Zugewanderte : Flensburgs Flüchtlingshelfer organisieren sich als Verein

Der Gründungsvorstand der Flüchtlingshilfe Flensburg: (von links) Margit Oechsel, Reiner Rademacher (Erster Vorsitzender), Sona Shirvanyan, Niklas Kildentoft (Stellv. Vorsitzender), Tobias Kaiser, Alexandra Dirksen.
Der Gründungsvorstand der Flüchtlingshilfe Flensburg: (von links) Margit Oechsel, Reiner Rademacher (Erster Vorsitzender), Sona Shirvanyan, Niklas Kildentoft (Stellv. Vorsitzender), Tobias Kaiser, Alexandra Dirksen.

Der Initiator der bislang ehrenamtlichen Initiative, Reiner Rademacher, wird erster Vorsitzender. Für zwölf Euro pro Jahr kann man nun Mitglied werden, Flüchtlinge werden beitragsfrei im Verein aufgenommen.

20170914-75R_5632.jpg von
04. Juni 2015, 11:30 Uhr

Flensburg | Die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe Flensburg stellt sich jetzt als Verein auf ein breiteres Fundament. Im symbolträchtigen Flensburg-Zimmer des Rathauses trafen sich am Dienstagabend knapp 40 Unterstützer aus dem kompletten politischen und gesellschaftlichen Spektrum von Stadt und Umland – darunter rund ein Dutzend Flüchtlinge aus Syrien und Eritrea.

Sie erlebten eine insgesamt sehr deutsche Veranstaltung: Mehr als zwei Stunden lang wurde zunächst an einer eng beschriebenen fünfseitigen Vereinssatzung gearbeitet. Am Ende des Abends hatte der Verein immerhin einen neuen Vorstand. Die 27 Gründungsmitglieder wählten den Initiator der bislang ehrenamtlichen Initiative Reiner Rademacher zu ihrem Vorsitzenden. Dem Vorstand der Flüchtlingshilfe Flensburg gehören darüber hinaus Margit Oechsel, Sona Shirvanyan, Niklas Kildentoft, Tobias Kaiser, Alexandra Dirksen und Bilal Ibrahim an. Nach der Satzung gaben sich die Flüchtlingshelfer auch eine Beitragsordnung: Für zwölf Euro pro Jahr kann man nun Mitglied werden, Flüchtlinge werden beitragsfrei im Verein aufgenommen.

Die Gründungsversammlung leitete Heiko Frost, der neue Chef von Adelby1. In deren Kitas werden fünf Flüchtlingskinder betreut, schulische Hilfen bekommen acht weitere Flüchtlingskinder. Frost hatte zu Beginn des Jahres Reiner Rademacher kennen gelernt, der im Oktober die ehrenamtliche Initiative Flüchtlingshilfe ins Leben gerufen hatte. Der Geschäftsführer des Kita-Trägers will vor allem Kindern aus Flüchtlingsfamilien helfen: „Bei vielen traumatisierten Flüchtlingskindern nehmen wir ein Verhalten zwischen Rückzug und Aggression wahr“, sagte Frost.

Peter Rohrhuber, der im Rathaus die Integrationsaktivitäten koordiniert, zeigte sich begeistert vom breiten gesellschaftlichen Engagement für Flüchtlinge in der Stadt: „Ich finde es sehr beeindruckend, wie viele starke Persönlichkeiten sich hier einbringen.“ In der Tat bekannte sich bei der Vereinsgründung ein buntes und breites Spektrum aus verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen dazu, die Integration von Flüchtlingen in der Stadt positiv zu begleiten – vom Flensburger CDU-Vorsitzenden und Ratsherrn Arne Rüstemeier bis zu Wolfgang Behrens von der Linken-Ratsfraktion, von der Zeitsoldatin über die Sprachwissenschaftlerin im Ruhestand bis zu Studierenden, die beim Campus-Projekt „Sprache für alle“ mitarbeiten, vom Pastor bis zum Anwalt mit Asylschwerpunkt.

Auch alle anwesenden syrischen und eritreischen Flüchtlinge stellten sich mit ihren ersten Deutschkenntnissen vor. Fast alle betonten, dass sie keine Arbeit hätten: „Die würden alle gerne arbeiten“, sagte Rohrhuber. Doch es gebe viele bürokratische Hemmnisse wie die Vorrangprüfung: „Sie bekommen einen Job erst, wenn sichergestellt ist, dass kein Deutscher den Arbeitsplatz möchte.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen