Gefahr für Fußgänger : Flensburger Fördehang ist nicht zu halten

Der Wanderweg an der Ostsee ist wieder voll begehbar und wird von großen wie kleinen Spaziergängern  genutzt. Doch der nächste Erdrutsch ist nur eine Frage der Zeit.  Foto: Dommasch
Der Wanderweg an der Ostsee ist wieder voll begehbar und wird von großen wie kleinen Spaziergängern genutzt. Doch der nächste Erdrutsch ist nur eine Frage der Zeit. Foto: Dommasch

Die Abwärtsbewegung des Fördehangs entlang des Uferweges zwischen Ostseebad und Wassersleben ist zum Stillstand gekommen - aber kein Ende der Talfahrt in Sicht.

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11. April 2013, 09:08 Uhr

Flensburg | Es will keine Ruhe einkehren. Zwar ist die Abwärtsbewegung des Fördehangs entlang des Uferweges zwischen Ostseebad und Wassersleben zum Stillstand gekommen, ein Ende der Talfahrt aber ist nicht zu erwarten. Der 1,40 Meter breite Wanderweg ist seit einigen Wochen wieder freigegeben - zur Freude von Joggern, Spaziergängern und Kindergruppen, die das Gelände rege und regelmäßig nutzen. Das Hinweisschild "Achtung Hangrutschgefahr" warnt allerdings all jene, die sich in trügerischer Sicherheit wähnen. Denn Regenfälle könnten das erosionsgefährdete Terrain schnell wieder in Bewegung setzen.

Das Technische Betriebszentrum ist alarmiert. Seit Beginn des letzten Jahres, als sich erste Risse im Erdreich offenbarten, versuchen die Mitarbeiter, die Erdmassen zu bändigen. 4500 Kubikmeter sind schon abgefahren und auf einer Deponie im Umland gelagert worden. 25 betagte Bäume sind in dem 6400 Quadratmeter großen gefährdeten Bereich entwurzelt oder gefällt worden. Etwa 100.000 Euro haben die Maßnahmen bislang gekostet. "Und ich bin nicht sehr optimistisch, den Hang zum Stillstand zu bewegen", sagt TBZ-Chefin Maren Reimann.

Düstere Zukunftsaussichten also. Denn es gibt durchaus Gedankenspiele, ob man irgendwann gezwungen sein wird, die Natur sich selbst zu überlassen, sprich: die Promenade aufzugeben. "Es gibt derlei Überlegungen, wir müssen das prüfen", sagt Otto Pastorff, Abteilungsleiter Grün und Forst. In diesem Fall müsste eine neue Trasse geschaffen, der Weg nach oben verlegt werden. Doch Pastorff will die Hoffnung nicht aufgeben. Zumal die Verbindung Teil des Europäischen Fernwanderwegs ist, der von Mittelschweden bis nach Umbrien reicht und eine touristische Attraktion darstellt. Pastorff: "So etwas schenkt man nicht so einfach her."

Experten setzen nunmehr auf einen regenarmen Sommer. Denn in der Trockenwitterungsphase bleibt alles im grünen Bereich. "Es handelt sich im Gegensatz zu einem Bruchhang wie auf Rügen oder an der Steilküste in Holnis um einen Fließhang, in dem das Wasser buchstäblich lebt", erläutert Pastorff und verweist in diesem Kontext auf den Begriff Wassersleben. Allein von Mai bis Dezember letzten Jahres seien acht Meter des Erdreichs von oben in Richtung Wasserkante gerutscht. Mutterboden und Sand gleiten auf einer Lehmschicht wie auf Schmierseife nach unten. Der letzte Großeinsatz datiert vom September 2012, als ein riesiger Baumstumpf mit ausladendem Wurzelwerk auf dem Geh- und Radweg landete. Niemand wurde dabei verletzt. Und als die Feuerwehr vor zwei Monaten ausrücken musste, weil ein Radfahrer eine ältere Frau unter einer Aufschüttung aus Erdreich, Steinen und Geröll vermutete, entpuppte sich das glücklicherweise als blinder Alarm.

Man darf sicher sein, dass eine Aufgabe der Uferpromende einen Aufschrei der Empörung nach sich ziehen würde. Aber wenn die Kosten aus dem Ruder laufen? "Im gewissen Sinne ist das verlorenes Geld", sagt Maren Reimann, "Geld, das wir an anderer Stelle gut gebrauchen könnten."

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