Erstaufnahme : Flüchtlinge: Jetzt kommen Container

Im ehemaligen Jugendaufbauwerk am Dammhof im Johannisviertel sollen 30 Unterkünfte für Flüchtlinge entstehen.
Im ehemaligen Jugendaufbauwerk am Dammhof im Johannisviertel sollen 30 Unterkünfte für Flüchtlinge entstehen.

Vom Gewerbegebiet bis zur Unterbringung auf Schiffen: Die Stadt sondiert alle Möglichkeiten für bis zu 800 Wohnungssuchende.

Carlo Jolly. von
18. Juli 2015, 08:00 Uhr

Flensburg | Nach dem Ringen um die Flüchtlingserstaufnahme des Landes mit 600 Plätzen auf dem Campus Sandberg steht der Stadt nun eine Diskussion um hunderte zusätzliche Plätze für die Unterbringung von Geflohenen nach dem Asylverfahren ins Haus. Das Problem der Verantwortlichen im Rathaus um Ordnungsfachbereichsleiter Ulrich Mahler: Längst stehen nicht mehr einzelne Flüchtlinge vor der Tür der Ausländerbehörde im Kellergeschoss des Rathauses. Jede Woche kämen 15 Flüchtlinge dazu, berichteten Mahler und Stadt-Immobilien-Chef Michael Draeger im Finanzausschuss. Derzeit hielten sich 430 Geflohene in der Stadt auf. Es komme ein Problem dazu, das die Stadt lange erkannt habe, aber nicht lösen könne: „Anerkannte müssten sich eigentlich eigenständig eine Wohnung suchen“, sagte Dräger. Dazu seien sie auf dem leergefegten Mietmarkt Flensburgs nicht in der Lage: „Das ist ein Riesengeschäft, bedauerlicherweise.“

Nach den jüngsten Flüchtlingszahlen geht die Stadt von 700 bis 800 Flüchtlingen in der Flensburg bis zum Jahresende aus. Das bedeutet, mindestens 300 zusätzliche Asylsuchende müssen Wohnraum bekommen. Derzeit sind die gut 400 Flensburger Flüchtlinge dezentral an 32 verschiedenen Standorten untergebracht. Weitere Gebäude seien in der Planung, aber wie der bereits beschlossene Umbau des früheren Jugendaufbauwerks (JAW) am Dammhof mit 30 vorgesehenen Plätzen nicht kurzfristig umbaubar. Das JAW sei definitiv im Oktober oder November nicht beziehbar. „Das kurzfristige Wohnungsproblem kann nur mit containerartiger Unterbringen gelöst werden“, sagte Mahler. Zusatzproblem: Es gebe in Deutschland bereits ein Beschaffungsproblem für Wohncontainer und Zelte. „Schon jetzt wissen wir, dass wir vor Ende August keine Container bekommen können“, sagte Dräger. Die nächste Frage sei dann, in welcher Flensburger Turnhalle die Stadt eine Notunterkunft schaffen könnte.

Soweit geht die Planung allerdings noch nicht. Wo die neuen Container genau aufgestellt werden sollen, stehe noch nicht fest. Es könne auch in Gewerbegebieten sein. Wichtig sei, dass Bushaltestellen in der Nähe seien. „Für uns gilt immer noch, dass wir dezentral verteilen“, erklärte CDU-Chef Arne Rüstemeier auch angesichts der neuen Lage. Andreas Zech von der Linken fragte, ob die Hafenstadt Flensburg schon einmal daran gedacht habe, Liegemöglichkeiten für eine Unterbringen auf Schiffen zum Beispiel in der Nähe der Silos am Ostufer. Schiffsunterbringung sei bislang nicht geprüft, ließ die Verwaltung mitteilen. Alle Vorschläge seien willkommen.

Der Finanzausschuss ermächtigte die Verwaltung einstimmig, Wohnmöglichkeiten für 700 bis 800 Flüchtlinge vorzubereiten.

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