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Diako und St. Franziskus : Flüchtlinge: Auf Notfälle vorbereiten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Flensburger Krankenhäuser sehen bei der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen Verbesserungsbedarf. Die Mitarbeiter erwarten eine steigende Patientenzahl, wenn 600 Zugewanderte 2016 auf dem Campus einziehen.

Flensburg | Fehlende Dolmetscher, Räumlichkeiten und zu wenig Personal, um eine vernünftige medizinische Versorgung zu gewährleisten – mit diesen Problemen sehen sich die Diako und das St. Franziskus-Hospital konfrontiert, wenn die Zahl der Flüchtlinge, die in die Stadt kommen, weiter steigt.

Spätestens, wenn 600 Menschen in das Flüchtlingsdorf auf dem Campus einziehen, wird es zu Engpässen kommen. „Die Zahl der Patienten wird steigen“, ist sich Franziskus-Chef Klaus Deitmaring sicher. Und darauf müsse man vorbereitet sein.

Das ist jedoch leichter gesagt, als getan. Die Mitarbeiter beider Krankenhäuser wünschen sich bezüglich der Notfallmedizin mehr Informationen seitens des Ministeriums. Zurzeit beobachten sie das Geschehen in Neumünster, wo die Notaufnahme des Krankenhauses, das in unmittelbarer Nähe zur Erstaufnahme-Einrichtung liegt, immer häufiger nachts und am Wochenende von Zugewanderten aufgesucht wird. „Wir wollen sehen, was in Neumünster möglich wird, denn das kann danach auch für Flensburg gelten“, sagt Deitmaring.

Beide Flensburger Krankenhäuser wollen nicht warten, bis sie die Zahl der Patienten an die Belastungsgrenze führt. „Wir setzen uns schon jetzt mit dem Thema auseinander“, erklärt Deitmaring. Auch in der Diako blickt man in die Zukunft. Verwaltungsdirektor Thorsten Prümm erzählt, dass die Klinik in Kontakt mit dem Gesundheitsamt steht und abwägt, was bedacht werden muss, wenn auf dem Campus Flüchtlinge einziehen. „Es ist wichtig, dass wir bei der Planung mit am Tisch sitzen“, betont Prümm. Schließlich müsse man nicht nur medizinisch, sondern auch sprachlich gut vorbereitet sein.

Die Sprachbarrieren sind auch ein Thema im Franziskus-Hospital. 30 Dolmetscher gibt es dort, die Ärzte und Patienten unterstützen. Sie stehen jedoch nur begrenzt zur Verfügung und werden beispielsweise nachts nicht angerufen. Stadtsprecher Clemens Teschendorf führt ein weiteres Problem an: Für einige Sprachen sei es schwer oder sogar fast unmöglich, einen Dolmetscher zu finden. Vor allem für Eritrea. In Neumünster wird die Nutzung von Video-Dolmetschern geplant. Das sei Deitmaring zufolge auch eine gute Lösung für Flensburg. Es stelle sich aber die Frage, ob sie finanzierbar ist.

Im Bereich der Notfallmedizin müssen die Krankenhäuser außerdem aufstocken, um die erwarteten Flüchtlinge angemessen behandeln zu können. Deitmaring gibt zu: „Wir sind personell und räumlich nicht gut auf Patienten vorbereitet, die isoliert werden müssen.“ Aktuell würde ein Patient in einem solchen Fall in einem Dreibettzimmer untergebracht. Doch das sei keine langfristige Lösung. Zudem sei mehr Personal nötig, um den isolierten Menschen zu versorgen. Niemand weiß, welche Krankheiten die Menschen „mitbringen“. Hilfreich wäre hier ein Krisenstab, über den man Informationen über die Herkunftsländer bekommt, so Deitmaring.

Eins ist klar: Die Klinik-Mitarbeiter gehen davon aus, dass die meisten Zugewanderten schwer traumatisiert sind und deshalb hauptsächlich eine psychologische Betreuung brauchen. Bereichsübergreifendes Denken sei hier das Schlüsselwort, denn es müssen sowohl Psychologen als auch Seelsorger aktiv werden. Auch die Geburtshilfe werde Deitmaring zufolge stärker frequentiert.

Die Flensburger Krankenhäuser, die untereinander eine Partnerschaft haben, hoffen in Zukunft auch auf einen regen Austausch mit anderen Kliniken in Schleswig-Holstein.

 

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erstellt am 24.Aug.2015 | 08:00 Uhr

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