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Keine Kita, keine Uni : Flensburger trotzen dem Sturm

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schulfrei, Sporthallenschließungen und auch geschlossene Kitas - wie Flensburger zu Land und zu Wasser den Sturm erlebten.

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2013 | 08:00 Uhr

So schnell bringt Andreas Schulz nichts aus der Ruhe – Sturm „Xaver“ schon gar nicht. Der 57-jährige Kölner wohnt während des Wetter-Tiefs mit seiner Frau auf dem gemeinsamen Segelboot in Sonwik. „Ich bin seit einigen Tagen hier, um mein Boot winterfest zu machen“, berichtete er gestern.

Damit ist wegen des Sturms aber vorerst Schluss. „Derzeit bin ich nur damit beschäftigt, das Schiff im Hafen zu sichern“, berichtete Schulz. „Ich habe es mit zehn dicken Seilen am Steg befestigt.“ Doch von Angst oder gar Panik wegen des starken Windes ist bei ihm nichts zu spüren, ganz im Gegenteil: Der Kölner erträgt die Situation mit rheinländischer Gelassenheit und ist sogar für Späße aufgelegt. „Mittags hatte das Boot ordentlich Schräglage, da wäre fast der Rotwein vom Tisch gefallen“, sagt er lachend.

Wenn es nach ihm ginge, dürfte sich das Wetter aber allmählich wieder beruhigen. „Am Sonntag wollen meine Frau und ich wieder zurück nach Köln fahren.“ Und bis dahin sollen die Arbeiten im und am Boot abgeschlossen sein.

Ganz andere Sorgen hatten Flensburger Eltern, deren Kinder eine der zehn städtischen Kindertagesstätten (Kita) besuchen. Denn diese blieben gestern allesamt wegen der Sturmwarnung geschlossen und öffnen auch heute nicht. „Dazu haben wir uns am Donnerstagmorgen entschieden, als sich abzeichnete, dass Sturm Xaver tatsächlich kommt“, erklärte Stadt-Sprecher Clemens Teschendorf. Am Vortag hatte er noch mitgeteilt, dass die Kitas – je nach Wetterlage – erst mittags schließen dürften.

Von dieser Möglichkeit machte die Kita Stuhrsallee ohne Teschendorfs Wissen schon früher Gebrauch. „Wir haben am Mittwochnachmittag entschieden, dass die Kita geschlossen bleibt“, sagte deren Leiterin. „Die Gefahr ist für Kinder, Eltern und Mitarbeiter einfach zu groß, denn hier stehen viele Bäume.“ Nach ihren Angaben hätten fast alle Eltern diesen Schritt begrüßt und ihre Kinder anderweitig unterbringen können.

Dies bestätigte Fabian Geyer, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Flensburger-Schleswig-Eckernförde. „Die Eltern mussten zwar improvisieren, doch mir ist kein Fall bekannt, bei dem es zu Problemen gekommen ist.“ Einige hätten sich untereinander kurzgeschlossen und Spielgruppen für die Kinder organisiert. „Es gab auch Elternteile, die sich kurzerhand Urlaub genommen oder Überstunden abgebummelt haben – in dieser Hinsicht waren die Unternehmen wirklich entgegenkommend.“ Zudem hätten zahlreiche Betriebe am Mittag oder frühen Nachmittag vorzeitig geschlossen.

Ebenso geschlossen blieb gestern der Museumsberg Flensburg. „Zu diesem Schritt haben wir uns morgens entschieden“, erklärte Leiter Michael Fuhr. „Denn wir können nicht gewährleisten, dass Dachziegel herunterfallen und Besucher gefährden.“ Um auch die Sicherheit der Mitarbeiter sicherzustellen, seien sie gestern um 12 Uhr nach Hause geschickt worden. Ob der Museumsberg heute öffnet, werde erst am Vormittag entschieden – und auf der Webseite www.museumsberg-flensburg.de bekannt gegeben.

Kein Risiko gingen gestern auch die beiden Hochschulen ein. Nach der Uni entschied auch die FH in den frühen Morgenstunden, die Veranstaltungen für Donnerstag und Freitag komplett abzusagen. Heute gibt es auch keine FH-Absoventenfeier.

Zwei Mitarbeiter der Uni-Hausmeisterei sperrten das komplette Hauptgebäude am Vormittag weiträumig ab: „Wir haben aus dem Unfall vom Oktober gelernt, bei dem es zum Glück keine Verletzten gegeben hat“, sagt ein Haustechniker. Neben den Kitas und Schulen sind zunächst bis Sonntag auch alle Sporthallen der Stadt vorsorglich geschlossen.

Auch der Rat ordnete sich der Sicherheitspolitik unter. Die Ratsversammlung gestern Nachmittag wurde komplett verschoben.

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