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Landwirte in der Stadt : Flensburgs letzte Bauern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bauern und Stadt - das muss kein Gegensatz sein. Marc Otzen im Osten und Andreas Fogt im Westen berichten von der landwirtschaftlichen Lebenssituation innerhalb der Stadtgrenzen.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2013 | 19:25 Uhr

Ein richtiger Bauerhof in Flensburg? Auf den ersten Blick etwas Ungewöhnliches. Dennoch gibt es innerhalb der Stadtgrenzen noch echte Bauernhöfe.

„Wir sind ein ganz normaler landwirtschaftlicher Betrieb“, erklärt Marc Otzen, der den Hof an der Taruper Dorfstraße 2009 im Osten der Stadt von seinem Vater übernommen hat. „Und wir nutzen die Vorteile, das Leben auf dem Land genießen zu können und gleichzeitig zentrumsnah zu wohnen.“

Auf 30 Hektar Eigentumsfläche können die 40 Kühe noch den ganzen Sommer über die frische Luft genießen, auf weiteren gepachteten 30 Hektar werden Getreide und Mais angebaut. Das tägliche Kühe-Treiben zur Weide und wieder zurück, das bis zu einer Stunde in Anspruch nehmen kann, sei zwar aufwendig und das Problem des zertrampelten Bodens auch zu beachten. Dennoch lohne sich die Prozedur, findet Otzen: „Wir wollen etwas von den Tieren, also muss es ihnen auch gut gehen.“

Auf dem Rest der Fläche werden Getreide und Mais angebaut. Die Erntemengen und -Bedingungen seien dieses Jahr gut gewesen, „leider ist der Getreidepreis gefallen“, sagt Otzen. Sobald die Getreideernte beendet ist, steht schon die Aussaat fürs nächste Jahr an. „Und wenn auf dem Feld nichts zu tun ist, brauchen mich die Kühe. Hier gibt es keinen Stillstand, es ist immer etwas zu tun.“

Im Herbst werden die meisten Kälber geboren, die dann unter besonderer Beobachtung stehen, um Krankheiten wie die Kälbergrippe frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können. Alle weiblichen Kälber bleiben auf dem Hof, die männlichen gehen in die Mast. „Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen und müssen mithalten können. Die Tiere sind Nutztiere, aber trotzdem baut man eine Beziehung zu ihnen auf. Da fällt es schon schwer, ein Tier zum Schlachter zu geben.“ Dazu kommt, dass ein Landwirt immer flexibel sein muss, da die Arbeit stark wetterabhängig ist. „Da wächst man rein“, erzählt der 40-Jährige.

Schon als Kind half Marc Otzen auf dem Hof seines Vaters mit, den er heute selbst bewirtschaftet. Seiner Mutter gehört ein nur noch kleines Blumenfeld zum Selberpflücken, ansonsten regelt der Sohn alles selbst. Für ihn kam von Anfang an kein anderer Beruf infrage. Die eigenen Kinder, zwei Jungs und ein Mädchen, sind noch etwas zu klein, um richtig mit anzupacken. „Aber gerade die beiden kleinen Männer sind natürlich an den großen Treckern und Maschinen interessiert, wie das eben so ist“, sagt der stolze Vater und schmunzelt. Ihnen sollen bei der Berufswahl alle Türen offen stehen.

Andreas Fogt ist Landwirt im Flensburger Westen. Nur einen Steinwurf vom Industriegebiet West entfernt liegt in einer landschaftlichen Idylle ein kleiner, gelber Hof. Hier wohnen eine freilaufende Ziege, ein paar Hühner, Gänse, eine Katze und 20 Milchkühe und Hofhund Bruno, die hüfthohe, verschmuste deutsche Dogge.

„Immerhin sind die Milchpreise nun konstant“, sagt Fogt. Der Milchpreis setzt sich aus einem Grundpreis und Zuschlägen für Fett- und Eiweißgehalt zusammen. Für das Leben auf dem Hof brauche man eine Menge Idealismus, erzählt Andreas Fogt offen. Obwohl er täglich arbeitet und keinen Urlaub nehmen könne, liebt er seine Arbeit. Das merkt man an der Beziehung zu seinen Tieren, die alle einen persönlichen Namen haben und auf Fogts Worte hören.

Priorität auf dem Hof genießen die Kühe, sie sind die Haupteinnahmequelle des Landwirts. Neben den 20 Kühen dominieren der Bulle Woodstock und drei Kälber die Wiese. Sie laufen auf acht Hektar Land und sind 200 Tage im Jahr draußen auf einer Wiese direkt am Haus. Das sei eine Besonderheit unter Kühen, denn in größeren Betrieben verbringen sie mehr Zeit im Stall. Unter den Kälbchen sind im zweiten Jahr in Folge Zwillinge, obwohl das ein eher seltenes Ereignis sei, berichtet Fogt.

Die restlichen 15 Hektar Land sind Grasland. Auch wenn der Hof am Stadtrand liegt, steht der größte Teil des Geländes unter Naturschutz. Deshalb muss Fogt nicht um die Größe seines Hofes fürchten. „Ich hoffe, ich schaffe es, ihn abzubezahlen“, erklärt er. Er führt die Tradition seines Großvaters fort, der auch schon Landwirt war. Damals wohnten sie noch auf dem Hof an der Westerallee, wo er die Leidenschaft für die Landwirtschaft entdeckte und erste Erfahrungen im Beruf sammelte. Dort stehen jetzt Hochhäuser.

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