Region Flensburg : Flensburgs Oberbürgermeister Faber will die Großkommune

Schon groß, aber noch nicht groß genug: Im Rathaus (vorn) denkt man über andere Strukturen nach.
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Schon groß, aber noch nicht groß genug: Im Rathaus (vorn) denkt man über andere Strukturen nach.

Die Stadt ringt um die Zukunft der Zusammenarbeit mit den Umlandgemeinden. Für Oberbürgermeister Simon Faber wäre eine Großkommune nach dänischem Vorbild die beste Lösung für die Region Flensburg.

shz.de von
29. Januar 2015, 08:00 Uhr

Flensburg | Für Oberbürgermeister Simon Faber wäre eine Großkommune nach dänischem Vorbild die beste Lösung für die Region Flensburg. Sollte er in zwei Jahren wiedergewählt werden, könnte er sich vorstellen, dies zu einem wichtigen Thema seiner politischen Agenda zu machen. Flensburg und seine 20 Nachbargemeinden im 1. Siedlungsring sind durch mehrere Verträge und Vereinbarungen miteinander verflochten, vor allem jedoch durch das tägliche Leben der Menschen: Die meisten der Bewohner des Umlands sind auf irgendeine Weise mit Flensburg verbunden, sei es, dass sie hier arbeiten, zur Schule gehen, einkaufen, kulturelle Einrichtungen benutzen oder Freunde besuchen.

Zuvor hatte Faber allerdings im Hauptausschuss von einer Ausweitung der interkommunalen Zusammenarbeit mit neuen Strukturen, Gremien und Finanzverpflichtungen abgeraten – ist jedoch mit seinem Antrag überstimmt worden. Zwar stimmte die Mehrheit in diesem Gremium wie von Faber vorgeschlagen gegen eine neue formalisierte interkommunale Zusammenarbeit auf vier Themenfeldern. Gleichzeitig geht die Stadt aber in einem zentralen Thema auf seine Nachbarn zu: im Wohnungsbau.

Seit Jahren klagen die Nachbarkommunen darüber, dass ihre von der Landesplanung zugewiesenen Wohnraumkontingente nicht ausreichend sind. Gleichzeitig schöpft Flensburg sein erhebliches Kontingent nicht aus – mit der Folge, dass Bauwillige weiter ins Umland oder sogar, wie CDU-Vertreter Arne Rüstemeier sagte, bis nach Schleswig ausweichen. Die CDU möchte deshalb ganz kurzfristig eine Konferenz mit den Umlandgemeinden einberufen, um in Zukunft zu einer abgestimmten Planung vor allem bei der Ausweisung neuer Wohnbauflächen zu gelangen. Gleichzeitig soll ein Kontingent von 600 bis 1000 Wohneinheiten von Flensburg auf die Umlandgemeinden übertragen werden.

Wie die gemeinsame Planung der insgesamt 21 Kommunen aussehen soll, bleibt zunächst offen. Das Instrument eines gemeinsamen Flächennutzungsplans eignet sich nicht, wie der Chef der Stadtplanung, Peter Schroeders, unlängst im Umwelt- und Planungsausschuss erläuterte. Konkret sagt die CDU in ihrem Antrag, dem sich auch die WiF angeschlossen hat: „Es liegt im Interesse der gesamten Region, insbesondere der Stadt Flensburg und ihrer Umland-gemeinden, zu einer für die Region insgesamt sinnvollen Planung unter wirtschaftlichem Einsatz von Flächen und Infrastruktur zu gelangen. Das wird nur durch eine gemeinsame Planung möglich sein, die das gesamte Gebiet der Region betrachtet und Individualinteressen zurückstellt.“

„Wir haben Zuzug, erleben Urbanisierung. Das orientiert sich am Raum Flensburg insgesamt“, hatte auch Faber festgestellt. CDU-Fraktionschef Frank Markus Döring hat zudem die städtebauliche Qualität für die Gesamtregion im Auge: „Wie kann man die Wohnraumqualität auch im Umland sicherstellen?“, fragte er, „damit nicht alles mit Einfamilienhausgebieten kaputt gesiedelt wird im 1. Siedlungsring.“ Wenn man die Zusammenarbeit mit dem Umland vor zehn Jahren auf andere Beine gestellt hätte, hätte man die ungeliebte gymnasiale Oberstufe in Handewitt verhindern können. Döring forderte eine aktivere Rolle Flensburgs: „Wir sind die Hauptstadt. Diese Rolle müssen wir annehmen, die wird uns auch zugebilligt. Die Flucht aus dem Rathausturm, die funktioniert nicht.“ Deutlich wandte er sich auch – wie auch Kämmerer Henning Brüggemann – gegen das finanzielle Instrument eines Regionalfonds. „Der läuft Gefahr, sich zu verselbstständigen“, so Brüggemann.

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