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Julia Böttcher auf der „Mein Schiff 1“ : Flensburgs Singende Seemannstochter

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Julia Böttcher, Tochter eines Flensburger Kapitäns, geht mit ihrer autobiographischen Gesangsshow auf Kreuzfahrt zwischen Dubai und Singapur.

Treffpunkt mit einer Seemannstochter ist natürlich am Hafen, allerdings drinnen in einer gemütlichen Hotellobby, weil es regnet. Sie sei eigentlich kein norddeutscher Typ, sagt Julia Böttcher, die in Leck geboren ist. Sie liebe die Wärme und das Wasser. Die ersten vier Jahre ihres Lebens hat sie auf einem Containerschiff verbracht, in der Karibik, in afrikanischen Gewässern. Anfang November sticht sie wieder in See, dieses Mal als Sängerin auf dem Kreuzfahrer „Mein Schiff 1“, das von Dubai nach Singapur fährt. Die Tui Cruises hat die 36-Jährige mit ihrer Show „Aus dem Leben einer Seemannstochter“ als Gaststar gebucht.

Damit setze sie einen Traum in die Wirklichkeit um, den sie Zeit ihres Lebens hatte, bringt Ole Andresen auf den Punkt. Der Glücksburger ist ihr Lebenspartner und „Steuermann“, der für die Show all das organisiert, „was nicht mit Singen zu tun hat“, sagt der 48-Jährige.

Als ihr Vater 15 war, ist er zum Flensburger Hafen runter gegangen und hat angeheuert. Er hat sich bis zum Kapitän hochgearbeitet und ist 50 Jahre lang zur See gefahren, erzählt Julia Böttcher. Horst Körner heißt ihr Vater, ist Jahrgang 1940 und lebt inzwischen in Spanien. Ihre Mama lebt wie früher in Leck und sei „ihr Hafen“, auch in der Show.

Kapitänskind: Jule an Bord.
Kapitänskind: Jule an Bord. Foto: privat

„Was macht das mit einem kleinen Mädchen, das die ersten vier Jahre ihres Lebens durch die Welt fährt?“ Diese Frage sei der rote Faden der Show, erklärt Andresen. „Ein Mädchen, das so frei aufwächst, wochenlang nur auf einem Schiff“, ergänzt Jule Böttcher. Die beiden zeigen herzallerliebste Fotos vom Knirps Jule auf einem riesigen Tampen, am Strand mit Mama vor einem gigantischen Containerschiff, als helles Kind unter vielen dunkelhäutigen Kindern irgendwo unter Palmen. Mit vier ging es runter vom Schiff und nach Niebüll.

Dort ging sie zur Schule, machte Abi, studierte schließlich in Flensburg, erzählt die Diplom-Pädagogin. „Ich wollte etwas Sicheres“, so begründet sie diesen Schritt, während sie nebenbei immer sang. „Das war mein erstes Leben, das ich tatsächlich letztes Jahr über Bord geworfen habe.“ Böttcher kündigte ihren Job, um sich hauptberuflich der Musik zu widmen. „Und das macht mich total glücklich“, sagt sie und steckt an mit ihrer Euphorie, wenn sie über ihre Musikworkshops, Projekte und jetzt die neue Show spricht.

Der Kontakt zu Tui, mit dem alles begann, sei in Flensburg beim Honky Tonk Ende des Jahres 2015 zustande gekommen, erinnert sich die Künstlerin. Ein Scout habe sie angesprochen – im Jahr darauf wurde sie als Sängerin für drei Reisen angeheuert und war ein halbes Jahr auf See. „25 Grad, Mittelmeer, Glitzerkleid“, skizziert Jule lächelnd. Und bleibt trotzdem bodenständig, etwa wenn sie betont, wie hoch das Unternehmen einer umstrittenen Branche den Umweltschutz hängt oder berichtet, wie gern sie sich unter die Crew mischt: Da werde die indonesische Unabhängigkeit gefeiert, und die mehr als 40 verschiedenen Nationen an Bord gingen gut miteinander um. „Das ist meins“, fasst sie zusammen, „jetzt habe ich mein Zuhause wiedergefunden.“

Auf einer der Fahrten habe sie mit dem Chef der Unterhaltungssparte zusammengesessen und über den Erfolg autobiographischer Shows gesprochen. Was passt dazu besser als ihre Story als Seemannstochter? Im Sommer bereitete sie mit ihren Musikern das Programm vor – die Pianisten Michael Hintz und Jens Petersen treten in der Show als „Leichtmatrosen“ auf, doch nur Hintz geht jetzt mit auf die Kreuzfahrt; im September sagte Tui zu. Maritime Popsongs, alte Seemannslieder, Gassenhauer, „aber neu interpretiert“, betont Jule, machen zwei Drittel aus – von Hans Albers über Udo Lindenberg bis Santiano. Ein Drittel besteht aus Moderation, Erzählungen, Kindheitsbildern.

Die Vorpremiere in Eckernförde für einen guten Zweck sei gefeiert worden, die Leute haben mitgesungen, emotional reagiert. „Wir sind stolz darauf und wissen, dass es gut ist“, sagt Freund und Manager Ole Andresen, nennt „Schmerz, Sehnsucht, Abschied und Liebe“ als die Themen, die Gefühle wecken. Wenn die Show weitergeht, sollen eigene Songs integriert werden. Und natürlich möchte die Seemannstochter später auf einer Tour norddeutsche Häfen ansteuern.

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