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Arbeitslosenquote : Flensburgs kleines Winter-Jobwunder

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Während die Arbeitslosenquote landesweit stagniert und in vergleichbaren Städten sogar steigt, schrumpft sie an der Flensburger Förde Monat für Monat.

Flensburg | Seitdem Heike Döpke (44) die Arbeitsagentur leitet, geht es bergauf am Flensburger Arbeitsmarkt. Mitte Juni kam Döpke aus Niedersachsen, um Arbeitsagenturleiter Markus Biercher zu vertreten. Er ist für ein Jahr in die Nürnberger Zentrale der Bundesagentur gewechselt. Und die Juni-Zahlen waren die ersten Monatszahlen der Arbeitslosenstatistik, bei denen Flensburgs Arbeitslosenquote im Jahresvergleich schrumpft.

Natürlich ist das reiner Zufall – und keine noch so tüchtige Behördenleiterin ist in der Lage, die so dringend benötigten Arbeitsplätze zu schaffen. Doch Fakt ist: Seitdem geht es von Monat zu Monat voran. Und zwar in diesem Maße nur in Flensburg. „Seit Juli lag Flensburg jeden Monat mindestens 0,4 Prozent unter der Vorjahresquote“, erklärt Döpke. Mittlerweile hat die Stadt die Rote Laterne am Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein an Neumünster abgegeben – 11,1 zu 11,7 sozusagen – Quote in Prozent. Und fast hat Flensburg mit seinen 5266 Erwerbslosen schon die großen kreisfreien Städte Kiel (10,8 Prozent Arbeitslose) und Lübeck (11,0) eingeholt – von denen sie vor Jahresfrist noch meilenweit entfernt war. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze wuchs innerhalb eines Jahres um 1057 auf 37.865. Das sind 2,9 Prozent mehr als vor einem Jahr, während das Land zugleich 1,3 Prozent mehr sozialversicherungspflichtige Jobs für ganz Schleswig-Holstein zählte.

Und was macht Interims-Arbeitsagenturchefin Döpke für das Hoch im hohen Norden verantwortlich? „Flensburg hat seit dem Rückzug von Danfoss und Motorola eine solide klein- und mittelständische Wirtschaftsstruktur“, sagt sie. Ansonsten kann sie nur viele kleine Gründe nennen, die dabei geholfen haben dürften, dass die Arbeitslosenquote von Monat zu Monat schrumpft, während sie landesweit stagniert: Es gibt drei große Callcenter in Flensburg, die ständig Mitarbeiter suchen. Es gibt immer wieder dänische Betriebe, die sich gerne in und um Flensburg ansiedeln, weil sie genügend Fachkräfte zu – aus skandinavischer Sicht – günstigen Personalkosten finden: „Wir sind für die Dänen immer noch Niedriglohnland.“ Es gebe in Flensburg einen starken Handel mit den Fachmarktzentren, die die Innenstadt aber nicht gefährdeten. Und nicht zuletzt haben sowohl der bislang ungewöhnlich milde Winter und die beiden großen Herbststürme dafür gesorgt, dass unter anderem die Bauwirtschaft und weite Teile des Handwerks Beschäftigung haben.

Die Gewinner am Flensburger Arbeitsmarkt seien eindeutig unter den Arbeitslosen zu suchen, die weniger als ein Jahr ohne Job sind. Deren Zahl sank um 3,3 Prozent, während die der Langzeitarbeitslosen um 3,3 Prozent stieg. Heike Döpke sagt: „Die Gefahr, die ich sehe, ist, dass Ungelernte die Verlierer sind und die Langzeitarbeitslosigkeit sich verfestigt.“

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erstellt am 11.Feb.2014 | 12:00 Uhr

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