Förde Reederei setzt Sonnensegel

Eines von vier Wassertaxis: 35 Fahrgäste, zehn Fahrräder, zwei Rollstühle, alles barrierefrei – so trumpft die Förde Reederei am Wannsee auf.
Eines von vier Wassertaxis: 35 Fahrgäste, zehn Fahrräder, zwei Rollstühle, alles barrierefrei – so trumpft die Förde Reederei am Wannsee auf.

FRS-Tochter Weiße Flotte Stralsund übernimmt Wassertaxis im Berliner ÖPNV / Erste Reederei für Solar-Boote auf Bundeswasserstraßen

shz.de von
19. November 2013, 12:00 Uhr

Bis dato setzte die Flensburger Förde Reederei Seetouristik (FRS) konsequent auf volle Diesel-Power beim Europa-weiten Transport von Menschen und Gerät. Ab 1. Januar kommt ein neues Segment dazu. Als erste deutsche Reederei nimmt die FRS auf einer Bundeswasserstraße solar angetriebene Elektrofähren in Betrieb.

Die Weiße Flotte GmbH mit Sitz in Stralsund ist 100-prozentige Tochter des Flensburger Unternehmens. Bislang waren die Aktivitäten auf Mecklenburg-Vorpommern (Hiddensee/Stralsund) begrenzt – jetzt zieht es das Unternehmen nach Berlin. Die FRS-Tochter setzte sich bei einer internationalen Ausschreibung der Berliner Verkehrssbetriebe gegen konventionelle Konkurrenz mit ihrem zukunftsweisenden Konzept einer Solar betriebenen Elektrofähre durch. Im Laufe des nächsten Jahres sollen im Bereich Müggelsee, Wannsee vier der neuartigen Wassertaxis zum Einsatz kommen.

Die FRS-Tochter sicherte sich den Zuschlag mit ihrem CO2-freundlichen Konzept. Bei ausreichender Sonnenstrahlung können die leichten Katamarane mit allein mit Solarenergie betrieben werden, teilt das Unternehmen mit. Bei trübem Wetter springen leistungsstarke Batterien ein, die über Nacht durch einen Generator aufgeladen werden. Alle vier Fähren können in einem Salon bis zu 35 Passagiere befördern, dazu zwei Rollstühle und 10 Fahrräder. Ein Dieselaggregat ist nicht an Bord, die Katamarane arbeiten lautlos und emissionsfrei.

Gebaut werden die leichten Aluminiumboote in Stralsund bei der Formstaal GmbH, die sich auf den Bau von Solarschiffen spezialisiert hat. Mit der Zulassung für eine Bundeswasserstraße beschreiten die FRS/Weiße Flotte und Formstaal bundesweit Neuland.

Zwei der vier neuen Schiffe sind ganzjährig im Einsatz. Berlins älteste Fährverbindung aus dem Jahr 1896 ist die F11 auf der Strecke Oberschöneweide, Wilhelmstrand – Baumschulenstraße; die F 12 verbindet Wendenschloss, Müggelbergallee – Grünau, Wassersportallee im ÖPNV der deutschen Hauptstadt. F 21 und F 23 sind Saisonfähren auf den Kurzstrecken Krampenburg – Schmöckwitz beziehungsweise Rahnsdorf, Müggelwerder Weg – Rahnsdorf, Kruggasse.

Letztere – die Fährverbindung F 23 – beendet sehr wahrscheinlich eine Berliner Besonderheit, nämlich den Betrieb einer Fähre, die seit 1911 von Muskelkraft angetrieben wird. Etwa 40 Mal am Tag setzt der Fährmann Ronald Kebelmann mit seiner „Paule III“ die 36 Meter zwischen den Köpenicker Ortsteilen Rahnsdorf und Müggelheim in Handarbeit über. Nach dem Willen der BVG soll diese seit 1911 bestehende Mini-Verbindung auf der Müggelsee-Spree auf die neue Solarlinie übertragen werden. Fährmann Käbelmann darf dann künftig nicht mehr mit finanzieller Unterstützung rechnen.

Die beiden ersten Boote sollen nach Angaben der Weißen Flotte Stralsund zum 1. Januar den Betrieb aufnehmen. Die beiden anderen Boote sollen rechtzeitig zu Beginn der Bade - und Touristensaison in Dienst gestellt werden.

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