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Flensburg : Förde-Park: 20 Millionen für Umbau

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Flensburger Förde-Park soll modernisiert werden. Politiker sorgen sich bereits um die Innenstadt.

shz.de von
erstellt am 19.Mär.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | Der Zeitplan ist ehrgeizig und vielleicht spiegelt er den Handlungsdruck wider, unter dem der Förde-Park steht: 2016 soll das Planverfahren abgeschlossen und Baubeginn sein für die Erweiterung des Fachmarktzentrums um 4500 Quadratmeter. Der Eröffnung – angepeilt ist das vierte Quartal 2017 – sieht der Einzelhandel der Innenstadt mit gemischen Gefühlen entgegen.

Grundsätzlich trafen die von Center-Manager Norbert Fels präsentierten Pläne am Dienstag im Planungsausschuss auf Zustimmung. Vielen Ratsherren schwant aber schon, dass ein Ja zum neuen Förde-Park in der Innenstadt Opfer fordern wird. Die von der Gutachterfirma BBE Handelsberatung ebenfalls präsentierten Ergebnisse lassen daran keinen Zweifel.

BBE prognostiziert, dass die Neuaufstellung des Förde-Parks in seinem 450.000 Einwohner umfassenden Einzugsgebiet jährlich 29 Millionen Euro mobilisieren wird. Zehn Millionen davon generiert der Förde Park neu, 19 Millionen Euro aber werden innerhalb des vorhandenen Volumens zu Lasten anderer Mitbewerber umgeschichtet. Dass die Innenstadt in die Knie gehen wird, glaubt Andreas Weidmann, BBE-Projektentwickler, dennoch nicht. „Die Innenstadt ist dank des hochwertigen städtebaulichen Ambientes in der Lage, vorübergehende Fluktuationen aufzufangen“, glaubt er. „Marktbereinigungen“ sieht er eher in Nebenlagen.

Die hinter dem Förde-Park stehende Metro-Gruppe will – nein, muss an der Schleswiger Straße klotzen und nicht kleckern, machte Weidmann deutlich. Aus dem begleitenden Gutachten leitet er die klare Aussage ab, dass der Förde-Park ohne eine grundlegende Modernisierung und ohne das Aufschnüren des Korsetts einengender Sortimentsbeschränkungen nicht überlebensfähig sei.

Und nicht nur der Förde-Park. Wirtschaftlich gute Überlebenschancen hätten im Schatten des immer mächtiger werdenden Online-Handels unter den Mittelstädten nur solche mit modernen Fachmarkt- bzw. Einkaufszentren und integrierten Nahversorgungszentren, meinte Weidmann.

Um in diesem Wettbewerb bestehen zu können, will die Metro-Gruppe an der Schleswiger Straße 20 Millionen Euro in die Hand nehmen. Dafür soll der Förde-Park mit einer transparenten Architektur aus Glas und Holz überbaut werden. Für Centermanager Norbert Fels ist es das Ziel, teilweise lange Laufwege für die Kunden zu verkürzen, vor allem aber die Aufenthaltsqualität für die Gäste zu erhöhen – speziell für die dänischen Kunden, mit denen der Förde-Park 50 Prozent seines Umsatzes macht.

Fels glaubt im Übrigen nicht an dramatische Folgen für die Innenstadt. „Wir setzen auf Wachstum in Dänemark.“ Immerhin – als kleine Konzession an die Innenstadt wird es einen kostenlosen Shuttle-Service und ein großes Flensburg-Informationsportal im Eingangsbereich geben.

Ob das reicht, die Inhaber-geführten Einzelhändler am Leben zu halten? Der Protest des Spielwaren-Händlers Jan Brüning gegen den als Ankermieter vorgesehenen Spielzeug-Discounter spielte auch in der Diskussion eine Rolle. Weidmann sieht Brüning unter der Überschrift „Marktbereinigung“ eher als Opfer des Online-Handels als des Förde-Parks.

Pelle Hansen (Grüne) sieht Gefahr für die Große Straße, die bei Brüning beginnt. „Wenn der geht, verliert diese Einkaufsstraße noch mehr. Inhaber-geführte Geschäfte gehören zum Markenkern der Innenstadt. Den müssen wir schützen.“ Hansen sieht in diesem Zusammenhang auch Karstadt in Gefahr. „Wir sehen hier dringenden Nachbesserungsbedarf.“

Den sieht auch Arne Rüstemeier (CDU). „Wir stehen den Wünschen des Förde-Parks grundsätzlich positiv gegenüber“, so der planungspolitische Sprecher, betont aber gleichzeitig, dass der Innenstadt keine weiteren Wettbewerbsnachteile zugefügt werden dürften. Die Fraktion will weitere Zahlen für eine sichere Beurteilungsgrundlage, besonders einen Abgleich mit den bereits für die Citti-Park -Erweiterung ermittelten Zahlen. Diese Verbindung, so Rüstemeier, sei dem neuen Gutachten nicht zu entnehmen.

 

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