zur Navigation springen

Götz Wiedenroth : Flensburger Uni sagt Ausstellung nach Shitstorm wieder ab

vom

Wiedenroth steht wegen rechter Zeichnungen in der Kritik. Auch der DJV zog eine Terminankündigung zurück.

von
erstellt am 02.Mai.2017 | 16:33 Uhr

Flensburg | Die Flensburger Europa-Universität hat eine geplante Ausstellung des Flensburger Karikaturisten Götz Wiedenroth wieder abgesagt. Damit reagierte die Hochschule auf Kritik, die zuvor laut geworden war. Angekündigt war eine Vernissage mit dem Thema „Lügenpresse -- Fake News“, die am Dienstag, 16. Mai, beginnen sollte.

Götz Wiedenroth, der zum Flensburger Medienstammtisch gehört, ist ein umstrittener Karikaturist. Viele seiner Werke werden von Kritikern etwa als islamophob, antisemitisch und rassistisch angesehen.

Die Flensburger Hochschule begründete ihre Absage der Ausstellung, zu der auch eine einstündige Veranstaltung zum Thema „Politische Karikatur“ geplant war, in einer Stellungnahme gegenüber shz.de: „Die für den 16. Mai angekündigte einwöchige Ausstellung des Karikaturisten Götz Wiedenroth im Modul 1 der Europa-Universität Flensburg wird nicht stattfinden. An der Europa-Universität, die sich in ihrem Leitbild auf „Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Vielfalt“ verpflichtet hat, gibt es keinen Raum für antisemitische, fremden-, frauen- und islamfeindliche Inhalte. Die Karikaturen von Götz Wiedenroth machen sich für Positionen stark, die an der EUF keine Heimat haben; die Universität ist nicht bereit, diese Positionen durch eine Ausstellung zu unterstützen.“

Weiter erklärte Uni-Sprecherin Kathrin Fischer gegenüber shz.de, die Ausstellung sei vom Leiter des „Moduls 1“ am Institut für Ästhetisch-Kulturelle Bildung ohne Kenntnis des Präsidiums geplant worden. „Offensichtlich hatte der nur harmlose Karikaturen gesehen und nicht recherchiert, wo und was Götz Wiedenroth ansonsten publiziert“ erklärte Fischer. Das Präsidium sei auf die „antisemitischen, fremden-, frauen- und islamfeindlichen Inhalte“ aufmerksam gemacht worden und habe nach eingehender Prüfung der Karikaturen die Ausstellung sofort abgesagt.

Am Wochenende hatte es auf eine Einladung, die vom Flensburger Medienstammtisch verschickt worden war und die Ausstellung ankündigte, in den sozialen Netzwerken reihenweise Kritik gegeben. Um diese Karikaturen ging es dabei:

„Lokal-,Funktionär' eines Journalistenverbands ist damit also ein Rassist & Antisemit, der #freedeniz Knast wünscht und ,Lügenpresse' geifert“, kommentierte die Nutzerin.

Die Reaktionen auf die Ausstellung waren überwiegend negativ.

 

Dieser Kommentator hoffte, dass die Ausstellung an der Uni Flensburg nicht wirklich stattfindet.

 

Allerdings gab es auch Kommentatoren, die sich für die Karikaturen von Wiedenroth aussprachen. So wurde beispielsweise die künstlerische Freiheit hervorgehoben:

 

Einige Kommentatoren lobten die Uni Flensburg dafür, dass sie die Ausstellung zeigen wollte:

Wiedenroth bezeichnete die Absage der Uni als „abwegig“. Er schrieb in einer Pressemitteilung: „Die für die Ausstellung vorgesehenen Karikaturen wie auch meine Karikaturen überhaupt sind keineswegs - wie vorstehend insinuiert - antisemitisch, fremden-, frauen- oder islamfeindlich, sondern machen sich über die diesbezüglichen heiligen Kühe der herrschenden politischen Macht lustig - nicht mehr. Das ist das vornehmste Recht und die elementare Aufgabe des Kulturguts,politische Karikatur'.“

Götz Wiedenroth auf einem Foto von 2002.

Götz Wiedenroth auf einem Foto von 2002.

Foto: Michael Staudt/Archiv
 

Auch das Datum der Ausstellung stieß böse auf. So sollte die Ausstellung um 18.18 Uhr beginnen. In der rechten Szene wird diese Zahlenkombination auch genutzt, um den Namen „Adolf Hitler“ zu codieren. So ist das „A“ der erste Buchstabe im Alphabet, das „H“ der achte.

 

Wiedenroth schrieb auf Nachfrage, warum diese Uhrzeit gewählt worden sei: „Die Zahlenverdoppelung in der Uhrzeit wurde aus Gründen der Originalität und leichten Merkbarkeit im Gedächtnis gewählt. 17.17 Uhr erwies sich als zu früh, 19.19 Uhr als zu spät für die Anwesenheit wichtiger Beteiligter aus Universität und Medienstammtisch. Aber in der Nachschau hätte wohl auch schon die Terminierung ,18.00 Uhr' für einen denunziations-hysterischen Orgasmus in den Hirnen der modernen Hexenjäger gesorgt.“

Auf Twitter wurde auch gefragt, warum der Deutsche Journalistenverband (DJV) Mitveranstalter sei.

Der schleswig-holsteinische Landesverband des DJV bezog auf seiner Homepage Stellung und stellte klar, dass man die Ausstellung nicht mehr unterstütze und sich von den Werken distanziere: „Veranstalter ist der Flensburger Medienstammtisch. Wir haben diesen Terminhinweis entfernt und bedauern, dass er überhaupt in den Terminkalender aufgenommen wurde.“

Der Flensburger Medienstammtisch sei „eine unabhängige Veranstaltung, sie hat mit dem DJV Schleswig-Holstein nichts zu tun.“ Der DJV erklärte, dass der Stammtisch seit etwa zehn Jahren bestehe und damals auch von DJV-Mitgliedern mitbegründet worden sei. „Aus dieser Zeit rührt die Gepflogenheit, dass wir Termine des Flensburger Stammtisches in unseren Terminkalender aufgenommen haben. Allein auf diesen Informationsservice beschränkt sich die Beziehung des DJV Schleswig-Holstein zu der Flensburger Runde.“

Weiter hieß es, dass sich offenbar „Charakter und Zusammensetzung deutlich veränderten, ohne dass wir dies registriert haben“. Man sei, auf Inhalte und Stoßrichtung der „Wiedenroth-Karikaturen“ am 29. April aufmerksam gemacht worden, bis dahin habe man sie nicht gekannt. Doch für die „dumpfe Stimmungsmache“ wolle man nicht werben. Künftig würden die Stammtisch-Termine aus Flensburg nicht mehr im DJV-Kalender veröffentlicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen