zur Navigation springen

Offshore-Schiffe : Flensburger Werft landet Coup in Norwegen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburgs Schiffbaugesellschaft kann den norwegischen Konkurrenten einen wichtigen Auftrag wegschnappen: Die Reederei Siem aus Kristiansand und Helix Energy Solutions aus Houston ordern den Bau von zwei Spezialschiffen für Brasiliens Mega-Ölfeld „Campo de libra“.

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2014 | 09:36 Uhr

Die kleine Auftragsdelle der Flensburger Schiffbau Gesellschaft ist Geschichte, Kurzarbeit war gestern. FSG-Geschäftsführer Peter Sierk meldete gestern Abend den erfolgreichen Vertragsabschluss über den Bau zweier Spezialschiffe für die norwegische Reederei Siem Offshore (Kristiansand). Für die Flensburger Schiffbauer ist das ein in mehrfacher Hinsicht ganz besonderer Auftrag. Erstmals gelang es mit der FSG einer deutschen Werft auf diesem durch norwegische Konkurrenz dominierten Markt ein Bein an Deck zu bekommen. Zuvor musste das Flensburger Verhandlungsteam freilich durch Himmel und Hölle gehen.

Als am 1. Februar die „Rolldock Storm“ in Flensburg planmäßig vom Stapel lief, wartete Sierk noch sehnsüchtig auf einen Anruf aus Kristiansand. Die FSG hatte ihr Angebot unterbreitet – in direkter Konkurrenz mit einem norwegischen Mitbewerber. Einen Tag später war Sierk am Boden zerstört. Die Norweger hatte abgesagt, sie wollten mit der inländischen Werft den Vertrag fertig verhandeln. Am Montag waren die Flensburger nach einem Anruf ihres Vertriebschefs Dirk Petersjohann wieder im Boot. Am Mittwoch begann ein mehrtägiger Verhandlungsmarathon, vergangenen Freitag waren die Verträge unterschrieben. „Ich glaub’, wir haben mindestens fünf Tage am Stück das Hotel nicht verlassen“ sagt Sierk.

Es hat sich gelohnt. Die FSG baut nach den beiden Forschungsschiffen für WesternGeco (London) zwei weitere Hochtechnologie-Fahrzeuge, die bei der Exploration der großen brasilianischen Ölfelder im Atlantik zum Einsatz kommen werden – für eine der weltweit führenden Firmen im maritimen Ölgeschäft: Helix Energy Solutions Group, Inc. in Houston. Die Spezialisten aus Texas waren diejenigen, die 2010 die verheerende Umweltkatastrophe der umgekippten Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexico erfolgreich bekämpften. Helix bereitet mit der staatlichen brasilianischen Gesellschaft Petrobras innerhalb eines internationalen Konsortiums die Ausbeutung des gewaltigen Offshore-Ölfeldes Campo de libra vor.

Offenbar ist der Auftrag einer plötzlich zunehmenden Dynamik innerhalb dieses Konsortiums geschuldet. „Das Projekt war schon lange am Markt“, so Sierk. „Aber mit einem Mal beanspruchte es unsere sämtlichen Ressourcen.“ Die FSG wird bei der Konstruktion eng mit einem norwegischen Ingenieursbüro zusammenarbeiten, das bereits einen Entwurf für die Spezialschiffe erarbeitet hat. Bei der weiteren Entwicklung arbeiten die Ingenieure aus Flensburg und Norwegen eng zusammen, sagte Sierk. Die beiden Neuaufträge sollen im Februar 2016 und im Juli 2016 an den Kunden Siem geliefert werden. Anschließend werden sie mit der Spezialausrüstung des Charterers Helix ausgerüstet.

An der Batteriestraße ist man nach den bangen Dezembertagen glücklich. „Diese Nachricht haben wir so gebraucht“, freut sich Sierk. „Wir sind in einem für unsere Zukunft wichtigen Hightech-Markt angekommen. Mit Western Geco haben wir mit Siem als Auftraggeber und Helix als Charterer einmal mehr das Vertrauen von Weltmarktführern in ihrem Bereich erhalten.“

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen