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Dänemark lockert Sicherheitsstandards : Fördeschifffahrt: Kommt jetzt die Fahrradfähre Holnis?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dänemark lockert plötzlich Hochsee-Standards für die Sicherheit - darauf hat die Flensburger Förde-Schifffahrt nur gewartet. So mache „Spritroute“ könnte wiederbelebt werden.

shz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 17:29 Uhr

Flensburg | Es dauerte ein bisschen, bis der Groschen gefallen war. Keiner konnte sie glauben – die kleine Sensation, die große Überraschung. Torsten Amt Olsen aus Kopenhagen bestätigte der kleinen Runde im Flensburger Schifffahrtsmuseum nicht weniger, als dass über Jahrzehnte gepflegte Grenzen im Personenverkehr auf der Innenförde plötzlich keine mehr sind. Seit März 2015 gilt: Schiffe im grenzüberschreitenden Fährverkehr müssen nicht mehr die Sicherheitsstandards von Supertankern erfüllen.

Über Jahre hatten sich die Betreiber von Fährschiffen die Zähne an den hartleibigen Dänen ausgebissen. Unzählige Versuche von überwiegend deutscher Seite, auf der recht überschaubaren Innenförde einen Linienverkehr mit dänischen Küstenstädten zu etablieren, scheiterten am Nej der mächtigen Seefahrtsbehörde des Nachbarlandes. Wer in Dänemark landen wollte, musste Bestimmungen der internationalen UN-Übereinkunft über die Sicherheit auf See (Solas) erfüllen.

Damit fand sich die gewerbliche Kleinschifffahrt auf dem kleinen Meeresarm in einer Reihe mit Containerriesen und Kreuzfahrern in ziemlich teurer Nachbarschaft wieder. Bei den sehr übersichtlichen Einnahmen im kleinen Fährverkehr waren die gigantischen Sicherheitsbestimmungen stets eine unüberwindliche betriebswirtschaftliche Größe

Der Flensburger Däne Hendrik Vestergaard ist nur einer von vielen, die vor Søfartstyrelsen, der obersten Seefahrtsbehörde Dänemarks, die Segel streichen mussten. Vestergaard hatte die Idee, die bis ins Mittelalter reichende Verbindung von Holnis nach Brunsnis wieder aufzunehmen, als Projekt für sanften Tourismus, für Wanderer und Radfahrer. Vestergaard plante mit einem historischen Boot, das von der Flensburger Museumswerft gebaut werden sollte, er plante mit einem Landungsboot der Volksmarine, er tingelte durch die Tourimuszentralen und -orte und erntete überall Zuspruch. Nur in Kopenhagen nicht.

Keine Frage: Vestergaard ist jetzt in bester Stimmung. „Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Jetzt müssen wir in Bewegung kommen“, fordert er. Vestergaard hatte zu diesem Treffen nach Flensburg eingeladen, ein Treffen, das den maritimen Tourismus im Fördeland in der Tat ziemlich umkrempeln könnte. Gorm Casper, Geschäftsführer der Tourismus-Agentur Flensburger Förde (TAFF), ist schon jetzt aktiv. „Wir müssen auf deutscher Seite eine geeignete Anlegestelle finden und bauen.“ Ein solcher Anleger ist nämlich Voraussetzung dafür, dass ein weiterer Akteur ein Schiff an die Förde bringt.

Die Firma Als Faergen, Betreiber der Linie Fynshav nach Bojden, hat nach den Worten Vestergaards großes Interesse, sich auf der Förde zu engagieren – etwa mit einem Katamaran. Als deutsche Anlaufstelle favorisiert Vestergaard Holnis-Drei, wo er sich saisonal eine 50 Meter lange Schwimmbrücke vorstellen könnte. „Die Zahlen sind seit unseren früheren Versuchen ja noch besser geworden“, sagt der Spiritus Rector. „Die Reederei hat großes Interesse, mit einer umweltfreundlichen Fähre das Expansionsfeld des sanften Tourismus zu besetzen.“ Für Radwanderer, da ist er sich ganz sicher, hätte die geschichtlich und geologisch hochinteressante Landschaft beiderseits der Förde ein gewaltiges touristisches Potenzial. Auf dänischer Seite, das sagt Vestergaard auch noch, herrscht Aufbruchstimmung. Sonderburg und Apenrade sehen die neue Lage als Glücksfall für die Region.

Auch in der Hafenstadt Flensburg wird die Entwicklung mit Interesse verfolgt. Vestergaard will schnell die Betreiber von Flensburger Schiffen mit Olsens Behörde in Kontakt bringen. Als neue Anlaufstellen locken entlang der Förde Kollund, Sønderhav, Gravenstein, Broager, Sonderburg und Apenrade. Olsen, der Oberinspektor von Søfartstyrelsen, habe die Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert. Hendrik Verstergaard: „Als nächstes gucken wir uns in Flensburg die Alexandra, die Möwe und die Viking an.“

Die alte „Spritroute“ Kollund-Flensburg könnte vor einer Wiedereröffnung stehen. Die Viking Reederei aus Flensburg kann sich sehr gut vorstellen, die alte Route wieder auf zu nehmen, so Viking-Direktor Jens Görrissen zu Flensborg Avis. In Erwägung gezogen wird auch ein Rundkurs Flensburg-Kollund-Glücksburg. Interesse gebe es vor allem auch in Dänemark, heißt es. Bislang pendelte die MS Wiking mit 250 Plätzen zwischen Flensburg und Glücksburg.

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