Traditionssegler "Activ" : Flensburger Schoner jagt Moby Dick

Fahrt in den Untergang: Die 'Pequod' alias 'Activ' als Filmstar in den Gewässern vor Malta. Foto: Jan Betke
Fahrt in den Untergang: Die "Pequod" alias "Activ" als Filmstar in den Gewässern vor Malta. Foto: Jan Betke

Zum Glück ist es nur ein Film, wird sich der Flensburger Volkwin Marg morgen Abend beim Fernsehen denken. Denn was da zur Prime-Time in RTL untergeht, ist sein Schiff.

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27. November 2011, 08:46 Uhr

Flensburg | Die "Activ", im Flensburger Museumshafen zu Hause, spielte 2009 eine Hauptrolle in der Neuverfilmung des epischen Melville-Werks "Moby Dick". Und wie man weiß, lässt der weiße Wal nicht viel übrig von dem düsteren Schiff und seiner Crew.
Um 20.15 Uhr beginnt am Sonntag die Ausstrahlung der aufwendigsten Verfilmung des dramatischen Stoffes seit 1956. Damals stand Gregory Peck als fanatischer Captain Ahab auf der Brücke, dieses Mal ist es Oscar-Preisträger William Hurt. Regisseur Rikold von Gagern (Hindenburg, Der Seewolf) hatte 19 Millionen Euro zur Verfügung und mit Gillian Anderson (Akte X), Charlie Cox (Der Sternenwanderer), Ethan Hawke (Oscar-nominiert für Before Sunset) und Donald Sutherland handverlesene Hollywood Stars auf den Planken des Flensburger Brahmsegelschoners.
Authentische Szenen auf See - inklusive Tüten
Die teilten sich die Schauspieler mit der Stamm-Besatzung des Traditionsseglers, die sich für den Dreh übrigens Bärte wachsen lassen musste. Ihre Seemannschaft war auf dem Mittelmeer vor Malta, wo der Film gedreht wurde, unverzichtbar. Von Gagern wollte die Szenen auf See - die fast zwei Drittel des Films ausmachen - möglichst authentisch. Bei Windstärke 9 und zwei Kameraleuten samt Ausrüstung, die wegen des Sturms nicht mehr aus ihrer 25 Meter hohen Position im Mast herunterkamen, war die Seefahrt auf der "Pequod" alias "Activ" authentischer als sich das manch einer gewünscht hätte. Zumal der Großteil der 70-köpfigen Filmcrew wegen der an Deck laufenden Dreharbeiten unter Deck gefangen war und dankbar von den Tüten Gebrauch machte, die von einer Fluggesellschaft gesponsert worden waren. Activ-Kapitän Jonas Bergsøe jedenfalls hatte seinen 42 Meter langen Schoner in dieser Szene am Limit. "Da fuhr die Activ schon wie eine Jolle."
Fehlende Patina besorgten die Kulissenmaler
Von Gagern hatte lange nach einem geeigneten Schiff gesucht. In den USA gab es zwar "echte" Walfänger (das damals gebräuchliche Rigg war Rah-getakelt), aber die Eigner waren nicht bereit, ihre maritimen Pretiosen so hart übers Meer knüppeln zu lassen. Andere waren zu sehr auf Hochglanz polierte Luxus-Segler. Die "Activ" aber, weltweit im Einsatz, und elementar inspiriert, war genau richtig. Was an Patina noch fehlte, besorgten die Kulissenmaler.
Für ihre Hauptrolle wurde die "Activ" gründlich umgebaut - die alten Aufbauten wurden abgenommen, gelagert und nach Ende der Dreharbeiten wieder montiert. Zur Zeit liegt sie in ihrem zweiten Heimathafen Svendborg, völlig intakt und wieder ganz die Alte. Volkwin Marg kann also ganz entspannt zuschauen.
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