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Flensburger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 01:20 Uhr

Flensburgs Barbie-Paradies

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Karin David hat in den vergangenen 20 Jahren 310 Puppen gesammelt und verfeinert – bis zu sechs Stunden braucht sie für eine Frisur

von
erstellt am 03.Feb.2014 | 17:38 Uhr

Eine Lieblingspuppe hat Karin David nicht. „Es gibt etwa zehn Puppen, die ich besonders gern mag“, sagt die 71-jährige Rentnerin. „Da stimmt das Gesamt-Erscheinungsbild am besten.“ Das heißt aber nicht, dass sie an ihren übrigen Barbiepuppen etwas auszusetzen hat – immerhin rund 300 Stück.

Eine Puppensammlerin im klassischen Sinne ist Karin David aber keineswegs. Viel lieber frisiert sie in ihrer Freizeit die kleinen Puppen individuell und schneidert ihnen passgenaue Kleider mit viel Liebe zum Detail. Einige Puppen tragen selbstgefertigten Schmuck – Ohrringe, Armbänder oder Halsketten. Die Puppen gleichen kaum noch gewöhnlichen Barbie-Damen, sondern sehen wie kleine Prinzessinnen aus.

Dafür hat Karin David, die zuletzt als Näherin gearbeitet hat und gern Modezeichnerin geworden wäre, viel Zeit investiert. „Den Arbeitsaufwand kann ich gar nicht in Stunden berechnen, der ist von Puppe zu Puppe ganz unterschiedlich.“ Bei einigen Barbies habe sie über sechs Stunden nur für die Frisur benötigt.

Da verwundert es nicht, dass Davids modisch hergerichtete Puppen kein Werk von wenigen Tagen sind. „Ich habe mit dem Hobby vor rund 19 Jahren begonnen.“ Damals sei sie in einer Modezeitschrift auf einen Preis aufmerksam geworden, den eine Frau für das Einkleiden einer Puppe verliehen bekam. „Ich fand die Kleidung der Puppen aber nicht schön.“ Das rief sie auf den Plan, es ebenfalls auszuprobieren – aber nach ihren eigenen Vorstellungen.

Die Idee war geboren: Karin David kramte sechs eingemottete Barbiepuppen ihrer beiden Töchter hervor, mit denen sie vor Jahrzehnten gespielt hatten und begann, diese zu frisieren und einzukleiden. Doch das war nur der Anfang: „Ich habe richtig Gefallen daran gefunden und mir auf Flohmärkten ausrangierte Barbiepuppen gekauft.“ Aber auch anderes Zubehör, das sie zur Puppenkleidung umfunktioniert. So dient eine Brosche nun als Bikini-Oberteil, ein kleiner Kürbisdeckel als Hut.

Doch sich mit ihrer Arbeit zu rühmen, kommt für die 71-Jährige nicht infrage. Die meiste Zeit stehen die Puppen sorgsam in Kisten verstaut in einem Zimmer in Davids Haus – bis auf drei Ausnahmen. „Für Freunde und Bekannte habe ich drei kleine Ausstellungen in meinem Haus angeboten.“

Das reicht ihr aber auch, denn die Rentnerin steht nicht gern im Mittelpunkt. Ihre Tochter musste sie erst überreden, sich für einen Preis beim Industriemuseum Elmshorn zu bewerben. Da der Wettbewerb nur für Kinder gedacht war, zeichnete das Museum die Flensburgerin mit dem eigens für sie ins Leben gerufenen Perfektionspreis aus.

Von der Ehrung erzählt Karin David nur beiläufig. Denn sie betreibt ihr Hobby für sich und nicht für andere. Daher fällt es der 71-Jährigen nicht schwer, demnächst damit aufzuhören. „Ich habe noch zwölf Puppen, die ich einkleiden will, aber danach ist Schluss“, sagt sie. Ihr fehle schlicht der Platz, um die Puppen alle zu verstauen. Behalten will sie die kleinen Kunstwerke nämlich schon – und nicht nur ihre zehn Lieblingspuppen.

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