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Flensburger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 04:42 Uhr

Glücksburg : Flüchtlingslotsen sind geduldig

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der ehemalige Offizier Joachim Schmidt-Skipiol ist neuer Koordinator der Flüchtlingshelfer in Glücksburg.

shz.de von
erstellt am 29.Aug.2015 | 13:00 Uhr

Die Flüchtlingslotsen in Glücksburg erhalten Hilfe. Die Koordination ihrer Arbeit nimmt Joachim Schmidt-Skipiol (55) in seine Hände. Der Kapitän zur See a. D. hat vor einer Woche diese ehrenamtliche Aufgabe übernommen und sich den Flüchtlingslotsen vorgestellt.

Sehr zur Erleichterung von Sebastian Dressel, dem Ordnungsamtsmitarbeiter in Glücksburg: „Super, dass wir endlich einen Lotsenkoordinator haben. Die Arbeit wird effektiver werden, mit einer klaren Struktur.“

Bisher war Dressel das Bindeglied zwischen den rund 13 ehrenamtlichen Lotsen und den Behörden. Sein Aufgabenfeld war damit mehr als ausgereizt. Zu seinen regulären Aufgaben gehört die Suche nach Flüchtlingsunterkünften – theoretisch fünf Prozent seiner Arbeitszeit. Tatsächlich liegt sein Einsatz zwischen 30 bis 50 Prozent. Zusätzlich wurde Dressel Ansprechpartner der Lotsen und gab einen Teil des Büro für Sachspenden her.

Seit dem Schmidt-Skipiol sich Anfang August entschied, das Ehrenamt zu übernehmen – „als Flüchtlingslotse wäre ich zu ungeduldig“ –, hat sich der frühere Leiter der Lehre an der Marineschule informiert und eine erste Erkenntnis gewonnen: „Es ist umfangreicher als ich dachte.“

Das drängendste Problem sieht der Wirtschaftswissenschaftler bei den Anhörungen der Flüchtlinge, zu denen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) nach Neumünster einlädt. Die Flüchtlinge würden zu 8 Uhr bestellt. Von Flensburg aus sei das mit öffentlichen Verkehrsmitteln noch zu schaffen. Von Glücksburg aus schon nicht mehr. Die Flüchtlingslotsen würden damit quasi verpflichtet, ihren Schützling selbst dorthin zu fahren. Die Gespräche müssten für Flüchtlinge mit längerer Anfahrt später angesetzt werden, fordert er und sagt ohne zu zögern: Der Bund nutze die Flüchtlingslotsen aus.

Den Versuch, das Bamf telefonisch zu erreichen, gab Schmidt-Skipiol nach zwei Tagen auf. Die Bamf-Mitarbeiter hätten das drei- bis vierfache Arbeitsaufkommen, das sei ihm klar. Dennoch: „Dass sich das Bamf nicht einmal mit den Kreisen auseinander setzt, ist ein Unding.“

Schon in diesem Jahr werden Dressel zufolge mit 59 Personen am Jahresende viermal so viele Flüchtlinge wie im Vorjahr gekommen sein. 2014 waren es zehn. Schmidt-Skipiol sucht deshalb weitere Freiwillige für die Arbeit als Flüchtlingslotse. „Je mehr wir sind, desto geringer wird die Last für jeden.“ Auch diejenigen, denen diese Arbeit zu aufwendig oder anspruchsvoll erscheint, möchte er ermuntern, sich zu melden. Es gebe andere Möglichkeiten zu helfen. Wer handwerklich geschickt sei, könne beim Rad reparieren oder anderem unterstützen. Dafür sucht der Koordinator einen Raum, in dem gewerkelt werden kann. „Gerade die jungen Männer müssen sich beschäftigen können.“

Der ehemalige Tornado-Pilot und Leiter des Marine Operations Centers in Glücksburg will die Lotsen mit seinen Fähigkeiten unterstützen. Ihnen aber auch die nötige Anerkennung verschaffen. Das komme bisher zu kurz. „Die Flüchtlingslotsen sind sehr, sehr geduldig.“

Kontakt per E-Mail: skippy1@foni.net

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