Airgate SH : Flughafen-Projekt in Jagel ohne Chance

Am Platz scheitern die Airgate-Pläne nicht. Das Problem ist eine Fläche am Rande  des Militärflugplatzes. Foto: Mai
Am Platz scheitern die Airgate-Pläne nicht. Das Problem ist eine Fläche am Rande des Militärflugplatzes. Foto: Mai

Werden Touristen vom Militärflugplatz in Jagel aus in den Urlaub starten? Seit zwei Jahren ist das Unternehmen Airgate SH bei der Planung keinen Schritt weiter gekommen.

shz.de von
16. März 2013, 11:25 Uhr

Schleswig-Flensburg | Der Traum vom Urlaubsbeginn in einem Abfertigungsgebäude in Jagel lebt zwar noch, doch um diejenigen, die diesen träumen, ist es still geworden. Zwei Jahre lang ist die Airgate SH nicht in die Öffentlichkeit getreten, hat hinter den Kulissen zwar an einer Verwirklichung der Idee einer zivilen Mitnutzung des Militärflugplatzes in Jagel gearbeitet, doch Erfolg war dem Verein nicht beschieden. Bislang - sagen die Verfechter der Idee um den Schleswiger Unternehmer Arne Hansen trotzig. Sie glauben fest daran, dass ihre Zeit noch kommen wird. Nur wann, das wagen sie inzwischen nicht zu prognostizieren.

"Manchmal braucht man eben Geduld", sagt Vorstandsmitglied Hansen und umschreibt den Weg zum Erfolg des Airport-Jagel-Projektes mit der Suche nach der richtigen Konstellation in einem Puzzlespiel. Irgendwann lägen alle Teilchen so, dass das Gesamte erkennbar - in diesem Fall realisierbar - ist. Bisher jedenfalls fügten die Airgate-Vorderen ihren Teil des Puzzles mit Akribie, viel Idealismus und rund 50.0000 Euro Eigenkapital zusammen, um immer wieder festzustellen, dass der Puzzlepartner auf der anderen Tischseite offenbar ein ganz anderes Spiel spielt.

Ohne Grundstück keine Investoren

Das Verteidigungsministerium hat zwar alle vertraglichen Vorbereitungen mitgetragen, an einem entscheidenden Punkt jedoch machen die obersten Militärs und Verteidigungspolitiker nicht mit: Der Bund will der Airgate SH partout nicht das Gelände zwischen Bundesstraße und Flugplatzzaun verkaufen. Die Eigentumsrechte jedoch benötigt die Airgate, um Investoren die Sicherheit zu bieten, die diese benötigen, um dort zu investieren.

Ohne Grundstück und Grundbuchabsicherung keine Investoren - ohne Investoren kein Airport - ohne Airport kein ziviler Flugbetrieb: Das ist die simple Formel, die seit Jahren Bestand hat und an der der Bund nicht rütteln lässt. Investoren, die zwischenzeitig Interesse gezeigt hatten, sind längst wieder weg.

Aufgerieben in politischen Gesprächen

Spiritus rector des Projektes war bis vor einem Jahr Dietrich Wachtel, ein ausgewiesener Luftverkehrsexperte. Er hatte das Projekt maßgeblich konzeptionell aufgestellt und sich im Behördendickicht so manche Schramme geholt, bis er vor etwa einem Jahr das Handtuch warf. In einer internen Feierstunde im Schleswiger Plessenhof wurde der Fachmann leise verabschiedet. Seinen Posten hat dann der Schleswiger Rechtsanwalt Björn-Sven Bergemann aus der Kanzleigemeinschaft in der Gottorfstraße 5 übernommen, in deren Räumen die Airgate SH ihren Sitz hat.

Wachtel gab vor allem deshalb auf, weil er sich seit 2005 - der Unterzeichnung eines Vorvertrages mit der Wehrbereichsverwaltung Nord - in politischen Gesprächen aufgerieben hatte, "ohne dass klare Signale von der Landesplanung kamen". "Wir haben von niemandem öffentliche Fördergelder verlangt, aber das schien irgendwann niemanden mehr zu interessieren", sagt der Senior, der der Airgate SH nun nur noch beratend zur Seite steht.

Wie lange hält Airgate durch?

Auch wenn die Airgate mit ihrem Projekt nicht weitergekommen ist, so war sie doch in den vergangenen zwei Jahren nicht untätig. Vor allem versuchte der Vorstand, die Pläne zu modifizieren, um dem Grundstücks-Dilemma zu entgehen, das auf der Ostseite des Flugplatzes für die Blockade-Situation sorgte. "Wir wollten dann auf die Nordseite des Geländes", sagt Hansen. Dort waren schon umfangreiche Voruntersuchungen einer Alternativplanung für den Standort eines interkommunalen Gewerbegebietes gelaufen. Doch auch mit der Nordvariante kam man nicht weiter, weil dem Verteidigungministerium der Abstand zum Munitionsdepot zu gering war. Letztlich blieb schließlich auch der Schwenk in Richtung Südosten erfolglos, weil das Militär Einwände hatte.

So hat die Airgate SH das Flugplatzgelände zwei Jahre lang planerisch umkreist und ist doch keinen Schritt weiter gekommen. Unterdessen haben sich die Rahmenbedingungen rasant verändert. Einerseits scheinen die militärischen Pläne für den Flugplatz mit der Stationierung unbemannter Aufklärungsflugzeuge (Eurohawk) noch nicht abgeschlossen zu sein, andererseits haben sich der Chartetflug- und der Billigflugsektor deutlich verändert. Von dem Aufschwung jedenfalls, den Wachtel und Co. zu nutzen gedachten, ist kaum etwas geblieben. Und somit sind auch sämtliche Prognosen im Hinblick auf Passagieraufkommen, Flugbewegungen und so weiter längst überholt.

Trotz aller Rückschläge glauben Hansen und seine Mitstreiter noch immer an eine Realisierungschance. Allerdings ist der Sprachgebrauch moderat geworden. Man empfinde sich als Dienstleister, so Hansen. Wenn die Rahmenbedingungen stimmten und ein Investor komme, dann stehe man bereit. Wie lange die Airgate das durchhalte? Arne Hansen: "Solange, wie die Fantasie der Gesellschafter reicht."

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