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Pläne für 2014 : „Flensburgs Campus ist dramatisch unterfinanziert“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Präsidenten von FH und Uni Flensburg, Herbert Zickfeld und Werner Reinhart, wollen in die Qualität ihrer Hochschulen investieren – und die Zusammenarbeit mit der Syddansk Universitet intensivieren.

Flensburg | Was macht den Flensburger Campus für Studieninteressierte und Hochschulmitarbeiter aus Ihrer Sicht reizvoll?
Reinhart: Herr Zickfeld und ich sind uns da einig – wir sind anders oder besser. Wir sind anders, weil wir kleiner sind, die Atmosphäre ist familiärer. Dadurch kennen wir auch unsere Studierenden und können sie in ihrer Entwicklung bis zum letzten Semester begleiten. Alle Studiengänge, die wir anbieten, ob in der Lehrerausbildung oder im Energie- und Umweltmanagement, sind übrigens in der Bundesrepublik einzigartig. Und wenn man Grenzüberschreitung als einen Vorteil ansieht, was ich tue, dann sind wir hier auch besser.

Zickfeld: Das eine sind die außergewöhnlichen Studiengänge. Bei uns sind das zum Beispiel Bio- und Lebensmitteltechnologie, in den maritimen Wissenschaften oder in der internationalen Fachkommunikation. Aber es ist auch die Nähe zu Dänemark. Wir sind so ein klein bisschen schon eine deutsch-dänische Hochschule hier in einer wunderschönen Gegend.

Was würden Sie gerne auf dem Campus verbessern?
Zickfeld: Das große Problem ist, wir sind fernab aller Metropolen. Junge Menschen sind natürlich fasziniert von Metropolen wie Hamburg oder Berlin oder München...

...aber nicht von den Wohnungsmieten...

Zickfeld: Das ist wirklich ein Vorteil, obwohl auch wir uns mehr Wohnraum wünschen. Wir bekommen ja noch ein großes Studentenwohnheim.

Reinhart: Wir können sicherlich internationaler werden. Und wir haben natürlich ein Finanzierungsproblem. Im Vergleich zu anderen norddeutschen Universitäten und Hochschulen sind wir immer noch schlechter finanziert.

Zickfeld: Wir sind dramatisch unterfinanziert. Damit umzugehen, ist relativ schwierig. Es ist schwer einzusehen, dass im südlichen Bereich unseres schönes Landes deutlich mehr Geld für Studienplätze zur Verfügung steht als bei uns.

Das heißt, innerhalb Schleswig-Holsteins wird Flensburg schlechter behandelt als die größeren Standorte?
Zickfeld: Es gibt ganz offizielle Zahlen, und wenn Sie sich die anschauen, dann sind wir in einer wenig komfortablen Situation verglichen mit allen anderen Fachhochschulen des Landes. Jedoch konnten wir in den soeben abgeschlossenen Zielvereinbarungen mit dem Land erstmals nach einem Jahrzehnt eine Trendwende bezüglich unserer finanziellen Benachteiligung einleiten. Dafür bin ich unserer Ministerin Wara Wende sehr dankbar.

Reinhart: Wir erkennen an, dass der Wille da ist, etwas zu ändern. Aber eine der Konsequenzen ist natürlich, dass eine Universität, die insgesamt nicht besonders gut finanziert ist, sehr viel Ungleichheit nicht vertragen kann. Wir haben uns für 2014 vorgenommen, endlich einen Struktur- und Entwicklungsplan vorzulegen. Dann müssen wir auch angehen, dass wir endlich Personalstrukturen aufbauen, die mit anderen Universitäten vergleichbar sind. Und wir haben in Teilbereichen immer noch viel zu wenige Stellen, die Nachwuchsförderung leisten.

