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Thomas Gottschalk im Norden : Flensburger Silber für den Luxus-BMW

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Großer Bahnhof für den „Siebener“: Der Autobauer und die Silbermanufaktur Robbe & Berking kreieren gemeinsam einen Wagen für 320.000 Euro und präsentieren die Sterling-Edition zwei Tage lang vor viel Prominenz. Das nächste gemeinsame Projekt muss nicht zwingend wieder ein Auto sein.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2013 | 07:50 Uhr

Flensburg | Das Kennzeichen „Premium“ wäre für den neuesten BMW eine glatte Untertreibung. Der 760 Li, der am Dienstagabend vor 150 Journalisten aus aller Welt in der Werfthalle der Robbe & Berking Classics am Harniskai präsentiert wurde, ist der wertvollste „Siebener“ aller Zeiten. Standesgemäß herrschte zwei Tage in Flensburg großer Bahnhof. Am Dienstag kamen die Journalisten, am Mittwoch die wichtigsten Kunden beider Unternehmen nach Flensburg – verwöhnt von den Sterneköchen Cornelia Poletto und Dirk Lutter, beherbergt vom Alten Meierhof, unterhalten von Thomas („das war mal wieder einer dieser Übergänge, die der Kollege Lanz nicht hinbekommt“) Gottschalk.

Oliver Berking, Werftchef, in diesem Zusammenhang vor allem aber Eigentümer der Silbermanufaktur Robbe & Berking, und Adrian van Hooydonk, Leiter der BMW-Design-Gruppe, wollten dieses Auto weniger an seinen technischen Spezifikationen bemessen sehen als an seinen inneren Werten. Die Akzente an und in der 320.000 Euro teuren Sterling-Edition haben zwei Manufakturen gesetzt. Die Sattler von BMW und die Silberschmiede aus Flensburg veredelten den schon für seinen Basispreis von fast 150.000 Euro sicher nicht ärmlich ausgestatteten Zwölfzylinder im Farbton „Singapur Grau“ zu dem am Mittwoch und Dienstag vorgestellten Unikat.

Dieser Siebener ist kein Auto, das man auf schlecht ausgeleuchteten Parkplätzen abstellen sollte. Warmes Merino-Leder und ein weiter Alcantara-Dachhimmel wetteifern mit silbernen Dekorleisten in aufwändiger Hammerschlag-Technik, die Türgriffe, die Einstiegleisten, die typische Doppelniere, die Auspuffendrohre, die Fassung der emaillierten blau-weißen BMW-Raute, alles 925er Sterling-Silber, alles Handarbeit wie die edlen Sessel in diesem Luxus-Liner. Ein Premieren-Auto zweifellos. Ein Doppelpremieren-Auto sogar. Niemals zuvor hatte BMW sein Markenzeichen in fremde Hände gegeben. Robbe & Berking waren die ersten, die das BMW-Emblem außer Haus fertigen durften. „Wir wussten, dass es das Allerheilgste ist. Die Arbeit an der Doppelraute hat uns am meisten Spaß gemacht“, gestand Berking.

Da gab’s im einleitenden Talk mit Thomas Gottschalk auf der Bühne kein Entkommen vor dem Thema Luxus. Es gibt kein Ende der Fahnenstange. Autos wie diese sind dem Streben nach größtmöglicher Individualisierung der Exklusivkunden geschuldet. Es wurden schon für norwegische Lachsfarmer Lederpolster aus Schuppenhaut gefertigt. „Es ging uns vor allem darum zu zeigen, was möglich ist“, ordnete Oliver Berking den Sterling-Wagen ein. Wobei van Hooydonk einschränkend feststellte, dass die deutschen Kunden Luxus weniger als Auftritt, sondern als Präzision definieren würden. Aber das gilt nicht überall. „Es gibt den speziellen Geschmack der Regionen. In Fernost wird Luxus eher zur Schau gestellt.“ Keine schlechte Perspektive. Immerhin ist China für BMW der Markt mit dem größten Wachstum.

Für van Hooydonk war die Arbeit an diesem Projekt eine inspirierende Zeit. „Ich habe großen Respekt davor, wie die das in Flensburg machen.“ Das nächste gemeinsame Projekt muss übrigens nicht zwingend wieder ein Auto sein. Er könne sich vorstellen, so van Hooydonk, „dass wir uns demnächst zusammen ein Boot anschauen.“ Sicher kein zufälliger Hinweis, denn über schöne Boote kam diese Partnerschaft überhaupt erst zu Stande. 2010, es war auf einer Bootsmesse, präsentierte BMW ebenfalls als exklusive Edition einen Steinway-Siebener. Woraufhin Berking einen Brief an den BMW-Vorstand schrieb, in dem er nicht nur auf die Möglichkeit eines Sterling-BMW hinwies, sondern auch auf die edlen klassischen Yachten, die in Flensburg entstehen. „Ich hab’s selbst nicht glauben können, dass der Weltkonzern daraufhin den mittelständischen Flensburger Fabrikanten nach München einlud“, gesteht er. Aber daraus wurde eine fruchtbare Partnerschaft. BMW ist mittlerweile Hauptsponsor klassischer Yachtsportveranstaltungen auf der Förde.

Jetzt kann Berking hoffen, zum Exklusiv-Lieferanten für die Sterling-Edition zu werden. Immerhin. Der Steinway-Siebener, der alles in Gang gebracht hat, wurde bislang 100 Mal verkauft.

 

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