Eignergemeinschaft zerfällt : Flensburger Tage der "Sphinx" gezählt?

Rassiger Auftritt: Nach ihrer umfassenden Restaurierung räumte  die 'Sphinx' bei den Regatten die Preise ab. Foto: Staudt
Rassiger Auftritt: Nach ihrer umfassenden Restaurierung räumte die "Sphinx" bei den Regatten die Preise ab. Foto: Staudt

Ehemaliges Flaggschiff der Marineschule erneut vor ungewissem Schicksal: Eignergemeinschaft fällt auseinander

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10. Mai 2011, 10:21 Uhr

Flensburg | Über 50 Jahre war ihre wohlproportionierte Silhouette auf der Flensburger Förde ein vertrautes Bild: die "Sphinx" (ex "Ostwind"). Die drei Flensburger Jochen Frank, Gorm Gondesen und Oliver Berking retteten sie vor sechs Jahren vor dem Verkauf ins Ungewisse, als die Marine sie meistbietend versteigerte. Jetzt braucht die klassische 21 Meter lange Majestät erneut ein kleines Wunder. Sie steht zum Verkauf. Die Eignergemeinschaft ist aufgelöst.

Für Jochen Frank war es kein guter Herbst. Ende vergangenen Jahres nötigte ihn die elegante 72 Jahre alte Dame "Sphinx" zum zweiten Mal eine weit reichende Entscheidung ab. Frank wird sich von ihr trennen, und das schmerzt einen, der vor sieben Jahren mit heißem Herzen ihre Rettung betrieb. "Es bricht einem fast das Herz", gesteht der Vorsitzende des Flensburger Segelclubs. "Und ich bin dankbar für jede Lösung, die hilft, dieses Schiff in Flensburg zu halten."

Die 1939 bei Abeking & Rasmussen gebaute Meterklasse Yacht (12mR) war während ihres "Wehrdienstes" mit ihrer ein Jahr älteren Schwester "Westwind" als Botschafterin der Marineschule Mürwik vor allem im baltischen Raum unterwegs gewesen. 2005, als die Marine wegen der hohen Unterhaltskosten die beiden bauhistorisch bedeutsamen Yachten über die bundeseigene Verwertungsgesellschaft meistbietend versteigerte, taten sich Frank, Gondesen und Berking zusammen, um wenigstens eine der beiden Yachten für die Flensburger Förde zu erhalten. Während "Westwind" nach ihrem Verkauf nach Großbritannien in Southampton an Land verfällt, wurde die "Ostwind" nach einer umfassenden Sanierung im Juni 2008 unter ihrem Mädchennamen "Sphinx" wieder in Fahrt gebracht.

Aber in der Eignergemeinschaft trennten sich - in Freundschaft - bald die Wege. Oliver Berking ging, um sich dem Aufbau der aus dem "Sphinx"-Projekt heraus entstandenen Yachtwerft "Robbe & Berking Classics" zu widmen, und Gorm Gondesen erlag einem Segler-Virus noch viel schlimmer als schöne schlanke Holzyachten: der Transatlantiksegelei. "Und ausgerechnet ich habe ihn angefixt", sagt Jochen Frank. Obwohl der Flensburger Unternehmer nominell und auch finanziell noch mit im ("Sphinx"-)Boot sitzt, führt an einem Verkauf wohl kaum noch ein Weg vorbei. "Für mich alleine ist das eine Nummer Nummer zu groß", sagt Jochen Frank. "Wir waren alle drei mit vollem Herzen dabei. Aber dummerweise ist mittlerweile das einzige Herz, das noch an diesem Schiff hängt, meins."

Nicht, dass er nicht nach Wegen gesucht hätte. "Zu Anfang des Projektes war da noch ein sehr großes Interesse für eine größere Eigentümergemeinschaft gewesen", so Frank. Zu seinem Leidwesen war davon nicht mehr viel übrig geblieben, als er vergangenes Jahr erneut die Fühler ausstreckte. "Ich habe mir den Mund fusselig geredet, um Leute zu finden." Am Ende hatte er zwei Leute gefunden, die das Projekt "Sphinx" aber auf mehr Schultern verteilt wissen wollten. Anteilseigner, die mit 50 000 bis 100 000 Euro einsteigen und jährlich maximal 2000 Euro für die laufenden Kosten gerade stehen, waren bislang nicht zu finden." Resigniert musste Jochen Frank im letzten Herbst feststellen: "Es geht nicht."

Er ist nach wie vor für jede regionale Lösung offen. Parallel aber wird Flensburgs "Sphinx" weltweit zum Verkauf angeboten - über den Yachtmakler Baum & König, den - Ironie des Schicksals - Oliver Berking zu Beginn des Jahres übernommen hat.

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