Flensburger Köpfe - 14. und letzter Teil: Erotik-Ikone Beate Uhse

<strong>Beate Uhse </strong>verstarb  2001.
Beate Uhse verstarb 2001.

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28. Dezember 2009, 06:24 Uhr

Flensburg | Ob "Grande Dame der Erotik", "Sexshop-Königin", "Liebesdienerin der Nation", "Schlummermutter der Republik", "unerschrockene Tabubrecherin" oder "Lust-Macherin" - die Medien hatten ihr unzählige Beinamen verpasst.

Beate Uhse (1919 - 2001) war eine Frau der Superlative: Sie war in der Vorkriegszeit Deutschlands erste und einzige Stunt-Pilotin und gründete 1962 den ersten Sexshop der Welt in Flensburg - einer Stadt, in der die clevere Unternehmerin zu jener Zeit immer noch auf gesellschaftliche Vorbehalte stieß. So lehnte der örtliche Tennisclub "aus generellen Gründen" die Aufnahme der sportbegeisterten Frau ab. "Spielen lernte ich dann in Südfrankreich in einer Tennisschule", schreibt Beate Uhse in ihrer Autobiografie. Erst "am Abend meines Lebens" fand ihr bemerkenswertes unternehmerisches Werk öffentliche Anerkennung und Würdigung, indem sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und von der Stadt Flensburg gebeten wurde, sich im Rathaus in das Goldene Buch einzutragen.

Beate Uhse war auf dem väterlichen Gut Wargenau bei Cranz in Ostpreußen aufgewachsen und hatte schon als kleines Mädchen davon geträumt, Pilotin zu werden. Mit 18 Jahren machte sie den Flugschein. Mit einer zweimotorigen Maschine flüchtete sie gegen Kriegsende 1945 aus dem brennenden Berlin gen Westen und landete im nordfriesischen Leck.

Mit Produktion und Versand einer Aufklärungsbroschüre über Geburtenregelung mit dem Titel "Schrift X" legte sie den Grundstein für einen Erotik-Konzern, der Weltruf erlangen sollte, und machte eine zweite Karriere als Geschäftsfrau. 1947 gründete sie in Flensburg einen Versandhandel; der erste Prospekt umfasste gerade mal acht Seiten. Die Firma expandierte in rasantem Tempo. Nach fünf Jahren war die Kundenkartei bereits auf 200 000 Namen angewachsen. In der Weihnachtszeit 1962 eröffnete Beate Uhse in der Innenstadt von Flensburg ein "Fachgeschäft für Ehehygiene" und damit den ersten Sexshop der Welt. Bundesweit folgten weitere Ladengeschäfte, nach dem Fall der Mauer auch im Osten Deutschlands.

Anlässlich ihres 50-jährigen Firmenjubiläums weihte sie in Berlin das nach ihr benannte Erotik-Museum ein. 1999 ging die Beate Uhse AG an die Börse und erreichte im Jahr 2000 in 13 Ländern einen Umsatz von 310 Millionen Mark. Die Firmengründerin hatte sich zwar 1992 aus dem operativen Geschäft weitgehend zurückgezogen und war in den Aufsichtsrat gewechselt, ans Aufhören aber dachte sie nicht.

Im Alter von 81 Jahren starb die Legende der Erotik-Branche in einem Krankenhaus in der Schweiz. In einem Nachruf würdigte die damalige schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis Beate Uhse als "eine der erfolgreichsten Frauen" ihres Landes. Ihre Heimatstadt bescheinigte ihr, sich "um das Wohl unserer Stadt herausragende Verdienste erworben" zu haben.

Im Baltica-Verlag ist das Buch "Flensburger Köpfe" erschienen.

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