Können die Sturmschäden, die vor allem der Universität entstanden sind, komplett beseitigt werden, ohne dass am Ende an anderer Stelle Mittel fehlen?
Reinhart: Davon gehe ich aus.
Zickfeld: Wir waren natürlich auch erschüttert und haben sofort unsere Hilfe angeboten, um die Hochschullehre sicherzustellen. Klar ist, dass wir das Ganze mittragen, denn wir haben einen gedeckelten Haushalt für die Hochschulen und für die baulichen Maßnahmen. Das, was hier benötigt wird, fehlt uns natürlich. Wir haben Riesen-Baumaßnahmen, die mit Brandschutz zu tun haben. Die kosten ein immenses Geld.

Wie lange gehen Sie noch davon aus, dass Sie improvisieren müssen, vor allem im Hauptgebäude?
Reinhart: Ich gehe davon aus, dass zum Sommersemester 2014 alles in Ordnung ist.

Wie sind die Rückmeldungen von Lehrenden und Studierenden?
Reinhart: Sofort hat die Fachhochschule ihre Hilfe angeboten – andere auch in der Stadt und der Region. Ich habe nur Verständnis gehört; wir mussten ja viele Veranstaltungen verlegen.

Zickfeld: Worüber man nachdenken muss: ob manche Dinge vielleicht vermeidbar wären, wenn wir ein etwas flexibleres Vergaberecht hätten. Was bei uns getan werden muss und getan wird, das schaffen die Privaten vergleichsweise in einem Drittel der Zeit. Und wahrscheinlich zu anderer Qualität.

Was ist für 2014 zu erwarten an konkreten Schritten hinsichtlich der Europa-Universität?
Reinhart: Wir werden als Präsidium unseren Struktur- und Entwicklungsplan dem Senat und dem Hochschulrat vorlegen. Und das wird einer der großen Punkte sein: die Internationalisierung und die Weiterentwicklung zur Europa-Universität. Wir haben uns im Jahr 2013 eine Woche Zeit genommen – wir haben das die Zukunftswoche genannt –, um darüber nachzudenken, was bedeutet Europa für uns, wohin wollen wir uns entwickeln. Und das Ergebnis war eindeutig. Erstens: Wir können das. Zweitens: Wir wollen das. Drittens (dieses Signal haben wir von der Landesregierung bekommen): Wir dürfen das auch. Insofern gehe ich davon aus, dass die Ausrufung der Europa-Universität zeitnah zu erwarten ist.

Zickfeld: Wir sind auch freundschaftlich miteinander verbunden, und trotzdem nervt uns der Begriff Europa-Universität. Weil wir in höchstem Maße Europa-orientiert sind. Wir werden im Jahr 2014 den ersten deutsch-dänischen ingenieurwissenschaftlichen Studiengang ins Leben rufen, einen Masterstudiengang zusammen mit der Syddansk Universitet Sonderburg. Wir werden direkt in Sonderburg einen Standort vorhalten. Wir werden unsere Studierenden regelmäßig nach Sonderburg bringen. Wenn man dann sieht, welche Hochtechnologie-Projekte auch abgelaufen sind mit Dänemark: Dann schmerzt das schon ein bisschen, wenn das immer auf Universität fokussiert wird. Hinzukommt, dass wir beispielsweise mit Polen gleich mit zwei bedeutenden Universitäten eng verbunden sind. Dann würden wir wirklich gerne vom Europa-Campus sprechen. Wir leben diese Internationalisierung auf europäischer Ebene.

Reinhart: Ich werde das Label Europa-Campus nicht zurücknehmen. Ich werde immer von der Europa-Universität auf dem Europa-Campus reden. Und eines der Geheimnisse, warum wir uns so gut vertragen, liegt ja auch darin, dass man es uns leicht macht. Erstens haben wir den gleichen Standort; wir sind der echte Norden. Das Zweite ist aber auch, dass wir uns eher ergänzen denn überschneiden. Die Fachhochschule beeindruckt durch ihre internationalen, vor allem europäischen Kontakte, macht aber keine europawissenschaftliche Forschung. Dafür steht die Uni für die Idee, für die Vision Europas. Insofern sind wir froh, dass wir mit unseren unterschiedlichen Stärken einen gemeinsamen Fokus gefunden haben. Wir werden gemeinsam eine Professur einrichten für europäische Medien. Und das ist schon etwas Einmaliges.

