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Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2017 | 11:09 Uhr

Kommentar : Flensburgs Rat bleibt bunt

vom

Totgesagt und doch mit sechs Sitzen vertreten: In Flensburg bleibt die WiF keine Eintagsfliege. Doch stärkste Fraktion ist hier wieder die CDU.

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2013 | 07:59 Uhr

Flensburg | Auch wenn kaum mehr als jeder dritte Flensburger über die neue Ratsversammlung mitbestimmen wollte: Diejenigen, die den Weg zur Wahlurne fanden, haben ein weises Wahlergebnis zustande gebracht, mit dem Flensburgs Kommunalpolitik ganz gut leben kann. Die großen und etablierten Parteien, vor allem SPD, CDU und Grüne, werden im neuen Rat etwas stärker werden - gemeinsam mit dem SSW könnten sie zu schnelleren Entscheidungen und stabileren Mehrheiten gelangen.
Wobei es auch künftig nicht ganz einfach sein dürfte, im Wettbewerb der acht im Rat vertretenen Parteien und Wählergemeinschaften eine Mehrheit zu zimmern. Zugleich muss der Rat auf die Impulse der kleinen Fraktionen nicht verzichten. FDP und Linke, im alten Rat immer für eine Überraschung gut, sind auch künftig in der Ratsversammlung mit Kleinstfraktionen vertreten. Und auch die jüngste Initiative "Flensburg wählen" darf ihren führenden Kopf als Vertreter in die Ratsversammlung schicken. Eines ist garantiert: Der Rat wird weiter bunt bleiben.
Eines der bemerkenswertesten Resultate ist aber das Abschneiden der WiF: Die Wählerinitiative, die vor fünf Jahren mit einem Erdrutschsieg und zehn Mitgliedern als größte Fraktion ins Rathaus eingezogen war, ist in den vergangenen Jahren immer wieder totgesagt worden. Doch die Wähler wollten die WiF nicht als Eintagsfliege - mit 15 Prozent und sechs Mandaten ist sie kaum schwächer im neuen Rat vertreten als zuletzt: mit dem Unterschied, dass sie zwar die symbolträchtigen Posten des Stadtpräsidenten und der Hauptausschussvorsitzenden verlieren wird, sich aber deshalb mehr auf ihre Sacharbeit konzentrieren kann. Und die, so das Votum immerhin von zwei Dritteln der alten WiF-Wählerschaft, soll im Rat gerne weitergehen.
In der wiedererstarkten SPD hat Parteichef Helmut Trost am Sonntagabend indes ein Déjà-Vu erlebt. Erst mit den letzten beiden Wahlkreisen wurden die Sozialdemokraten noch von der CDU abgefangen - womit der SPD und ihrem Chef der Zugriff auf das Stadtpräsidentenamt verwehrt bleibt, und Helmut Trost wieder einmal als tragischer Held endet: aber immerhin mit einer um zwei Mandate gewachsenen Fraktion.
Unglücklich für die Wähler in ihren Stadtteilen ist die Praxis der meisten Parteien, bei der Kandidatenauswahl die Nähe zu den Wohnvierteln kaum zu berücksichtigen. Beispiel Wahlkreis 12: Wer in der Schule am Campus oder der Jørgensbyschule sein Kreuzchen machte, durfte zwar mit SPD-Chef Trost oder Grünen-Fraktionschefin Ellen Kittel-Wegner vergleichsweise prominente Stadtpolitiker wählen - die allerdings in ganz anderen Vierteln wohnen. Auch die CDU präsentierte in diesem Wahlkreis einen Kandidaten aus Weiche, die Linke einen aus Tremmerup, Flensburg Wählen jemanden aus der Norderstraße. Das Problem: Die Parteien wollen und müssen ihre Leistungsträger möglichst sicher in den Rat bringen. Am besten geht das über traditionell sichere Wahlkreise. Vererdung im eigenen Viertel sieht aber anders aus.

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