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Flensburger Tageblatt

23. November 2017 | 14:03 Uhr

Flensburger grübeln sich die Stadt schön

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Woche lang haben Stadtdenker und Bürger über die Gestaltung der Fördestadt gegrübelt – und sich allmählich angenähert

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2016 | 12:58 Uhr

„Wo ist denn hier der Eingang zum Klo?“ Eine Woche hat Stadtdenkerin Turit Fröbe mit ihrem Team Station an der Flensburger Hafenspitze gemacht. Am ersten Tag wurde ihr Basislager aus zwei eingepackten Containern meist irrtümlich für ein öffentliches Toilettenhäuschen gehalten. „Die, die sich anderweitig neugierig anpirschten, waren sofort wieder weg, wenn wir sie angesprochen haben“, berichtet Fröbe.

Aber dann sind sie doch noch aufgetaucht und aufgetaut, die Flensburger – und waren erstmal sehr wütend. Fröbe: „Die haben geschimpft wie die Rohrspatzen!“ Über die vernachlässigte Hafenspitze, über viele Projekte und die gefühlte Konzeptlosigkeit der Stadt, über verbaute Ausblicke und die Situation am Harniskai. Häufig sei die Kritik undifferenziert gewesen, ebenso häufig habe die Stimmung im Gespräch gewechselt.

Kleine Gedankenspiele brachten dann das ins Rollen, was die Stadtdenkerei auszeichnet. „Wir bringen Menschen dazu, selbst auf den ersten Blick hässliche Orte am Ende schön zu finden“, erklärt Fröbe, die sich auch als Autorin des Buches „Die Kunst der Bausünde“ einen Namen gemacht hat.

Hartnäckig, dank orangefarbenen Klebestreifen und Sprühkreide gut sichtbar und mit einem kreativen Stadt-Entdeckungsprogramm hat es dann doch noch gefunkt zwischen den Flensburgern und Fröbe und ihrem Team. Zum Einstieg in das Stadtdenken haben sie sich von Bewohnern durch die Stadt führen lassen und dabei bereits einige potenzielle Tatorte zum kreativen Weiterdenken ausgemacht. Im Fokus standen die stillgelegten Schienen, die Brücken und natürlich die Hafenspitze selbst.

Um die Flensburger zum Mitdenken und Hingucken zu bringen, haben die Stadtdenker sich Einiges einfallen lassen. „Wir haben zum Beispiel ein paar Kunstwerke in Goldfolie eingepackt und dann gefragt, was drunter ist“, so Architekt und Stadtdenker Constantin Kozák. Das hat selbst so manchen überzeugten Flensburg-Kenner ins Grübeln gebracht.

Auch der Gleisspaziergang mit einer Pflanzenkennerin führte zu einem neuen Blick der Teilnehmer, die die stillgelegten Schienen kurzerhand zum „Botanischen Garten“ umdachten. 30 Schilder mit Informationen geben Auskunft zu den entdeckten Pflanzen entlang der Strecke. Am Brückentag gab es sogar eine waschechte Brückenbesetzung, als eine Gruppe Kinder über dem Hafendamm ihren kreativen Freiraum für das Workshop-Angebot „Seife selbst herstellen“ entdeckte.

Ein neues Stadtgefühl lockten auch die leuchtend orangefarbenen Linien hervor, die in der Stadt die alte Hafenkante sichtbar machten. Da ist so mancher Stadtbewohner von der Haustür direkt ins imaginierte Fördewasser gestolpert. „Wir wollten ganz bewusst keine konkreten Empfehlungen. Die Flensburger sollten nachdenken, ins Grübeln kommen und über ihre Ideen sprechen“, erklärte Denkmalschützer Eiko Wenzel als Vertreter der Stadt Flensburg, die Turit Fröbe mit der Denkwoche beauftragt hatte.

Ein paar konkrete Hinweise gab es dann aber doch noch: „Wir empfehlen, diesen Platz möglichst nicht anzurühren und auch die Bahndämme nicht einzuebnen.“ Einzige Ausnahme sei der Untergrund an der Hafenspitze. „Vielleicht wären kleine Kiesel eine weniger staubige Lösung“, so Fröbe. Und: „Die Flensburger wollen etwas Handfestes. Aus Aktionen und Projekten soll auch etwas folgen.“

Etwas Handfestes haben auch die Stadtdenker dagelassen: Am vorletzten Tag entstanden auf einer Papiertischdecke erste Konstruktionszeichnungen für eine mit einem Fahrrad betriebene Draisine. Nach einem Tag Bau mit Unterstützung vieler Flensburger steht sie nun auf den Gleisen. Stadtdenker Simon Lindenberg: „Sie ist noch nicht Tüv-geprüft, aber jetzt ist sie da.“ Vielleicht kann sie neue Fahrt in die Entwicklung der Hafenspitze bringen.


Weitere Eindrücke: www.stadtdenkerei.de


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