 1. Mechaniker weiter.

Auf die Passagiere macht das Schiff einen sehr gepflegten, einladenden Eindruck. Nirgends ist Rost zu sehen. Auf dem Heck ist noch in erhabener Schrift der alte Heimathafen Flensburg erkennbar. Es ist eine Freude, im Salon oder bei schönstem Nehrungswetter auf dem offenen Achterdeck ein leckeres litauisches Bier zu genießen - übrigens zum Preis wie zu Zeiten der Butterfahrten (0,5 Liter für 5 Litas entsprechend 1,50 Euro).

Weitere Informationen unter www. ports.lt oder unter www.jurosvartai.lt .

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