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Flensburger Tageblatt

18. Dezember 2017 | 14:07 Uhr

Verfall : Flensburgs gute Stube gammelt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Leerstand im Eckener-Haus seit fünf Jahren / Schwerer Wasserschaden durch tagelange Leckage im Heizungssystem

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2013 | 10:41 Uhr

Das Eckener-Haus ist ein wichtiges Gebäude für die Stadt Flensburg. Zum einen ist es alt. Das Mauerwerk besteht in Teilen seit dem Mittelalter, die Fassade hat barocke und klassizistische Elemente, entstand im Wesentlichen zwischen 1740 und 1760. Neben der architekturhistorischen hat das Gebäude stadtgeschichtliche Relevanz. Zwei berühmte Flensburger verbrachten hier ihre Jugendjahre: Hugo und Alexander Eckener. Der eine Pionier der Lüfte, der andere ein bedeutender Grafiker. Danach war es viele Jahrzehnte das „Alt Flensburger Haus“, eine Mischung aus Heimatmuseum und Gaststube, eine Art gute Stube der Stadt, eingerichtet mit Möbeln vom Museumsberg. 1996 eröffnete der Förderkreis Eckener Haus e.V. als Pächter von der Stadt eine Gedenk- und Gaststätte. Doch eine florierende Gastronomie wollte nie in Gang kommen. Verschiedene Betreiber gaben jeweils nach einigen Jahren auf.

Und heute? Nichts geht mehr im Eckener-Haus. Betreten nicht möglich wegen schadhafter Böden. Aus Sicht von Denkmalpfleger Eiko Wenzel ist Folgendes passiert: Zur Begrenzung ihres Haushaltsdefizits verkaufte die Stadt das Haus an der Norderstraße 8 am 22. Juni 2004 an die Firma Densch & Schmidt. Die „projektierte“ es neu wie es in der Maklersprache heißt und verkaufte es weiter – nach eigenen Angaben nach einem Jahr an einen dänischen Investor. Heute gehört es einer Immobiliengesellschaft mit den Initialen VSG, die ihren Sitz in Rendsburg hat – oder hatte. Die Gesellschaft ist insolvent. Nach Einschätzung von Wenzel handelt es sich um einen ehemaligen En-Bloc-Einkäufer von Mietshäusern, um im großen Stil Geld anzulegen. In irgendeinem der Einkaufspakete befand sich wohl auch das Eckener-Haus.

2010 wurde der Stadt dann das Unheil verkündet: In dem leer stehenden Gebäude hatte es eine Leckage an der Heizung gegeben. Tagelang war unbemerkt heißer Dampf in das Haus geströmt. Katastrophal für die alten Holzdecken; sie sind nun nicht mehr tragfähig.

Ein Hamburger Rechtsanwalt ist mit der Abwicklung der insolventen Immobilienfirma betraut. Er ist der einzige leicht erreichbare Ansprechpartner, was die Belange der Eigentümer betrifft. Hendrik Gittermann bestätigt den Wasserschaden und ergänzt, dass die Böden getrocknet und geöffnet worden seien. Jetzt gehe jeden Tag „ein Hausmeister“ durch. Der entscheidende Punkt für die Zukunft des Eckener-Hauses ist die Verhandlung mit der Versicherung. Ob und wie viel sie zahle, sei noch nicht geklärt, so Gittermann, ein Prozess nicht ausgeschlossen. Immerhin stand das Gebäude, das Denkmalschutz genießt, zum Zeitpunkt des Schadens leer. So etwas sei immer „ein sehr sensibles Thema“, so Eiko Wenzel.

Wurde fahrlässig gehandelt? Wenzel meint nein. „Niemand hat wissentlich unrechtmäßig gehandelt.“ Im Gegenteil habe die Gesellschaft nach dem Schadensfall alles richtig gemacht. Ansprüche der Stadt an die Eigentümer wegen der Vernachlässigung eines Kulturgutes hält er für unbegründet.

Bleibt am Ende noch die Frage, warum keine Gaststätte sich halten konnte. Der letzte, der es von 2007 bis 2008 versucht hat, ist das jetzige CDU-Bürgerschaftsmitglied Jörg Petersen. Er sieht zwei elementare Probleme: Die mangelhafte Dämmung lasse die Nebenkosten ins Gigantische steigen. Außerdem gebe es einen Sanierungsstau, der vor allem in der Küche zu spüren sei. Genau mit diesen Kostenfaktoren sah sich 2004 bereits die Stadt überfordert. Hier schließt sich ein Problemkreis, der auch in Zukunft nicht leicht zu durchbrechen sein wird.

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