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Kurze Amtszeit : Flüchtlings-Koordinatorin geht

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neue hauptamtliche Mitarbeiterin hält es nur vier Wochen in ihrem Amt aus. Die Stadt Flensburg sucht nach einer schnellen Ersatzlösung.

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | Sie kam, sah – und war gleich wieder weg. Flüchtlings-Koordinatorin G. hatte in Flensburg ein denkbar kurzes Gastspiel. Am 1. Oktober trat die 38-Jährige ihren Dienst im neu geschaffenen Fachbereich Einwohnerservice und Willkommenskultur in der Koordinierungsstelle für Flüchtlinge an. Vier Wochen später war ihr Engagement beendet, ohne dass sie groß in Erscheinung getreten wäre.

G. kam zu einem Zeitpunkt, als Flensburg unter dem Druck von immer mehr Durchgangsflüchtlingen und immer mehr Zuweisungen aus den Erstaufnahmestellen nur deswegen nicht in die Knie ging, weil ehrenamtliches Engagement Tag und Nacht staatliche Versäumnisse ausbügelte. Auch wenn es der Verwaltung inzwischen gelungen ist, Amt und Ehrenamt besser zu synchronisieren – eine agile Netzwerkerin, sagen die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, fehlt. Fehlt immer noch.

Nach offizieller Darstellung war es eine einvernehmliche Scheidung. Man habe festgestellt, dass die Erwartungen auf beiden Seiten nicht so recht zueinander passten, so Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf. Bereits Mitte November habe man sich im Guten getrennt. Offenbar hatte sich schnell gezeigt, dass G. für die Stelle einer Koordinatorin die falsche Besetzung war bzw. die Stelle für eine Sozialwissenschaftlerin den falschen Zuschnitt hatte. Die neue Flüchtlingskoordinatorin wurde noch für diverse Veranstaltungen angekündigt, aber dabei blieb es auch. Die neue Hauptamtliche, deren Salär von rund 63  000 Euro vom Land übernommen wurde, war zum Schluss krank geschrieben.

Simone Lange von der Organisation Buntes Flensburg kann sich an ein tatkräftiges Mitwirken nicht erinnern. „Das lief suboptimal. Hier ist viel wertvolle Zeit nutzlos verstrichen“, sagt die Landespolitikerin. Und sie betont: „ Die Mittel für diese Stellen hat Kiel auf Drängen der Kommunen frühzeitig zur Verfügung gestellt. Diese Stelle hätte im Prinzip schon zum 1. Juli besetzt werden können.“ Für die Helfer, die ab September am Flensburger Bahnhof praktisch im Alleingang für Tausende Flüchtlinge einen sicheren Hafen bauten, sei G.s Wirken nicht spürbar geworden.

Auf der Koordinierungsstelle ruhten und ruhen große Hoffnungen. Es gilt unabhängig voneinander arbeitende Hilfsstrukturen zu vernetzen und zu synchronisieren, Doppel- und Mehrfachangebote vermeiden zu helfen und zu bündeln, Flüchtlingslotsen zu steuern. Zugleich sollen hier Daten erhoben und zwischen den Ebenen des Haupt und des Ehrenamtes kommuniziert, Bedarfe ermittelt und in die Entscheidungsprozesse hineingeben werden.

Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf weiß um die Eilbedürftigkeit. Zu den Gründen der Trennung machte er keine Angaben, betont aber, dass die Stadt eine schnellstmögliche Neubesetzung betreibt. Das hofft das Ehrenamt auch. Und regt an, es mit der Ausschreibung einer gerade mal auf ein halbes Jahr befristeten Stelle nicht zu übertreiben. Man muss ja nicht gleich in Hannover suchen, letzte Station G.s nach einem mehrjährigen Zwischenstopp in Wien. Hoch qualifizierte Netzwerker mit vollem lokalem Durchblick und besten regionalen Verbindungen gebe es beispielsweise auch gleich vor der Bahnhofstür zu finden. . .

 

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