Stadtgeschichte : Flensburgs Stadtwappen: Ein Turm – viele Rätsel

Am Platz des Turms mündet heute die Neue Straße in die Schiffbrücke.
Am Platz des Turms mündet heute die Neue Straße in die Schiffbrücke.

Ein Wissenschaftler zweifelt: War ein Turm an der Schiffbrücke wirklich das Vorbild für das Stadtwappen?

shz.de von
17. April 2018, 15:03 Uhr

Flensburg | Ja, was denn nun? War das der Flensburger Stadtturm oder war er es nicht? Unten an der Schiffbrücke stand im Mittelalter ein Turm, zu dem der frühere Stadtarchivar Dr. Hans-Friedrich Schütt ein seinerzeit schlüssig wirkendes Paket an Informationen lieferte.

Dieser Turm mit seiner Befestigung – die Turmburg – war so solide gebaut, dass er Angriffe von See auf Flensburg abwehren konnte. Damit gehörte er zum nördlichen Ende der Stadtmauer. Schütt zog damals den Vergleich mit einem ähnlichen Bauwerk in Søborg und studierte die vorhandenen Deutungen. So übernahm er als Bauzeit die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts. Das Bauwerk war so prägnant, dass die These aufgestellt wurde, dieser Turm sei das Vorbild für den Turm im Flensburger Stadtwappen. Im Verlauf der Geschichte war die Militärtechnik so weit entwickelt, dass Stadtmauern und Türme überflüssig waren.

Fenster mit dem Wappen der Stadt Flensburg.
Fenster mit dem Wappen der Stadt Flensburg.
 

Dann konnte das Exemplar an der Schiffbrücke immerhin noch als Amtssitz des Stadtvogtes mit Gefängnis genutzt werden. Schließlich brauchte niemand mehr diesen Turm – er wurde abgerissen. Seine großen, behauenen Steine wurden genutzt, als für die Kirche in Adelby der Turm entstand. Als im Verlauf der Stadtsanierung die alte Bebauung der Neuen Straße abgerissen wurde, hätte die Chance bestanden, durch archäologische Grabungen vielleicht noch Reste der Turmburg freizulegen. Hans-Friedrich Schütt hat es immer bedauert, dass diese Gelegenheit nicht genutzt wurde, bevor die heutige Bebauung entstand.

Nun kommt Stefan Magnussen und räumt mit den Schüttschen Thesen auf. Magnussen stellt die Verbindung der Turmburg mit der in Søborg in Frage in Frage genau wie Interpretationen, die Schütt übernahm, dass die Turmburg ihren Platz im Stadtwappen gefunden hat. Auch ist für Magnussen nicht hinreichend geklärt, wieso die Turmburg und eine weitere befestigte Anlage im Johannisviertel existierten. Auch Magnussen geht immerhin davon aus, dass es im innersten Winkel der Förde eine Anlage als Sitz des Stadtoberhauptes gegeben hat. „Von welcher Art diese war und wo genau sie lag, ist jedoch derzeit nicht zu sagen.“

Magnussen kommt zu dem Schluss: „Gerade weil hier reichlich Optionen und Möglichkeiten bestehen, die Befunde es aber bislang nicht erlauben, eindeutige Antworten zu geben, hält das von Schütt vorgeschlagene Modell einer Turmburg in St. Marien einer kritischen Evaluation nicht stand.“ Der Hörer des Vortrags von Magnussen wird erfahren, dass man in Sachen Turmburg nicht allzu viel Konkretes weiß – und das man darauf setzen muss, in Zukunft weitere Erkenntnisse zu gewinnen.

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