Nach Erdbeben : Flensburger helfen Kindern in Nepal

Wollendem Ashram in Nepal und deren Bewohnern helfen: Tanja Burmeister und Lennart Linde.
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Wollendem Ashram in Nepal und deren Bewohnern helfen: Tanja Burmeister und Lennart Linde.

Tanja Burmeister und Lennart Linde waren ganz in der Nähe von Kathmandu, als die Erde bebte. Eine Woche blieben sie noch vor Ort, dann flogen sie zurück nach Deutschland. Nun sammeln sie Spenden für das Waisenhaus.

shz.de von
19. Mai 2015, 13:00 Uhr

Flensburg | Eingestürzte Häuser, Tausende obdachlose Menschen und zerstörte historische Denkmale – diese Bilder gingen nach dem schweren Erdbeben in Nepal vor drei Wochen um die Welt. Für Lennart Linde (23) und Tanja Burmeister (21) sind sie Realität. Die beiden waren zu jener Zeit in einem spirituellen Zentrum und Waisenhaus außerhalb der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu und haben das Beben und die Tage danach miterlebt. Nun sammeln sie Spenden für den Wiederaufbau des Waisenhauses.

Eigentlich wollten Burmeister und Linde durch Nepal trampen. Nach ihrer Ankunft blieben sie zwei Nächte im touristischen Viertel Kathmandus, Thamel. „Da weiß man, wo man schläft“, sagt Linde. Danach wollten sie weg aus der Hauptstadt und kontaktierten das Ashram „Sri Aurobindo Nepal“. Als Ashrams werden in den indischen Sprachen spirituelle Zentren bezeichnet. Im „Sri Aurobindo Nepal“ waren die beiden willkommen und fühlten sich dort pudelwohl. Zusammen mit den 200 Kindern und Erwachsenen, die dort leben, zur Schule gehen und Schutz suchen, feierten sie das 22. Jubiläum des Ashrams. „Alle waren glücklich“, erinnert sich Burmeister, „und alles war so farbenfroh.“ Dann fügt sie mit ernstem Gesicht hinzu: „Gut, dass das Fest nicht einen Tag später stattgefunden hat.“ Am Tag des Bebens.

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Den 25. April wird das junge Paar erstmal nicht so schnell vergessen. Burmeister ist im Haus, als die Erde für rund eine Minute bebt, ihr Freund kümmert sich mit einigen Kindern um Heu-Ladungen. Die 21-jährige Dänin kriecht sofort unter das Bett, doch Linde holt sie ins Freie. Schließlich habe das Gebäude einstürzen können. „Durch das Schwanken des Hauses hat sich die Treppe ständig bewegt, und ich konnte kaum nach oben laufen“, beschreibt Linde die Situation. „Mal war sie rechts, mal links. Ich hatte ganz schönes Magensausen.“ Viele Kinder hätten geweint, erzählt Burmeister. Aus Angst vor einstürzenden Gebäuden schlafen alle draußen in einem Zelt.

Als die Erde wieder still steht, wird das Ausmaß der Katastrophe sichtbar. In Kathmandu sind viele Häuser eingestürzt, und auch das Ashram hat Schäden davongetragen. Backsteine sind heruntergefallen, und viele Wände haben Risse. Außerdem sei ein Wassertank zerstört worden. Menschen sind dort aber nicht umgekommen – im Gegenteil. Das Ashram hat Zuwachs bekommen, denn viele Kinder in der Stadt haben durch das Erdbeben ihre Familien verloren. Burmeister und Linde bleiben noch eine Woche nach der Katastrophe in Nepal, um vor Ort zu helfen. Danach reisen sie heim nach Flensburg.

Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland haben sich die beiden entschlossen, die Aktion „Help Auro Nepal“ zu starten, um Spenden für das Ashram zu sammeln. Mehr als 800  000 Euro sind nötig, um es zu reparieren und wieder aufzubauen. Zudem wird ein neuer Wassertank gebraucht, der rund 2000 Euro kostet. Das zweite Beben vom 12. Mai hat das Jungenhaus unbewohnbar gemacht, es wurde wegen Einsturzgefahr evakuiert. Das Gleiche gilt für den Kuhstall. Der Gründer des Ashrams, Swami Ramchandra, schrieb den jungen Leuten in einer Mail, dass die Kinder und Erwachsenen in ständiger Angst leben und ihnen mit dem Wiederaufbau eine Herkules-Aufgabe bevorstehe.

Wer den Menschen helfen möchte, kann sich in Burmeisters Blog über das Ashram informieren. Dort gibt es auch einen Link zur Spendenseite. Außerdem wollen die Zwei mit ihrem VW-Bus über das Portal Blablacar Mitfahrgelegenheiten anbieten, deren Erlöse an das Ashram gehen. Jeder, der Lust hat, kann aber auch mit den beiden im VW campen – oder „Couch surfen“, wie es Neudeutsch heißt. Zwei weitere Leute können sie mitnehmen. Auch dieser Erlös wird gespendet.

> Spenden über die Internetseite www.gofundme/helpauronepal

> Blog zum Ashram: www.paintingmypath.com

> Infos zur Aktion: paintingmypath@gmail.com

Das Ashram „Sri Aurobino Nepal“ ist Schule, Waisenhaus, Bio-Bauernhof und spirituelles Zentrum zugleich. Es ist keine gewinnbringende Einrichtung, sondern sie trägt und versorgt sich selbst. 150 Kinder und 50 Erwachsene leben dort. Sie gehen  zur Schule, helfen auf den Feldern mit oder basteln und handarbeiten. Das Ashram ist ein Zufluchtsort für alle, die auf der Suche nach Bildung, Frieden und Einheit sind. Für 13 Euro können dort auch Gäste übernachten, inklusive Verpflegung und Yoga-Unterricht. Der Gründer Swami Ramchandra hat große Pläne für die Zukunft. Er möchte  mehr benachteiligten Kindern helfen und mehr Ashrams mit Waisenhäusern bauen. Für  die Ausbildung der Kinder wird  viel getan. Ein junger Mann  hat kürzlich seinen Master in Physik an einer deutschen Universität abgeschlossen. Seine Schwester  ist eine bekannte Tänzerin geworden, die jedes Jahr nach Europa kommt, um zu unterrichten.

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