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Flensburger Tageblatt

18. Dezember 2017 | 00:55 Uhr

Krise : Folk-Baltica: Festival ohne Führung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Geschäftsführer Peter Boll zurückgetreten und gemeinnützige GmbH aufgelöst / Künstlerischer Leiter Harald Haugaard will weitermachen

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2014 | 12:33 Uhr

Nach zehn erfolgreichen Jahren steht das Festival Folk-Baltica möglicherweise vor dem Aus. Die gemeinnützige GmbH als Trägerin des Festivals meldete gestern ihre Auflösung, nachdem der ehrenamtliche Geschäftsführer Peter Boll (Rendsburg), der selbst auch Gesellschafter war, seinen Rücktritt erklärt hatte. Aus persönlichen Gründen, wie es in einer Mitteilung der GmbH heißt. Im Hintergrund – namentlich im Flensburger Rathaus – wird jedoch an einer neuen Trägerschaft für das Festival gearbeitet.

Ob das Festival im kommenden Jahr stattfinden wird, kann heute niemand zu hundert Prozent sagen. Der künstlerische Leiter Harald Haugaard arbeitet von daher im luftleeren Raum. „Er steht dem Festival nach wie vor positiv gegenüber“, sagte gestern Torge Korff, Leiter des Flensburger Kulturbüros. Er habe bereits Ideen für das Festival 2015, könne aber derzeit wegen der unsicheren Lage keine Verträge mit Künstlern machen. Derzeit gibt es schlicht keinen Vertragspartner, Folk-Baltica ist als Institution im Moment nicht existent. Festival-Gründer Jens-Peter Müller, der auch acht Jahre lang künstlerischer Leiter und Geschäftsführer in Personalunion war, ist schon seit über einem Jahr nicht mehr Gesellschafter. Gründungsgesellschafter Rainer Prüß hat nach Differenzen mit Peter Boll seine Gesellschafteranteile ebenfalls gekündigt.

Damit müssen andere den Karren jetzt aus dem Dreck ziehen. Torge Korff sieht da nicht zuletzt auch die Stadt Flensburg in der Pflicht: „Folk-Baltica ist doch vor allem ein Flensburger Festival.“ Deshalb bemüht er sich jetzt um die Gründung eines Vereins als künftigem Trägergremium. Über die Mitglieder kann und will er heute noch nichts sagen. „Ich könnte mir aber vorstellen, den Anteil der institutionellen Mitglieder zu erhöhen.“ Damit spielt er indirekt auf die Zusammensetzung der ehemaligen GmbH an, in der vor allem Personen Anteile hatten. Mit Institutionen erhofft sich Korff künftig mehr Stabilität. In einem Gespräch mit Boris Erben vom Südschleswigschen Verein, Träger des Kulturlebens der dänischen Minderheit, und Harald Haugaard habe er die Möglichkeiten sondiert und ist optimistisch, das Festival bald auf neue Beine stellen zu können.

Mit den Zusagen von Stadt Flensburg und dem Land über zusammen 100 000 Euro Zuschuss sei die finanzielle Basis für das kommende Festival gesichert. Um weitere Mittel zu akquirieren, sei es jetzt wichtig, einen verbindlichen Vertragspartner für künftige Sponsoren ins Leben zu rufen.

Folk-Baltica fand im Mai 2014 zum zehnten Mal statt mit Konzerten in Flensburg und in der gesamten Region Sønderjylland-Schleswig, unter anderem in Apenrade und Sonderburg, Breklum und Husum, Schleswig und Kappeln, Kiel und Büdelsdorf.

Bedauern und Unverständnis über die Krise kommt vom SSW: „Folk-Baltica ist ein kulturelles Leuchtturmprojekt für die deutsch-dänische Grenzregion und ein musikalisches Aushängeschild für Flensburg“, so Martin Lorenzen, kulturpolitischer Sprecher der SSW-Ratsfraktion in Flensburg. „Umso ärgerlicher und auch unverständlich ist die jetzt erfolgte Auflösung der Gesellschaft. Alle guten Kräfte müssen nun daran arbeiten, schnellstmöglichst eine Nachfolgelösung zu finden.“

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