Kunst am Bau : Flensburgs Nashorn in Not

Angeschnallt, aber nicht mehr lange: Das Leißsche Nashorn muss seinen Platz auf dem Vordach verlassen. Foto: dewanger
Angeschnallt, aber nicht mehr lange: Das Leißsche Nashorn muss seinen Platz auf dem Vordach verlassen. Foto: dewanger

Das Nashorn muss weg: Seit zehn Jahren hütet ein riesiges Rhinozeros das Flensburger Rathaus, am Montag soll der Koloss verschwinden. Nur wohin?

shz.de von
26. Mai 2011, 06:53 Uhr

Flensburg | Der Löwe ist und bleibt Flensburgs Wappentier - aber das Nashorn macht ihm womöglich bald diesen Rang streitig. Gelb, mächtig und nicht zu übersehen wacht es seit eineinhalb Jahren auf dem Vordach über dem Südeingang des Rathauses. Doch dort sind seine Tage gezählt: Das Rhinozeros muss weg. Schon am Montag wird es per Kran abgebaut - und heimatlos. Es gibt noch keinen neuen Platz für den von Hans-Ruprecht Leiß erschaffenen Dickhäuter.
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Seit 2009 trotzt das gehörnte Viech an der Südfront des Rathauses Sturm und Regen, Schnee und sengender Sonne. Es ist bereits der zweite Aufenthalt dort; vor zehn Jahren wanderte es, begleitet von einer feierlichen Prozession, vom Schifffahrtsmuseum, wo es einige Wochen am Signalmast hängend für die Leiß-Ausstellung "nauta navigat" geworben hatte, zum damals noch neuen Vordach. Der damalige Oberbürgermeister Hermann Stell ließ es sich seinerzeit nicht nehmen, das Nashorn persönlich zu begrüßen.
Wer trägt die Kosten für den Transport?
Sein übernächster Nachfolger Simon Faber möchte der Nashorn-Ära des Rathauses ein Ende setzen. Er habe sich nach seinem Amtsantritt im Januar gefragt, was es wohl mit der mächtigen Styropor-Skulptur auf sich habe, und das hätten ihn auch Besucher immer wieder gefragt. Eine Antwort musste Faber schuldig bleiben, und Recherchen ergaben, dass der zweite Besuch des Rhinos ebenso wie der erste als "temporäre Maßnahme" geplant war. Denn im Umkehrschluss würde es bedeuten, dass die tierische Plastik dauerhaft als "Kunst am Bau" bleiben würde - und dafür würde es ihm dann doch an Bezug fehlen.
Leicht verschnupft zeigte sich der Besitzer des fünf Zentner schweren Kolosses, der im März 2000 auf dem Seeweg zu seinem ersten Einsatz an der Schiffbrücke kam. Er sei aufgefordert worden, das Objekt auf seine Kosten herunter zu hieven; das sei aus seiner Sicht nicht nachzuvollziehen, weil er schließlich der Stadt sein Kunstobjekt als Leihgabe überlassen habe.
Auf der Suche nach einem Ausstellungsplatz
Hier widerspricht Peter Schroeders, zuständig für Kommunale Immobilien und damit auch für das Rathaus, entschieden: "Asyl, keine Leihgabe!", betont er. Das von Künstler Leiß als "Augennashorn" konzipierte Kunsttier hatte 2009 im Roten Hof an der Roten Straße die Rote Karte bekommen, weil dort ein Hofkultur-Konzert stattfinden sollte. In Absprache mit Leiß, den er als Künstler sehr schätze, habe er einem erneuten Besuch auf dem Vordach zugestimmt, aber befristet. Damit sei der Besitzer nicht aus der Pflicht, so Schroeders. Er gab zudem zu bedenken, dass der sichere Halt des Nashorns regelmäßig überprüft werden müsse - und das verursache Aufwand und Kosten.
Wie dem auch sei: In fünf Tagen wird der gelbe Vierbeiner, an den sich viele Besucher des Rathauses mittlerweile gewöhnt haben, heimatlos. Der Besitzer, ein Flensburger Geschäftsmann, möchte es der Öffentlichkeit nicht vorenthalten, hatte auch zwei repräsentative Ausstellungsplätze ausgesucht, stieß dort jedoch auf Ablehnung. Wer eine Idee für einen sicheren öffentlichen Platz hat, kann sich an redaktion.flensburg@shz.de wenden. Ansonsten bleibt wohl nur das Tierheim.
(pop, shz)

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