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Flensburger Tageblatt

20. September 2017 | 00:44 Uhr

Verkehrsplanung : Flensburgs schlimmster Radweg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mürwiker Straße: Bei einer Planungswerkstatt wurden die Ideen von Anwohnern und Nutzern gehört – im Juni sollen Vorschläge auf dem Tisch liegen

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2016 | 19:30 Uhr

Nach der Fördestraße, die vor wenigen Wochen einen Radstreifen zwischen Twedter Mark und Kelmstraße bekommen hat, plant die Stadt bereits einen neuen Radweg entlang der Mürwiker Straße durch Fruerlund: Langfristig entstünde eine komplett erneuerte Radverbindung zwischen Mürwik und dem Hafermarkt.

Alter, aufgerissener Belag, Slalom zwischen Laternen und Bäumen, eine Breite von zum Teil unter einem Meter auf einem eigentlich üppigen Gehweg: Flensburgs schlimmster und wohl ältester wichtiger Fahrradweg gerät ins Visier von Politik und Planern – der rund 2,5 Kilometer lange Radweg an der Mürwiker Straße zwischen Bismarckbrücke am Lautrupsbachtal und dem Übergang zur Fördestraße auf Höhe Kelmstraße – dort, wo seit wenigen Wochen ein neuer Fahrradstreifen auf der Straße stadteinwärts bis zur Osbek führt.

Die Mürwiker Straße – das ist eine Radwegplanung aus den 50er Jahren. Es war die Zeit, als Radwege fast nur für Kinder da waren und für ihre Mütter und Großmütter, die ja noch keinen Führerschein brauchten, weil Vati den Wagen fuhr. Da wundert es auch nicht, dass der Radweg plötzlich abknickt oder, wie gegenüber der Gerhart-Hauptmann-Straße, mal eben ein Stück über die meist zugeparkte Autohaltebucht geführt wird.

All das kommt jetzt bis Juni auf den Prüfstand, seitdem die Stadt das Hamburger Planungsbüro SBI mit Schwachstellenanalyse und Maßnahmenvorschlägen beauftragt hat (Kosten: 50  000 Euro – inklusive Vorarbeiten des Technischen Betriebszentrums). Auftakt des Prozesses war jetzt eine gut besuchte Planungswerkstatt zur Mürwiker Straße im 360-Grad-Haus des SBV.

„Grundsätzlich wurde sich im Workshop für eine Führung des Radverkehrs auf der Straße beziehungsweise im Straßenraum ausgesprochen“, sagt Stadtsprecherin Kathrin Ove. Die Voraussetzungen und mögliche Varianten hierfür würden ebenso wie Fördermöglichkeiten geprüft. Immerhin rund 900 Radfahrer, die sich täglich den bergigen Radweg in miserablem Zustand zumuten, zählten die Verkehrsplaner.

Teilnehmerin Barbara Philipsen, früher Ratsfrau und stellvertretende Stadtpräsidentin, pendelt viel mit dem Fahrrad zwischen Mürwik und Innenstadt. Sie erklärte vor allem mit Blick auf die Gefahren beim Abbiegen: „Die Mehrheit möchte auf der Straße fahren.“ Grünen-Ratsherr Pelle Hansen folgert aus dem Abend: „Der Straßenraum muss dringend zugunsten des Fuß- und Radverkehrs neu aufgeteilt werden.“ Ein 1,5 Meter breiter Radverkehrsschutzstreifen auf der Fahrbahn biete eine kostengünstige und praktikable Lösung. Pkw, Lkw und Busse dürfen diesen – wie auf der Bismarckstraße, dem Schottweg oder der Fördestraße in Mürwik – bei Gegenverkehr mitbenutzen. „Die Verkehrsplaner haben mit Verkehrszählungen dargestellt, dass der Straßenraum im gesamten Verlauf der Mürwiker Straße für den PKW-Verkehr überdimensioniert ist und auch bei Wegfall zweier Fahrspuren zwischen Kelmstraße und Ziegeleistraße keine signifikante Verschlechterung des Verkehrsflusses zu erwarten sei“, sagt Hansen weiter, der zugleich Mitglied im TBZ-Verwaltungsrat ist. „Wer nur in Straße-Radweg-Fußweg denkt, übersieht, wie vielseitig heute schon die Abstufungen durch E-Mobile, Pedelecs und Onewheel (z.B. den Ninebot) sind“, findet er.

Ekkehard Krüger, gerade ausgeschiedener Alt-Vorsitzender des Seniorenbeirats, warnt indes vor Schnellschüssen: Das Umsetzen der Bordsteinkanten sei teuer und betreffe auch die Entwässerung. Als eine der problematischsten Stellen sieht er das steil abfallende südlichste Stück Richtung Lautrupsbach: „Und völlig unklar ist dabei noch das Verkehrsaufkommen durch das Neubaugebiet am Wasserturm.“

Folgt: Der unfertige Radweg Fördestraße

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