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11.000 Kilometer für die Inklusion : Flensburger Radfahrer mit Handicap starten Tour

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Was Inklusion von Behinderten genau ist, wissen viele Menschen nach Überzeugung von Betroffenen nicht. Um auf das Thema aufmerksam zu machen, setzen sich zwei Radfahrer auf's Trike – und fahren von Sibirien nach Rio.

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erstellt am 18.Jan.2016 | 07:16 Uhr

Flensburg | Mit einer Radtour von Sibirien über das Nordkap bis nach Rio de Janeiro wollen Karl Grandt und Sven Marx für die Inklusion behinderter Menschen werben. Denn was Inklusion überhaupt ist, sei vielen nicht klar, ist Karl Grandt, Projektkoordinator beim Verein Health Media aus Flensburg überzeugt. „Wenn Sie zehn Leute auf der Straße fragen, ,Was ist Inklusion?‘, bekommen Sie vermutlich achtmal die Antwort, ,Weiß' nicht‘.“

Um die Menschen über den Begriff Inklusion und seine Bedeutung aufzuklären, nehmen die beiden Männer die Strapazen der über 11.000 Kilometer langen Tour durch mehr als zehn Länder auf sich. Start soll am 15. Mai im sibirischen Jekaterinburg sein. 2015 sind Grandt und Marx, die beide selbst gehandicapt sind, bereits von Flensburg nach Rom gefahren. Sie hatten dort eine Sonderaudienz beim Papst, der die von ihnen mitgenommene „Inklusionsfackel“ gesegnet hat. Der 45-jährige Marx hatte einen Gehirntumor und ist seither sehbehindert. Der 61-jährige Grandt hat einen schweren Autounfall mit mehreren Wirbelbrüchen überlebt.

Anfang September wollen die beiden Männer zur Eröffnung der Paralympischen Spiele gemeinsam mit Schülern der deutschen Schule in Rio ins Olympische Stadion einfahren. Unterstützt werden sie dabei unter anderem vom deutschen Generalkonsul in Rio, Harald Klein. „Das Thema Inklusion ist weltweit ein sehr wichtiges Thema“, schreibt Klein an Health Media. Gerade in Brasilien gebe es noch viele Defizite. Die Paralympischen Spiele stellten für Rio daher eine Herausforderung, aber auch eine große Chance dar. Er freue sich, bei der letzten Etappe und der Einfahrt ins Olympiastadion dabei sein zu können.

Nach der UN-Behindertenrechtskonvention soll allen Menschen eine uneingeschränkte und gleichberechtigte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben möglich sein. „Zu einer inklusiven Gesellschaft gehören Menschen mit Behinderungen, die mit Selbstverständlichkeit und Selbstbewusstsein einen Platz inmitten der Gesellschaft einnehmen“, sagte Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit (SPD). Das sei auch eine Frage der Einstellung aller Menschen. „Meine Hochachtung für dieses Projekt, das darauf aufmerksam macht!“ Sie wünsche den beiden Radsportlern „alles erdenklich Gute, damit die Tour klappt“.

„In Deutschland sind wir zwar ganz gut davor“, sagte Grandt. Aber es gäbe noch sehr viel mehr zu tun, so seien zum Beispiel die skandinavischen Länder schon lange viel weiter. „Da ist es zum Beispiel völlig normal, wenn ein Rollstuhlfahrer in der Disco tanzt, bei uns würde in seinem solchen Moment doch immer noch ,komisch geguckt‘.“ In Deutschland sei die Infrastruktur vielerorts zwar überwiegend behindertengerecht, „aber in den Köpfen wird nicht zusammengelebt, da gibt es noch viele Barrieren“, findet Grandt.

Bis Grandt, Marx und ihre Mitstreiter tatsächlich aufbrechen können, hat der Verein Health Media allerdings noch einige Herausforderungen zu meistern - nicht nur sportlicher und organisatorischer, sondern auch finanzieller Art. Es fehlten noch mehrere tausend Euro, sagte Grandt. Aus diesem Grund wird nun ein Kalender mit Bildern der Tour zum Papst verkauft. Auch eine von Papst Franziskus gesegnete Skulptur „Für besonderes Engagement und Leistungen für die Inklusion“ wird zur Finanzierung der Tour 2016 versteigert werden.

 

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