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135 Jahre alt : Flensburgs ältestes Museumsschiff

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Oline“ feiert heute Geburtstag und ihr Besitzer Tonco Sander will das gute Stück der Nachwelt erhalten

Es war ein Donnerstag, als „Oline“ auf der Bauwerft von H.V. Buhl in Frederikshavn vom Stapel lief . Donnerstag, der 24. Oktober 1878. Zwischen heute und dem Donnerstag damals hat das älteste Schiff des Museumshafens so einiges erlebt. Und wenn sich Tonco Sander eines wünscht, dann, dass sein Schiff erzählen könnte aus seinem langen rauen Leben.

Seit drei Jahren ist der 53 Jahre alte Holländer aus Groningen Besitzer der Kvase. zuvor hatte sie dem langjährigen Mitglied des Museumshafens Erland Bock gehört. Und eigentlich, erzählt Sander, sollte die „Oline“ auch in ihrem neuen Heimathafen Delfzijl liegen. Aber irgendwie und ziemlich schnell nach dem Kauf hatte Sander gemerkt: Oline und Ostsee, Sander und Flensburg, das passt viel besser. „Sie ist hier gut aufgehoben. Flensburg ist unser zweites Zuhause“

Seither versucht der Seemann aus Groningen das zu tun, was er für wichtig hält: „Oline“ für die Nachwelt zu bewahren. „Es gibt weltweit nur noch drei von ihrer Art“, sagt Sander. Drei von ganz vielen. Schiffe wie die „Oline“ waren zu ihrer Zeit der Lebendfisch-Shuttle. Bevorzugt in Kattegat und Skagerak transportierten die Spezialschiffe in speziellen Seewasser-Behältern den Fisch vom Fanggrund in die Häfen. Die speziellen Vorrichtungen sind immer noch an Bord – auch wenn die Transporträume mittlerweile Wohnräume geworden sind. Wichtig für Sander ist: „Man kann alles wieder sichtbar machen.“

Für Sander ist sie eine Besonderheit. „Ich bin von Kindesbeinen an mit Großvater und Vater in Nord- und Ostsee gesegelt. Und immer, wenn wir auf ein solches Schiff trafen, wusste ich: So eines will ich haben.“ Die Aussicht auf ein 135 Jahre altes Traditionsschiff sorgt nicht bei jedem maritim geprägten Menschen für Adrenalinschübe. Da ist Sander ein Sonderfall. Er zeigt ein altes, vom vielen Lesen abgegriffenes Buch, dass auf dänisch die Geschichte der Kvasen erzählt. Das Buch bekam er nach einem denkwürdigen Erlebnis geschenkt. „Oline!“, sagte der unbekannte Däne an der Svendborger Pier. „Dass die noch lebt“. Kurze Zeit später war der Mann wieder da, schenkte Sander das Buch. Er sei mit seinem Großvater auf ihr gesegelt. Im Winter. Hoch nach Norwegen. Das sind Erzählungen die nachhallen. Nicht das, was er in deutschen Häfen zu hören bekommt. „Hier sagen sie nicht, schön dass sie noch segelt. Hier sagen sie. Viel Arbeit!“

Die ist es ihm wert, sagt er. Auch, weil dieses Schiff immer nur „Oline“ hieß. Benannt nach der Ehefrau des Erstbesitzers Consul Christian Ludevig Cloas aus Fredrikshavn. So viel Kontinuität fühlt sich Tonco Sander verpflichtet. Auch als Teil eines größeren Ganzen. „Ich hoffe, ich kann ihr noch viel Gutes tun. Mein Job ist, dafür zu sorgen, dass sie hier bleibt.“

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erstellt am 24.Okt.2013 | 11:15 Uhr

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