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Zuwanderer auf dem Campus : Flüchtlingsdorf soll an die Osttangente

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Erstaufnahme-Wohnheim entsteht bis zum Herbst 2016 – und wird zum Schutz der Bewohner eingezäunt. Damit erreicht Flensburg die Kapazität von 3000 Erstaufnahmen.

shz.de von
erstellt am 21.Apr.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | Noch ist das letzte Wort gar nicht darüber gesprochen, ob der Flensburger Campus wirklich Standort für eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein wird. An diesem Freitag soll sich entscheiden, welche drei Hochschulstandorte neben Neumünster/Boostedt (bald zusammen 1350 Plätze) im kommenden Jahr mit je 600 Plätzen aufgebaut werden, um die Kapazität von 3000 Erstaufnahmen zu erreichen. Diese Zahl hält Thiemo Lüeße vom Kieler Innenministerium für notwendig, um die 2015 erwarteten 20  000 Flüchtlinge in Schleswig-Holstein nach sechs Wochen in der Erstaufnahme bereits mit einer Entscheidung über den Asylantrag auf die Kreise und kreisfreien Städte verteilen zu können. „Wir haben jetzt die missliche Situation, dass wir ziemlich unvorbereitete Menschen in die Kreise abgeben müssen“, sagt Lüeße. 2014 waren es noch 7500 Flüchtlinge. In den sechs Wochen in der Erstaufnahme auf dem Campus soll neben Lebenslaufklärung, Gesundheitscheck, Antragstellung und Anhörung auch ein Überblick über die Qualifikationen der Flüchtlinge gewonnen werden.

Neben Flensburg sind Kiel, Lübeck und der kleine Fachhochschulcampus Heide für die Erstaufnahme im Gespräch. Nach einem Gespräch mit Innenminister Stefan Studt (SPD) am Freitag, an dem Flensburgs Bürgermeister Henning Brüggemann teilnimmt, soll feststehen, ob Flensburg mit 600 Plätzen dabei ist. Das Land will dann binnen anderthalb Jahren bis Herbst 2016 auf dem Campus eine hochwertige Flüchtlingsunterkunft bauen, die es für den Fall des Rückgangs der Flüchtlingszahlen in ein Wohnheim für Studierende umwandeln kann – oder umgekehrt formuliert: Studentendörfer bauen, die in einem ersten Schritt und über eine kaum vorhersagbare Zeitdauer für Flüchtlinge genutzt werden sollen: „Wir wollen eine menschenwürdige und qualitativ hochwertige Unterbringung in Erstaufnahmeeinrichtungen“, sagt Lüeße. Die Stadt Flensburg hält das Konzept für plausibel, unterstützt es und hofft, hier langfristig mit Studierendenhäusern den Wohnungsmarkt entlasten zu können, erklärte Bürgermeister Henning Brüggemann.

Nach Tageblatt-Informationen kommt als Standort auf dem Campus nur eine einzige Fläche infrage, die groß genug ist für eine Infrastruktur für 600 Bewohner plus Betreuungsumfeld mit knapp 100 Arbeitsplätzen: Es ist die Fläche südlich des Uni-Erweiterungsbaus an der Osttangente, die bislang für ein Studentenwohnheim mit 100 Plätzen plus Sportforum reserviert war. Ersten Planungen zufolge könnten nun 4-Zimmer-Wohnungen entstehen, in denen zunächst bis zu acht Flüchtlinge (zwei pro Zimmer, wobei die Zimmer mindestens 12 Quadratmeter groß wären) Unterkunft finden könnten. Insgesamt 6000 Quadratmeter Nutzfläche bedeuten – mit Gemeinschaftsflächen – rechnerisch 10 Quadratmeter pro Flüchtling.

Das Wohnheim wird als Flüchtlingsdorf übrigens eingezäunt werden: „Um jede Erstaufnahmeeinrichtung gibt es einen Zaun, der den Zweck hat, dass niemand unbefugt reinkommt“, sagt Landeskoordinator Lüeße. Das Haus verfügt über Speisesaal, Räume für einen ärztlichen Dienst, Unterrichts- und Sporträume, Gebetsraum, Kleiderkammer und Polizeiwache. Zu den offenen Fragen gehört, ob die Campus-Mensa das Essen liefern kann.

Alternative Standorte wie das Flottenkommando oder eine Verteilung der Flüchtlinge auf zwei oder mehr Standorte in der Stadt ist für das Land indes keine Option. Lüeße: „Der Campus-Ansatz ist am besten auch in Campusnähe umzusetzen. Deshalb haben wir uns darauf konzentriert.“

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