Hilfe zur Selbsthilfe : Flicken, löten, Kaffee trinken: Erstes Reparaturcafé in Flensburg eröffnet

Paradies für Tüftler und auch noch gesellig: Amir Asadi, Torsten Steffen und Stefan Henrich initiieren Flensburgs erstes Reparaturcafé – und zwar auf dem Campus.
Paradies für Tüftler und auch noch gesellig: Amir Asadi, Torsten Steffen und Stefan Henrich initiieren Flensburgs erstes Reparaturcafé – und zwar auf dem Campus.

Ab Dienstag können sich Interessenten für die Nutzung des neuen Angebots von Hochschule und St. Jürgen anmelden.

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10. April 2018, 09:54 Uhr

Jeder hat ein Exemplar zu Hause: eine Lampe, die flackert, eine Stereoanlage, die keinen Datenträger mehr erkennt, ein altes Fahrrad, das noch liefe, wenn man es nur aufbereiten würde... Bei Amir Asadi war es der Fernseher, der repariert werden musste. Der 30-jährige Student hatte im Glücksburger Repair Café gesehen, „wie die Leute einander helfen“ und Geräte kostenlos repariert werden. Er war angetan von der Idee und wünschte sich so etwas auch für Flensburg. Asadi wusste: Ein solches Vorhaben braucht Räume, Materialien, Werkzeuge und Menschen.

Nach seiner Wahl in den Kirchengemeinderat habe er die Idee der Gemeinde vorgestellt. Amir Asadi bekam grünes Licht, begab sich auf die Suche nach Mitstreitern. Der Student der Systemtechnik, der E-Technik in seiner Heimat Iran studiert hat, wurde auch unter Kommilitonen der Hochschule und Uni fündig.

Es ergab sich eine Schaltstelle zur Hochschule, an der eine ähnliche Idee verfolgt werde, setzt Pastor Stefan Henrich die Geschichte fort. Der Schluss, der auf der Hand lag: Wir tun uns zusammen. Auf dem Campus im „Fablab – IdeenReich“ war alles vorhanden, sagt der Pastor von St. Jürgen und zählt auf: Werkbänke, Werkzeug, 3-D-Drucker.

Das Ideenreich hat Professor Torsten Steffen, an der Hochschule seit Anfang 2016, im Juni 2017 initiiert und sich damit einen lang gehegten Wunsch erfüllt. 14 Jahre lang war er Professor in Emden, sagt er, dort habe die Umsetzung nicht geklappt, aber hier in Flensburg habe man ihm die Türen geöffnet. „Ich bin mit Leib und Seele Ingenieur“, sagt Steffen, er entwickle gern Sachen und verbessere sie. Und er will sein Wissen weitergeben und Kreativität wecken. Die „schläft“ bei vielen jungen Leuten, beobachtet er und will seine Studenten dazu bringen, selbst etwas zu tun.

„Hilfe zur Selbsthilfe“ ist der Ansatz beim ersten Flensburger Reparaturcafé im Ideenreich. Wenn möglich, soll es an jedem zweiten Sonnabend im Monat stattfinden – kostenlos, wer will, kann spenden. „Alles, was möglich ist, wollen wir zusammen machen“, betont er und erläutert den Mehrwert für die Gäste. Der bestünde nicht nur im, idealerweise, reparierten Apparat, sondern auch im Wissenszuwachs. Wenn zum Beispiel ein Schaden erst entstanden sei, weil jemand ein Gerät nicht gewartet oder gereinigt habe, weiß er das für die Zukunft. Freiwillige stünden zur Seite für vier Bereiche: zwei für Fahrrad-Reparaturen, zwei für Elektronik, einer für Nähmaschinen und drei für das Thema PC und Handy. Ausgetüftelt sind die Laufzettel mit den Reparaturdetails, jeder Vorgang wird sauber dokumentiert. Und auch abgebrochen, wenn er zu gefährlich würde.

Die Reparaturen für den ersten Termin des Reparaturcafés müssen angemeldet werden, sagt Pastor Henrich, ab heute. Die Kirchengemeinde sorgt für Kaffee und Kuchen. Denn auch das Soziale ist allen Beteiligten wichtig. „Jeder kann kommen, auch wenn er nichts zu reparieren hat“, ermuntert Torsten Steffen, sich umzusehen.

  • Anmeldung fürs erste Reparaturcafé (14. April von 14 bis 17 Uhr) ist an drei Tagen – von heute bis Donnerstag – jeweils zwischen 15 und 19 Uhr möglich, Telefon: 0177/2310643.
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