Was kommt bei den Studierenden davon an, wenn man sich ansieht, wie kompliziert es ist, ohne Auto von diesem Campus ins Alsion nach Sonderburg zu kommen?
Zickfeld: Im Sommer hatten wir Gelegenheit, mit unseren dänischen Kollegen direkt zu sprechen. Wir haben drei Dinge geplant. Erstens: Wir richten gerade eines der modernsten Tele-Teaching-Systeme ein. Punkt zwei: Wir werden einen Shuttle-Service organisieren. Darüber hinaus versuchen wir, den Wirtschafts- und Wissenschaftsraum auszubauen. Wir haben beschlossen, dass wir den nächsten nordischen Abend für Wirtschaft und Wissenschaft auf dänischer Seite machen.

Reinhart: Die Basis der Europa-Universität werden natürlich die deutsch-dänischen Studiengänge sein. Wir haben erst vor kurzem deren 20. Geburtstag gefeiert. Das ist schon etwas Besonderes. Diese Basis auszuweiten auf unser Profil, das hauptsächlich durch lehramtsbildende Studiengänge geprägt ist, macht sicherlich Sinn, weil wir die einzige Europa-Universität sein werden mit diesem Schwerpunkt.

Zickfeld: Wenn wir nicht die Chance nutzen, grenzüberschreitend einen Wirtschafts- und Wissenschaftsraum zu entwickeln, dann werden sowohl Süddänemark als auch wir im Norden Schleswig-Holsteins gnadenlos untergehen.

Was muss denn konkret passieren in unserer Region?
Zickfeld: Das Bekenntnis zu Europa unterschreibe ich sofort. Wir haben Standortvorteile, aber auch Standortverpflichtungen. Wir müssen unseren Beitrag leisten, damit diese Region eine Chance hat. Wir brauchen Hochtechnologie, um hier einen technologischen Nucleus für ganz bestimmte Wissenschafts- und Technologiebereiche zu schaffen. Das ist natürlich der Bereich Energie und Umwelt, das ist der Bereich der maritimen Wissenschaften, die modernen, umweltschonenden Antriebstechnologien, Information und Kommunikation. Wir wollen unseren Beitrag leisten und Biotechnologie und Lebensmitteltechnologie festigen, damit hier mehr regionale Produktion von Lebensmitteln stattfindet. Und wir wollen eventuell den Bereich der Umwelt-Forensik aufbauen. Als Region und als Hochschule haben Sie nur eine Chance, wenn Ihr Profil national und international erkennbar ist.

Selbst mit hochkarätiger Forschung können Sie nicht die Warenströme der Handelskonzerne verhindern...
Zickfeld: Aber es gibt andere Möglichkeiten. Wenn es denn so ist, dass wir in der Biotechnologie, in der Lebensmitteltechnologie hier dazu beitragen, dass es mehr regionale Produktion gibt, dass die Landwirtschaft erkennt, dass wir Wertschöpfung brauchen durch Veredelung. Die Leute wollen heute gesund essen. Das ist ein Trend, und das wollen wir unterstützen. Wenn Sie erst mal so einen Nucleus haben, dann zieht das mehr an. Dann werden wir auch mehr Ausgründungen bekommen. Wir setzen auf kleine und mittlere Unternehmen, auf den Mittelstand.

Reinhart: Ich glaube, dass wir hier ein Campus-Profil haben. Wir haben gemeinsam Energie- und Umweltmanagement als Studiengang. Und ergänzen uns dann wieder: die eher technische Seite von der Fachhochschule, während wir mit der Honorarprofessur für Transformationsdesign das kulturwissenschaftlich begleiten.

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erstellt am 03.Jan.2014 | 08:15 Uhr

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